Wenn die falschen Leute eine Firma führen

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Anzugträger

Wer sich meinen Lebenslauf anschaut, der hat viel zu lesen.

Nicht, weil ich so viele Hard- und Softskills hätte, oder ausufernde Interessen. Nein! Er hat viel zu lesen, weil ich seit meiner Bundeswehrzeit mit meiner jetzigen Firma über das halbe Dutzend hinaus bin. Und zumindest eine Firma wird - möglichst schnell - noch hinzukommen.

Das ich eine solch lange Liste an Chefs habe, liegt (Gott sei Dank) nur bedingt an mir. Aber soll man sich die Schuld geben, wenn man auf der Suche nach Arbeit ist, und jemand bereit ist, mich einzustellen, das ich das dann auch angenommen habe?

Bei mir sind es leider (bis auf zwei Fälle) wirklich die Chefs gewesen, die dafür sorgten, das ich das Weite gesucht habe bzw. suchen musste.

Mein erster Chef nach der Bundeswehr war schwierig - auch etwas cholerisch. Aber er und sein Pendant bei der nächsten Firma waren so ziemlich die einzigen, die Ahnung hatten, von dem was sie da tun. Bei ihm konnte ich nicht bleiben, weil sich damals die gesetzlichen Vorgaben für die Personenbeförderung verschärften und ich wegen meiner Augen keine Chance auf eine Verlängerung des Scheins hatte. Das er mich als Telefonist und Kurier behielt, war wohl eher seiner Einstellung geschuldet, niemanden zu feuern, der sich nicht wirklich was zu Schulden hat kommen lassen.

mehr als halbes Dutzend Chefs 'verschlissen'

Der Chef, bei dem ich dann gelandet bin, hat es - bis auf ein halbes Jahr, wo er mich dann zurückholte - dann zumindest 7 Jahre geschafft, seinen Laden so über Wasser zu halten, das ich als zeitlich ältester Mitarbeiter bleiben konnte. Beide Firmen sind auch diejenigen, bei denen ich am längsten gearbeitet habe.

Hier aber war der Abschied so mies, das es zum geistigen Kollaps kam, an dem ich heute noch zu knabbern habe.

Die nächsten beiden Chefs (Nr. 3 und 4) hatten von Mitarbeiterführung und davon wie man eine Firma führt, nicht den Hauch einer Ahnung.

Arbeitgeber Nr. 3 führte ein Transportunternehmen, obwohl er keinen Führerschein hatte - und wegen Drogen in der Vergangenheit - auch nicht machen konnte. Und das mit Mitte 20.

Er ist - genau wie der anschließende Chef - in die Pleite gerauscht, nachdem er mich als einzigen noch verbliebenen Fahrer wegen eines Meniskusrisses für mehrere Wochen verloren und dann entlassen hat.

Er war so blank, das ich von den dreitausend Euro, die er mir schuldet(e) bei der Schlussabrechnung der Insolvenz nichts erhielt.

Nr. 4 führte angeblich neben seinen Transporten auch noch Umzüge für große Unternehmen durch (Banken, etc.). Das bezweifle ich bis heute. Denn ich habe nie andere Mitarbeiter oder gar Fahrzeuge gesehen, die das hätten belegen können. Und kurze Zeit nachdem ich gegangen bin, war er fertig.

Ahnungslos eine Firma führen wollen

Heute arbeitet der gelernte Koch (!!!) in der Reinigunsfirma seines Vaters mit. Sie führt jetzt die Bezeichnung ... + Sohn'

Chef Nummer 5 macht in der Aufzählung eine Ausnahme. Denn er hatte in der Fa. für Spedition und Premium-Paketdienst einen Geschäftsführer eingesetzt. Er ist der einzige, wo der Chef nicht der direkte Vorgesetzte war. Leider hatte auch er, der eigentlich als Heilpraktiker arbeitet - und das wohl nicht sonderlich erfolgreich, da er sich noch in andere Praxen einmieten musste -, nicht wirklich Ahnung von dem Themenspektrum Geschäftsführung.

Er fuhr regelmäßig mit seinem BMW, den er kurz bevor ich wegen der finanziellen Probleme in der Firma ging, noch gegen einen anderen gebrauchten eintauschte, in der Firma vor und bequatschte mit dem Geschäftsführer das wichtigste. Doch als der - wie ich vor 10 Jahren - wegen Burnouts ausfiel, gings steil abwärts.

