Ein (sehr) bescheidenes Jahr geht zu Ende

Mein Jahresrückblick 2019

Der Artikel besteht aus 1351 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 05:24 Minuten

Rückblick 2019

2019 geht in vier Tagen zu Ende. Etwas mehr als 100 Stunden bleiben von einem Jahr, das eigentlich gar nicht so schlecht lief.

Doch der September und Oktober machten es zu einem noch bescheideneren Jahr als es die letzten Jahre eh schon waren. Wir haben gerade das erste Weihnachtsfest zu dritt hinter uns. Doch der Reihe nach.

Der Januar fing mit einem neuen Job in einer Druckerei in Lüneburg an. Doch wie sich im Laufe der Zeit herausstellen sollte, hatte ich mal wieder in die Grütze gegriffen.

Der direkte Vorgesetzte und der Chef verdienen ihre Jobs nicht. Wie sie mit den Mitarbeitern dort umgehen, spottet jeder Beschreibung. In einem Artikel im April nannte ich es 'Methoden wie im 19. Jahrhundert'. Und dazu stehe ich nach wie vor. Die Mitarbeiter in der Produktion werden einfach zu Wochenenddiensten eingeteilt, ohne das sie gefragt werden. Familie? Ja und! Geplante Vorhaben? Kann man verschieben.

Wieder mal beruflich in die Grütze gegriffen

Aber sich hinterher wundern, das man einen exorbitanten Krankenstand hat. Aber die pfeift man dann auch noch zur Arbeit.

Auch mit mir ist man nach Gutdünken umgesprungen. Mal 4 Stunden länger arbeiten, weil die Ware vorher nicht fertig wurde und trotzdem noch 200 KM weit ausgeliefert werden musste - klar macht Herr Schröder das.

Und genauso ging es zu Ende. Ich hatte zur Hälfte des 6. Monats meinen Urlaub eingereicht. Und als ich am letzten Arbeitstag vor meinem geplanten Urlaub nachfragte hieß es, tut uns leid, aber unterschreiben Sie hier ihre Kündigung.

Ich würde zu ruppig mit den Kollegen umspringen - die sich daran allerdings nicht erinnern konnten. Das einzigst Positive sei meine Flexibilität. Und das würde man auch möglichen zukünftigen Arbeitgebern sagen, wenn ich ihn (meinen direkten Vorgesetzten) als Referenz nennen würde.

Leider bin ich auch in dem Moment nicht gedanklich flexibel gewesen, ansonsten hätte ich ihm gesagt, das ich dann lieber den Satan als Referenz nennen würde, der hätte wenigstens Anstand.

Der 4. Versuch sitzt

Der Versuch bei einem Raumausstatter zu starten, war schon nach einem Tag ein Rohrkrepierer. Ich kam mit den Leuten dort nicht klar, und konnte mir auch nicht vorstellen, die Arbeit dort vernünftig über die Bühne zu bringen. Aber ich hatte ja Gott sei Dank noch einen As im Ärmel.

Noch am nächsten Tag, an dem ich bei der Firma meine Kündigung aussprach, fuhr ich zu meinem alten Arbeitgeber, einer Spedition mit Paketdienst.

Laut dem Geschäftsführer sollte sich einiges zum besseren gewendet haben, Doch dem war nicht so. Nach 14 Tagen packte ich auch hier meine Sachen, weil man immer noch mit dem Gehalt wochenlang hinterher lief.

In der Zwischenzeit hatte ich mich bei einem Bekannten, der bei Hansetrans in Hamburg mittlerweile als stellvertretender Niederlassungsleiter tätig ist, gemeldet und gefragt, ob er nicht jemanden hätte, der einen Fahrer sucht.

Er vermittelte mich zu meinem jetzigen Arbeitgeber. Hier habe ich das erste Mal seit Jahren keinen Stress. Mein Chef ist superlieb. Aber natürlich kneift es auch hier - wie sollte es anders sein. Die vorgesehenen 160 Stunden im Monat erreiche ich in der Regel nur mit Ach und Krach - und dabei bin ich darauf angewiesen, die Stundenzahl zu erreichen, arbeite ich doch auf Stundenbasis. Und da wir erst um 10 h mit dem beladen beginnen, nachdem ich eine Stunde Anfahrt mit dem Lkw habe, kommt man natürlich auch erst gegen 17 h zum Feierabend.

Hat man Arzt- oder anderweitige Termine, welche ich schon von vorherein möglichst spät lege, muss ich jedesmal betteln gehen, das man die Tour entsprechend plant. Das kommt natürlich nicht besonders gut an, schließlich sind wir als Entlastung für die dort angestellten Fahrer angeheuert.

Aber vielleicht pendelt sich das auch noch ein.

Beruflich naja - Privat au weia

Beruflich lief 2019 also durchaus passabel - besonders zum Ende hin. Privat war es ab September dagegen eher ein Alptraum.

