Methoden wie im 19. Jahrhundert

Mitarbeiterführung aus der Gründerzeit hält sich bis heute

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gefrustet vom Beruf

Gegründet 1883 - Wenn sich eine Firma derart lange behaupten kann, sollte man meinen, sie wird seriös geführt. Doch das dem nicht so ist, es nicht so sein muss, zeigen mein Vorgesetzter und der Chef jeden Tag aufs neue.

Als ich damals den Arbeitsvertrag unterschrieben habe, war ich vermessener Weise so optimistisch, folgende Dinge zu erhoffen bzw. zu erwarten:

  1. Einen Job mit einer geregelten Arbeitszeit
  2. Einen Job der gut bezahlt wird
  3. Runter von der Straße / nicht mehr hauptsächlich fahren / Abwechslung

Der einzige Punkt, der sich davon erfüllt hat, ist die Bezahlung. Da sie festgeschrieben ist, wechselt sie nicht ständig. Aber Punkt 1 und Punkt 3 sind Luftschlösser geblieben.

Im ersten Monat 8 Arbeitstage mit mehr als 9 Stunden

Natürlich ist im Arbeitsvertrag die wöchentliche Arbeitszeit festgeschrieben.

Doch schon allein im Januar hatte ich 8 Arbeitstage, die zwischen 9 und 14 1/2 Stunden dauerten. Jetzt im April sind es schon wieder 5 Tage mit mehr als 10 Stunden - davon 3 in dieser Woche.

Mein direkter Vorgesetzter ist planlos, völlig überfordert. Gut, die Personalstärke liegt mindestens 25 % unter dem, was benötigt würde. Wird in der Frühschicht noch mit bis zu 10 Leuten produziert, sind in der Spätschicht maximal 3 Kollegen aktiv. So kommt es natürlich, das man mit der Arbeit nicht mehr hinterher kommt.

Einige der produzierten Sachen werden / müssen tagesaktuell noch ausgeliefert werden von mir und meinem Kollegen. Und so kommt es, das wir nach 12 Uhr noch auf große Runde geschickt werden. Hinzu kommt dann noch die fehlende Kommunikation.

So wie gestern:

Es musste dabei zu einem bestimmten Kunden gefahren werden. Wenn der Kunde angefahren wird, ist im Regelfall die Zweigniederlassung gemeint. Gestern war aber der Hauptsitz der Lieferort - nur hatte man vergessen, mir das auch zu sagen. Und auf dem Lieferschein steht bei diesem Kunden - warum auch immer - die Adresse des Auftraggebers / die Rechnungsanschrift.

Angekommen beim Kunden klingelte das Handy - mein Vorgesetzter. Ich ließ es klingeln und rief nach dem Entladen zurück: Wo ich denn bleiben würde, der Kunde hätte sich schon gemeldet. Und das es doch ganz schön lange gedauert hätte, bis ich beim Kunden angekommen wäre. Ich antwortete, das ich erst 1 3/4 Stunden vorher losgekommen sei und dann noch einen Sattelzug abwarten musste, der gerade entladen wurde.

Nachdem ich gerade wieder auf der Autobahn war, rief eine Kollegin in seinem Auftrag an, und sagte mir, das ich noch einmal umdrehen und die Ware wieder einladen müsse - sie käme zum Hauptsitz der Firma.

Vorgesetzte verletzen vorsätzlich Fürsorgepflicht

Diese ganze Story hat mich roundabout 1 3/4 bis 2 Stunden gekostet. Allein das zurückfahren eine halbe Stunde.

Im Endeffekt wurde es gestern 20 h, bis ich wieder in der Firma war und Feierabend machen konnte. Angefangen hatte ich offiziell morgens um 7.

Für mich steht seit gestern fest, das der Kanal voll ist: ich werde zukünftig nur noch maximal 11 Stunden arbeiten. Alles was darüber hinausgeht, bleibt da, wo es ist. Entweder auf dem Auto oder beim Kunden und wird nicht abgeholt.

Wenn man seitens des Vorgesetzten meint, seine Fürsorgepflicht vorsätzlich verletzen zu müssen, dann muss ich halt selbst auf mich aufpassen und Grenzen festsetzen.

Sollte das zur Kündigung führen, gibt es sicher Post vom Anwalt - und (so plane ich es jedenfalls) von der Justiz.

Marcus
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3 Kommentare

  1. Glaub mir, du stehst nicht allein da. Ich selber hatte nicht sooo viele Überstunden, aber die, die vorhanden waren, konnten nicht abgebaut oder ausbezahlt werden, da es keine Regelung dafür gab. Ein Freund von mir macht es jetzt ähnlich wie du, nach 8h wird alles stehen und liegen gelassen (der Stift fallen gelassen) und gegangen. Überstunden werden nicht gewürdigt (es gab sogar die Aussage: „Wie, wird nicht geschafft? Hast du mal auf dein Überstundenkonto geguckt?“ … und das war alles andere als leer…). Viele Unternehmen haben den Wert, den die Arbeitnehmer für sie haben noch nicht begriffen. Ich war öfter krank auf Arbeit (mies für die anderen im Büro…), und statt Dankbarkeit erntet man dort Kommentare, wieso alles so langsam ginge.

    Letztendlich geht es um uns. Klar, kaufmännisch muss man darauf achten, dass Geld reinkommt. Aber wenn die Mitarbeiter dabei ausbrennen, ist keinem geholfen. Krankheitstage steigen, ggf. müssen neue Mitarbeiter eingearbeitet werden. Sehr viele Arbeitgeber denken leider noch zu kurzfristig.

    Ich drück Dir die Daumen, dass das alles so klappt, wie du dir das vorstellst. Letzten Endes muss man Arbeitgeber glaube erziehen, und zeigen, dass es so nicht geht. Wenn man sich immer den Arsch aufreißt und immer alles „irgendwie“ möglich gemacht wird, setzt eben kein Lerneffekt ein. „Hat ja geklappt …“

    • Das ‚ProblemÄ mit der Firma hat sich – auf der einen Seite leider – denn mit den sonstigen Kollegen habe ich gern zusammengearbeitet, auf der anderen Seite Gott sei Dank – inzwischen erledigt.

      Der Arbeitsvertrag war befristet, und da dem Vorgesetzten meine Nase nun mal nicht gepasst hat, hat man ihn nicht entfristet und mich zum 30. Juni vor die Tür gesetzt. Aber am 15.7. fange ich bei einer alten Firma wieder an.

      • Ich drück dir die Daumen, dass es dann wieder besser wird. Denn, wie gesagt kaputtmachen muss man sich nicht. Ist immer noch unser Leben, keine Sklaverei. Kein Geld der Welt ist es wert, dass die Gesundheit ruiniert wird. Und das wird sie, wenn man jeden Tag zähneknirschend auf Arbeit rennt und meckernd wieder aus der Tür marschiert. Wie sagte mein Psychodozent immer: „Das Psychische wirkt auf das Physische, genauso wie das Physische auf das Psychische wirkt.“ Und das 3x schnell hintereinander sagen. 🙂 Viel Erfolg!

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