Der 6. Chef gefiel sich in seiner Boss-Rolle besonders gut. Quatschen konnte er wie kein zweiter. Aber ansonsten wäre er als normaler Mitarbeiter wohl gescheitert.

Und jetzt Chef Nummer sieben!

Nicht nur, das er als direkter Vorgesetzter seine Mitarbeiter mit 'Sie' anspricht und bis auf die Aufträge mit uns weiter gar nichts spricht, machte er mich jetzt am Dienstag rund, weil ich angeblich zu langsam bin.

Montag und Dienstag morgen war ich mit dem Lkw im Rheinland unterwegs.

735 KM habe ich in den 10 Stunden, die ich fahren darf, auf den Tacho geknallt. Dem Chef war das zu wenig. Er wäre - laut seiner eigenen Aussage - noch mindestens 100 KM weitergekommen, da er sich die Touren vorher genau anschauen würde. Hätte ich das geschafft, hätte er mich wahrscheinlich auch ablösen lassen. Aber da ich noch in Ostwestfalen steckte, hätte es sich finanziell nicht gerechnet.

So durfte ich die Nacht, ohne das das vorbereitet war (keine Decke, kein Kopfkissen), im Lkw verbringen. Das, direkt an der A2, war Grauenhaft.

Der Chef als Märchenerzähler

In dem Gespräch am Dienstag schmierte er mir auch zum wiederholten Male eine absolut beschissen gelaufene Berlin-Tour unter die Nase. Warum weiß ich nicht.

Ich bin nur einigermaßen dadurch beruhigt, das man mir von Seiten der Kollegen durchaus beisteht. Das selbst seine Fussball-Kumpels ihn hinsichtlich seiner Funktion als Chef mit 'Drecksau' betiteln, spricht wohl für sich.

Keine Ahnung, was er mit seiner Märchenstunde erreichen wollte - oder vielleicht auch erreicht hat. Jedem, der einigermaßen klar im Kopf ist, ist klar, das man mit einem Lkw in 10 Stunden keine 800 KM und mehr schaffen kann - eher noch 100 KM + x weniger. Allein bis wir auf der Autobahn sind, verlieren wir wegen Tempo 70- und 80-Zonen sowie Ortschaften rund eine Viertelstunde.

Das setzt sich dann auf der Autobahn nahtlos fort, weil nur 2-spurig und Überholverbot für Lkw gilt.

Warum also führen (bei mir) immer die falschen Chefs die Firma? Was soll mir das sagen? Was spiegelt mir das wider? Das ich meine Talente vergeude, in dem ich für diese Clowns arbeite? Das ich - was mir jetzt erst wieder gesagt wurde - zu mehr fähig bin, als nur stumpf hinter Lenkrad zu sitzen?

Aber kann man nach mehr als 25 Jahren einfach wieder in seinen Ausbildungsberuf - Kaufmann im Einzelhandel - wechseln? Zumal ich mit 2300 Euro brutto momentan - für meine Verhältnisse - gut verdiene?

Natürlich: ich hätte in manchen Fällen auch nein sagen können. Aber Arbeitslos war ich lange genug, Hartz IV möchte ich nie wieder erleben müssen. Da nehme ich lieber so ziemlich jeden Job an, und suche mir im Fall des Falles - wie jetzt - was neues. Aber ein Dauerzustand ist das weiß Gott nicht. Denn wenn ich mich nicht wohlfühle, lässt meine Arbeitsleistung zu wünschen übrig.

Eines weiß ich aber sicher: Wenn mir das Glück im Lotto tatsächlich mal hold sein sollte mit einer höheren 7-stelligen Summe ( 🙂 ) ist das Kapitel Job sofort erledigt. Dann tue ich nur noch was mir gefällt und unterstütze irgendwelche Vereine oder Organisationen bei ihrer Arbeit.

Chefs könnten mich dann kreuzweise gern haben

Marcus
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2 Kommentare

  1. Das ist halt das klassische Peter Prinzip. Ich zitiere von Wikipedia: Peters These ist, dass jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat, was in der Regel das persönliche Maximum der Karriere­leiter markiert und weitere Beförderungen ausbleiben lässt.

    Hab ich leider schon so oft erlebt. Leute werden nur noch befördert weil sie sich gut verkaufen können. Das KnowHow bleibt auf der Strecke.

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