Was lernt man heute eigentlich in der Fahrschule?

3 Unfälle von 20jährigen - alle Schwerverletzt

Der Artikel besteht aus 649 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 02:35 Minuten

In der Schule soll man fürs Leben lernen. In der Fahrschule anzunehmender Weise dann wohl für das Autofahrer-Leben.

Doch im Moment frage ich mich, was die heutige Fahrschüler-Generation dort wirklich lernt. Das ordnungsgemäße, vorausschauende Fahren kann es zumindest nicht sein. Und auf die Bedeutung von Verkehrsschildern wird da allem Anschein nach auch nicht mehr besonders eingegangen.

Eigentlich klar, wenn man bedenkt, das den Fahrschülern heute in fast jeder Fahrschule suggeriert wird, das sie dort in nicht mal 7 Tagen den theoretischen Teil der Prüfung absolvieren können.

Doch warum komme ich auf diese Frage?

Ganz einfach: In unserer Region kam es in den letzten 14 Tagen zu drei Verkehrsunfällen, die alle von 20 Jahre alten Autofahrern verursacht worden sind. Sie alle wurden bei aktiven Überholvorgängen vom Schicksal eingeholt. Und alle drei Fahrer sind bei diesen Unfällen schwer verletzt worden.

3 Schwerverletzte nach Überholmanövern

Nun könnte man sagen, typisch Mann. Doch leider war hier auch eine Frau Auslöser eines solchen Unfalls.

Angefangen hat es mit einem Unfall auf einer Bundessstraße fast vor der Haustür. Dabei ist das Überholen in dem betroffenen Bereich verboten, da die Straße hier sehr kurvig ist

Trotzdem glaubte ein 20jähriger wohl, das ihm so schnell nichts passieren können, und er notfalls wohl das Auto unter Kontrolle hätte. Doch dem war leider nicht so.

Er kollidierte mit einem Lkw, der dadurch in den Gegenverkehr geriet und mit dem Auto einer einer 27 Jahre alten Frau zusammenstieß. Und ein BMW Mini hat leider keine allzu große Knautschzone.

Den Lkw trieb es danach auf der Gegenüberliegenden Fahrbahnseite in den Graben, wo er umkippte.

Ergebnis dieses Unfalls: zwei Schwerverletzte - der Unfallverursacher und die Fahrerin des Mini.

Fähigkeiten und Schutzfunktion des Autos überschätzt

Vor vier Tagen wurde ein 20 Jahre alter Führerscheinneuling im benachbarten Landkreis Uelzen beim Wiedereinscheren nach einem Überholvorgang schwer verletzt, als dabei sein Auto (ein Mercedes SUV, wie es den Anschein hat) ins Schleudern geriet, gegen einen Baum fuhr und sich anschließend überschlug.

Den (vorläufigen?) Schlusspunkt setzte gestern eine gleichaltrige Fahrerin ebenfalls im Landkreis Uelzen.

Auch sie überschätzte ihre Fähigkeiten sowie die Schutzfunktion ihres VW Lupo anscheinend gewaltig, als sie trotz Gegenverkehrs zum Überholen ansetzte. Hierbei kollidierte sie mit dem Golf eines 19 Jahre alten Mannes.

Ergebnis der anscheinend unüberlegten Handlung: Sie und der Golf-Fahrer liegen nun - wie die beiden anderen Unfallverursacher - schwer verletzt im Krankenhaus.

Also bleibt für mich die Frage: Was lernt die heutige Generation an Fahrschülern in den Schulen?

Auch wenn ich nicht weiß, ob die drei Unfallverursacher ihren Theoretischen Teil der Prüfung in 7 Tagen durchgepflügt haben, so frage ich mich, was man dabei lernen kann? Kann sich der Stoff dabei überhaupt in den Hirnen festsetzen? Oder ist das nicht viel mehr ein - wie in der 'richtigen' Schule - kurz mal ordentlich pauken und danach wieder vergessen des durch genommenen Inhalts?

Zu schnell durch die beiden Prüfungen?

Stehen die Fahrlehrer vielleicht auch unter zu großem Druck, den Fahrschüler so schnell wie möglich durch die Prüfung zu boxen, als das sie sich dabei auf die eigentlichen Bedürfnisse des Fahrschülers einlassen können?

Das mögliche Argument des in der heutigen Zeit üblichen 'Keine Zeit habens' lasse ich hier nicht gelten. Man lernt das Autofahren weder in der Fahrschule noch während der Probezeit. Man lernt es erst in den Folgejahren.