Das fing damit an, das eine bei dem Hausarzt unseres Vaters angestellte Ärztin Ende August bei ihm im Urin (angeblich) zu viele Bakterien feststellte.

Ihm wurde daraufhin ein Antibiotikum verschrieben, und das - so meine Vermutung - hat ihm in den Tagen und Wochen darauf, den Appetit gewaltig verhagelt. Wenn er morgens 1/8 Toast gegessen hat, war das viel. Wobei von Essen letztlich keine Rede mehr sein konnte - er spukte es nach ein paar Umdrehungen im Mund wieder aus. Ähnlich armselig war es Mittags und Abends.

Nach ca. 14 Tagen produzierte er dann - weil natürlich auch das trinken nachließ - keinen Urin mehr.... Akutes Nierenversagen.

Und trotzdem war man beim ärztlichen Notdienst der Meinung, das wir das erst nochmal ein paar Stunden beobachten sollten. Sollte es sich dann nicht bessern, nochmal anrufen und die diensthabende Ärztin käme raus.

Natürlich änderte sich nichts. Die Ärztin kam raus, und schrieb dann einen Transportschein aus für den Fall, das sich bis zum frühen Morgen der Zustand nicht bessern sollte. Anstatt gleich den RTW zu rufen.

Die Ärzte im Krankenhaus holten ihn soweit wieder auf die Beine, das die Nieren wieder ihren Dienst verrichteten. Aber am Essverhalten änderte sich nichts.

Ärzte tun ihr Bestes - aber er mag nicht mehr

Die Besuche im Krankenhaus waren schwer zu ertragen. Er lag nur apathisch im Bett. Auf Ansprache reagierte er nicht wirklich.

Anders als geplant, besuchten wir ihn dann schon am Samstag statt am Sonntag. Mein Bauchgefühl sagte mir, das wir den Besuch unbedingt vorziehen sollten. Wie recht ich damit hatte, erfuhren wir zwei Tage später.

Uns lies hoffen, das er agiler war als 7 Tage zuvor. Nur das er jeden Versuch, ihn vernünftig anzuziehen, boykottierte. Er konnte die Klamotten an den Beinen nicht mehr ertragen - wie ich jetzt weiß, ein sicheres Zeichen, das es bald vorbei ist.

Dann kam der Montagmorgen....

Aus irgendeinem Grund stand ich schon gegen 4 h auf, wollte auf Toilette gehen, und sah dann, das schon kurz nach Mitternacht das Krankenhaus angerufen hatte. Doch wegen der Klingelsperre zwischen 22 h und 6 h morgens kamen die nicht durch. Ich dachte, ich hätte die Freigeschaltet.

Der Arzt teilte mir mit, das unser Ehemann und Vater um kurz nach ein Uhr gestorben sei. Schon seit Sonntagnachmittag sei es mit ihm Bergab gegangen und es hätte sich angekündigt, das es nicht mehr lange dauern würde.

Doch im Nachhinein bin ich, sind wir froh, das wir diesen Anruf nicht mitbekommen haben. Wir alle drei hätten es nicht ertragen, ihm beim sterben zusehen zu müssen. Und vielleicht hätte er es auch nicht gewollt.

Ich habe im Nachhinein noch überlegt, ob man sich aufgrund des Verhaltens des Notdienstes und der Sanitäter, die wir schon 3 Tage bevor er ins Krankenhaus kam alarmiert hatten, und die ihn ebenfalls nicht mitnahmen, einen Anwalt aufsuchen sollte. Doch uns wurde klar, das es zum einen unseren Vater nicht wieder lebendig macht und wir wohl auf verlorenem Posten stehen würden.

Vater stirbt nach 6 Wochen K(r)ampf

Es tat (und tut) weh, mit anzusehen, wie ein Mann wie ein Baum (80 KG bei 185 cm), der 5 Wochen zuvor noch ein- bis zwei mal täglich seine Runde durchs Dorf machte, der bei allem möglichen noch mit anpackte, am Ende mit vielleicht gerade noch 45 Kilo auf dem Sterbebett liegt.

Ein kleiner Trost ist es, das wir uns in den 3 Wochen, in denen er im Krankenhaus lag, schon ein wenig dran gewöhnen konnten, hier nur noch zu dritt zu leben.

Nichts desto trotz fehlt der Ehemann und Vater. Zumal er 4 Wochen später Goldene Hochzeit gefeiert hätte. Doch schon als wir überlegten, was könnten wir zu diesem Anlass machen (große Feier oder nur Kaffee trinken in den eigenen 4 Wänden), sagte er, das er die Goldene Hochzeit nicht feiern will.

Er hat sich dran gehalten!

Tja, und so feiern (und feierten) wir sowohl die Goldene Hochzeit als auch das erste Weihnachtsfest sowie den Jahreswechsel nun nur noch zu dritt.

Nächstes Jahr, so die Gesundheit unserer Mutter sich nicht allzu sehr verschlechtert, sind 14 Tage Urlaub nahe Wien geplant. Da möchte sie noch einmal hin.

Marcus
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