Ist Demokratie nur eine Frage des Standpunktes?

Vielfalt und unterschiedliche Meinungen nur wenn sie genehm sind?


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Begriffe rund um Demokratie

In der Gemeinde Adendorf, nicht weit von uns entfernt, gehen dieser Tage einige Anwohner einer Straße auf die Barrikaden, weil sie für diese - eine Hauptverkehrsstraße in ihrem Ort - Tempo 30 fordern.

Man hat, um sich auch richtig Gehör zu verschaffen, gleich mal eine Bürgerbewegung namens 'Aktive Bürger Adendorf Erbstorf' gegründet, die für sich in Anspruch nimmt, nicht nur ihre Straße in eine Tempo 30-Zone verwandeln zu wollen, sondern man will gleich den ganzen Ort heimsuchen.

Nur die Methoden, mit denen man versucht, sich Zuspruch zu verschaffen, sind doch etwas (??) fragwürdig, wie ich finde.

In Leserbriefen hat man dem Bürgermeister Untätigkeit, wegducken, wegmoderieren etc. vorgeworfen. Andere Anwohner des Ortes, die ihre - wohlgemerkt subjektive - Meinung zum Thema als Leserbrief veröffentlichen ließen, wurden quasi platt gemacht. Eine Leserin wurde als Anmaßend und Ahnungslos betitelt.

Nun bin ich zwar nicht direkt betroffen, aber weil ich Vergleiche ziehen kann, mich in dem Ort durchaus gut auskenne, da ich dort regelmäßig unterwegs bin, habe auch ich mich erdreistet, einen Leserbrief zu verfassen.

Wer gewählt werden möchte, der muss auf die Pauke hauen, das ist normal. Aber das sollte dann schon sachlich und mit realistischen Argumenten bzw. Zielen passieren. Jemanden als ahnungslos zu titulieren, weil die - als ganz klar subjektiv bezeichnete - Sichtweise den eigenen Interessen widerspricht, ist nicht sachlich sondern Polemisch.

Wenn man in einem Ort flächendeckend Tempo 30 einführen will, dann sollte man den Leuten auch sagen, wie man das Kontrollieren will. Der Landkreis blitzt ab Kreisstraße aufwärts, nicht auf Gemeindestraßen.

Auch der Vergleich mit der Gemeinde Bohmte hinkt. Dort gilt die Temporeduzierung nicht flächendeckend. Es ist nur in Siedlungsgebieten gültig. Auf größeren Gemeindestraßen, wie ich vermute ähnlich der Adendorfer Dorfstraße, dem 'Kirchweg' und dem Suren Winkel, gilt das Shared Space-Prinzip. Nur heißt das nicht gleichzeitig Tempo 30, sondern höchstens leicht verminderte Geschwindigkeit, weil Rechts-vor-Links und Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer.

Vor dem Adendorfer Adolph-Holm-Kindergarten gilt Tempo 30 - und wen juckt das? Nur die wenigsten fahren so langsam, das sie vom Dialog-Display ein 'Danke' zu sehen bekommen. Selbiges würde nach kurzer Zeit überall gelten. Das Geld für die Tempo 30-Schilder wird man sich also sparen können.

Und falls mich jemand als Ahnungslos titulieren möchte: Wir haben hier im Ort bis auf zwei Straßenzüge - den beiden Kreisstraßen, schon 'Tempo 30'. Und? Wer glaubt, das sich daran gehalten wird, der glaubt auch noch an den Osterhasen. An einmündenden Straßen wird vielleicht kurz abgebremst, bevor wieder Gas gegeben wird.

Nun wurde ich per Mail heute Abend auf einen Kommentar zu einem Artikel aufmerksam, in dem ein Interview mit mir geführt wurde.

Ich finde es schon eigentümlich, das man etwas zu einem Artikel kommentiert, das gar nicht dessen Thema ist. Zum einen, weil dort niemand wirklich wissen kann, um was es geht. Zum anderen bin ich ja im Internet nicht schwer zu finden. Und nur kommentieren, weil es um mich geht??