Früher galt die Parole, das man erst nach 7 Jahren das Auto_fahren könne. Solange würde es benötigen, bis man alle möglichen Situationen zumindest einmal erlebt hat.

Die Zeitspanne mag sich aufgrund des derzeitigen Verkehrsaufkommens leicht verringert haben. Aber trotzdem kann kein 20 Jahre alter Mensch von sich behaupten, er könne Auto fahren. Denn das heißt mehr können als Lenken, Gas geben und bremsen.

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3 Kommentare

  1. Keine Ahnung, wie heute Fahrschule und Prüfung aussehen. Wahrscheinlich liegt die Häufigkeit auch daran, dass die heutigen Autos viel Sicherheit versprechen (und im Normalfall wohl auch halten). Aber das könnte dazu führen, dass sich insbesondere junge Leute von einem Sicherheitsgefühl täuschen lassen und höhere Risiken eingehen als es gut für sie und andere Verkehrsteilnehmer wäre. Jedenfalls ist es echt schlimm, wenn solche schweren Unfälle passieren. Sind aber insgesamt nicht gerade die LKW-Fahrer (mal pauschal gesprochen) das größere Problem? Sicher, der Verkehr ist dichter, die Zahl der LKWs viel größer. Aber es passieren von LKW-Fahrern verursachte Unfälle am laufenden Band und nach den Untersuchungen lassen sie sich allzu häufig von Dingen ablenken, die man eigentlich nicht für möglich gehalten hätte.

    • Hallo Horst!

      Die Technik in den Autos mag dazu führen, das man sich sicherer fühlt.

      Nur: wenn ich in einer Situation – die kurvige Bundesstraße mit Überholverbot und Tempo 100 – eine Kolonne (und nicht nur ein einzelnes Fahrzeug) überhole, wo ich die Situation absolut nicht überblicken kann, dann ist das sicher nicht mit dem Hintergedanken der Sicherheit passiert. Sondern einfach Selbstüberschätzung, weil man mit Erhalt des ‚Lappens‘ suggeriert bekommt, man könne jetzt Auto fahren.

      Mit den Lkws hast Du sicher nicht unrecht.

      Aber ich habe gerade mal bei statita geschaut: 2015 gab es 32.500 Unfälle an denen ‚Güterkraftfahrzeuge‘ beteiligt waren. Laut destatis zählte man 2,5 Mio Unfälle.

      Wenn das die absoluten Zahlen sind, entspricht das einem Anteil der Lkw von etwa 1,3 % – falls ich mich nicht verrechnet habe.

      Das dabei öfter Menschen sterben, liegt in der Natur der Physik: Mehr Masse – mehr Wirkung. Trotzdem halte ich die Zahl im Verhältnis der Anzahl der auf den Straßen fahrenden Laster für absolut im Rahmen

      Ich bin jetzt, mit Unterbrechungen, seit 20 Jahren Berufskraftfahrer. Die Millionen-KM-Grenze habe ich wohl noch nicht überschritten, aber bin auch nicht weit entfernt. Darunter natütlich auch durchaus viel Autobahn.

      Von den Unfällen, die von Lkw-Fahrern Deiner Meinung nach am laufenden Band verursacht werden, habe ich bislang nichts mitbekommen. Wenn ich Unfälle gesehen habe, waren daran bislang nur Pkw beteiligt. Vielleicht kommt es Dir so vor, weil Unfälle mit Lkw-Beteiligung natürlich was besonderes sind und von den Medien gepuscht, um nicht zu sagen gehypt werden.

      Und man muss sich dann auch einmal anschauen, wo diese Unfälle passieren – sofern sie denn von den Lkw-Fahrern verursacht werden. Selten im Stadt-, Landstraßen- oder Bundesstraßenverkehr, meist auf Autobahnen. Und wer mal nur 100 Kilometer mit Tempo 80 oder 90 auf der ‚Bahn‘ gefahren ist, ohne die Möglichkeit, sich mit jemanden zu unterhalten oder anderweitig wach gehalten zu werden, der wird auch auf die absonderlichsten Ideen kommen, um nicht einzupennen.

      Pkw-Fahrer lassen sich schon in der Stadt von der Technik ablenken

  2. Ich habe vor 7 Jahren den großen Motorradführerschein gemacht. Ich musste praktisch einen ganz normalen Führerschein mit Theorie-und Praxisstunden und den entsprechenden Prüfungen machen. Aber ich meine, dass man schon sehr viel lernen muss und fühlte mich sehr gut vorbereitet.
    LG Sabienes

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