Verrückter Tag auf der Straße

Vollpfosten auf vier Rädern

Der Artikel besteht aus 790 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 03:09 Minuten

Rotlichtampel

Ein Blick auf den Kalender zeigt es ganz deutlich: Nein, heute war kein Vollmond.

Und trotzdem sind die Leute in ihren 4-rädrigen Blechkisten heute so gefahren, als wenn man nachts nur mit Hilfe des Mondes genug Licht hätte.

Ich sage es ganz deutlich: Ich bin auch kein Unschuldslamm, was das Verhalten auf der Straße angeht. Das bringt mein Job als Fahrer bei einem Premium-Paketdienst schon so mit sich. Aber was sich heute abgespielt hat war einfach nur noch krank.

Angefangen hat es auf einer Landstraße im Wendland.

Als ich einen mit Tempo 90 vor sich hinschleichenden Einheimischen überhole, sehe ich ca. 200 m weiter einen Treckerfahrer mit einem Tankanhänger wie er auf den Seitenstreifen fährt. Ich hab noch gedacht, das das doch schon etwas merkwürdig war. Aber was dann kam, hätte beinahe meinen Sprinter geschrottet.

Wohl ohne in den Rückspiegel zu gucken, ohne die linke Blinkleuchte oder sogar die Warnblinker zu setzen, fängt der Vollpfosten an zu wenden. Gott sei Dank hatte ich noch ausreichend Platz, um rechts am Seitenrand zum halten zu kommen. Aber auf die Hupe zu hauen, das konnte ich mir nicht verkneifen.

Nur noch verrückte auf der Straße

Aber eigentlich müsste man dort mit so einem Verhalten eigentlich rechnen. Schließlich heißt die Abkürzung auf dem Kennzeichen nicht umsonst Dümmste Autofahrer Niedersachsens

Wieder zurück in der Stadt bin ich auf der vorfahrtberechtigten Straße unterwegs, als ich diese dort wo sie einen Linksknick macht geradeaus fahrend verlassen will. Vielleicht wollte der Knabe in seinem BMW oder Audi - oder was das auch immer war (erinnere mich nicht genau), der die Vorfahrtstraße aus der anderen Richtung kommend befuhr, mal ausprobieren, ob er es mit einem Sprinter aufnehmen kann. Denn er biegt einfach 10 m vor mir links ab. Zu allem Überfluss waren wir beide nicht allein an der Kreuzung. Es gesellte sich noch ein weiteres Fahrzeug hinzu, das aus der Nebenstraße auf die Vorfahrtstraße einfahren wollte. Der Volldepp musste also auch noch das andere Fahrzeug quasi umkurven.

Aber das war für heute noch nicht krass genug!

Auf dem Weg nach Hamburg, kurz vor dem Elbtunnel, seh ich im Rückspiegel den absoluten Vollidioten auf die Autobahn auffahren. Weil er wegen ein paar Vordermännern wohl keine Lust hatte, vernünftig auf die Autobahn aufzufahren, in dem er die Auffahrt auch nutzt wie man es tun sollte, schert er gleich nach links aus auf die rechte Fahrspur. Sicher unsinnig zu erzählen, das ihm bald ein 40t hinten drauf gekracht wäre. Leider, ich meine es so wie ich es sage, hatte der aber gerade auf der mittleren Spur noch eine Ausweichmöglichkeit, um den Crash zu vermeiden.

Zeit die Seiten zu wechseln

Klar, es hätte richtig geknallt - und einige andere mit ins Verderben gezogen. Aber dem Hirnlosen Verkehrsrowdy hätte ich es durchaus gegönnt, wenn er im Krankenhaus die nächsten Wochen darüber hätte sinnieren können, was er wohl falsch gemacht hat, das es ihn so arg von der Straße fegt.

Ich bin jetzt zusammengerechnet zwar 'nur' rund 16 - bis 17 Jahre auf der Straße unterwegs, aber ich habe zum Großteil die Lust am Berufsmäßigen Fahren verloren.

Zum einen natürlich durch den Druck, der auch bei unserem Unternehmen herrscht. Er entsteht aber nur indirekt durch den Arbeitgeber. Denn die Touren, die für uns Fahrer geplant werden, sind manchmal echt umfangreich. Damit steckt einem dann der Zeitdruck in den Knochen. Denn anders als DPD oder GLS ist für uns mit der Zustellung der Pakete in der Regel um 12 h High Noon. Das heißt, das bis dahin die 'normalen' Pakete zugestellt sein müssen.

Und meine Tour durchs Wendland hatte heute nur mal flockige 200 KM - bei rund einem Dutzend Kunden.

Aus all diesen Gründen habe ich schon vor einiger Zeit den Plan gefasst, bis spätestens mit 50 von der Straße runter zu sein und im Büro oder Lager zu arbeiten. Es sieht so aus, als ob es noch deutlich vor diesem Datum passieren wird, das ich die Seiten wechsele.

Ich werde, wenn es denn soweit ist, das Fahren hin und wieder sicherlich vermissen. Aber da, wo es mich anscheinend hinziehen wird, kann ich vielleicht ja ab und an ersatzweise für einen Kollegen einspringen. Aber ich muss es einfach nicht mehr 8 Stunden oder länger pro Tag haben, hinterm Steuer zu sitzen. Langsam aber sicher möchte ich feste Arbeitszeiten haben, morgens wissen, wann ich abends nach Hause komme. Und nicht mehr planlos in den Tag hinein darauf warten, was wohl heute auf mich wartet, und wie lang der Tag dann mal wieder wird.

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