Aber auch die Art und Weise spricht glaube ich schon Bände.

Es ist schon bemerkenswert, dass ortsfremde Personen, wie der Herr Schröder aus DEvern, sich erdreisten, über die Verkehrssituation in Adendorf zu urteilen. Herr Schröder sollte sich einmal die Mühe machen und sich einen Tag an den Durchgangsstraßen Adendorfs aufhalten, um zu erleben, welchem Verkehrsstress die dort wohnenden Anlieger Tag für Tag ausgesetzt sind.
Im Übrigen grenzt es schon an Selbstüberschätzung, einen relativ kleinen Ort wie DEvern einem Ort von über 12.000 Einwohnern mit einer bemerkenswerten Infrastruktur einem Vergleich zu unterziehen.
Am Rande sei bemerkt, dass Falschinformationen nicht gerade zielführend sind. Selbstverständlich finden Radarkontrollen auch in Ortschaften statt und nicht nur an Kreis-, Land- und Bundesstraßen. Auch entspricht es nicht der Realität, dass die Tempodrosselung auf 30 km/h im Bereich des Kindergartens am Kirchweg von der Mehrheit der Kfz-Führer nicht eingehalten wird. Das Gegenteil ist erfreulicherweise der Fall ! Herr Schröder benötigt darüber hinaus dringend Nachhilfe in Sachen Demokratie. Diese lebt bekanntlich von der Vielfalt unterschiedlicher Meinungen und damit Parteien, die das Recht haben, „auf die Pauke zu hauen“, um sich Gehör zu verschaffen. Das gilt nicht nur für die sog. etablierten Parteien, sondern selbstverständlich auch für neue Bürgerbewegungen wie die ABAE (Aktive Bürger Adendorf Erbstorf).
Zu Schluss noch eine kleine Belehrung: „Unsachlichkeit“ und „Polemik“ sind laut Duden Synonyme! Für weitere Informationen empfehle ich Herrn Schröder das Studium des Internet-Auftritts: www. adendorf – strassen.de

Kann dort jemand von meinen Lesern Argumente entdecken, die auf meinen Leserbrief eingehen? Das meiste ist eigene Interpretation dessen, was ich geschrieben habe. Nur kann man mir das ja schwerlich vorwerfen, oder?

Und wenn ihr Euch dann die Webseite anschaut, die im Kommentar erwähnt wird, insbesondere zu empfehlen jene mit den Leserbriefen, würdet ihr diese Leute bei der Wahl wählen?

Der Leserbrief 'Durchgreifen gegen Raserei' ist jener, der mich zu dem Leserbrief eigentlich erst verleitet hat. Aber auch der 'Tempo 30 nicht nur im Suren Winkel'. Denn die Behauptung(en), die dort hinsichtlich einer anderen Kommune aufgestellt werden, konnte ich nicht ganz glauben. Wie sich hinterher herausstellte zu Recht. Denn das mit gänzlich Tempo 30 in der entsprechenden Kommune entspricht, wie man in dem Leserbrief den Anschein erwecken will, nicht der Wahrheit.

Mir, ehrlich gesagt, graut es vor der Vorstellung, diese Leute hätten in meiner Gemeinde was zu melden.

Von Demokratie, Meinungsvielfalt und anderem phantasieren, aber allen, die ihre subjektive Meinung sagen und damit nicht der eigenen Meinung sind Ahnungslosigkeit und Anmaßung zu unterstellen ist schon starker Tobak - wie ich finde.

Ich habe das natürlich nicht unkommentiert gelassen, mir die EMail-Adresse des Betreffenden im Netz gegooglet und zurückgeschrieben.

Bin ja mal gespannt, mit was für schrägen Argumenten man sich jetzt wieder rauszureden versucht.

Marcus
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