Was ist (sehr) gute Leistung wert?


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Lohn und Gehaltsordner

Im Februar 2014 habe ich meinen jetzigen Job angetreten. Zu Beginn hatte ich auch noch richtig Spaß an der Arbeit.

Das lag zum einen sicher daran, das ich während der ersten Wochen auch mal etwas weiter weggekommen bin. Dann bekam ich meine feste Tour. Auch mit der hatte ich durchaus meine Freude und meinen Spaß. Zumal die Leute, mit denen ich fast täglich zu tun hatte, sehr nett waren und sich immer mal ein Plausch ergab. Ein paar Menschen kannte ich auch noch von meiner Tätigkeit als Lkw-Fahrer.

Im Juli letzten Jahres dann wurde ich mehr oder minder freiwillig Teil des Büro-Teams. Man hatte mich gefragt, ob ich mir die Disposition zutrauen würde, und ich habe ja gesagt. Meine feste Tour war damit obsolet.

Die Aufgaben wachsen - das Gehalt nicht

Mit der morgendlichen Disposition ging einher, das ich gleichzeitig in den Export eingearbeitet wurde. Sprich in die Vorbereitung der eingesammelten Sendungen für den Versand.

Sinn und Zweck der ganzen Übung war, das ich den alten Klasse 3-Führerschein besitze, und damit auch 7,5t Lkw fahren darf. Das durfte / konnte das andere Fahrerpersonal anscheinend nicht. Man wurde damit also flexibler, wenn plötzlich ein entsprechender Lkw-Fahrer gebraucht wurde.

Eingestellt als Sprinter-Fahrer bin ich jetzt also quasi als Springer tätig:

  • morgens Disposition der Touren für die 3 bis 4 Fahrer (inklusive mir)
  • Auslieferung der eigenen Tour
  • Einsammeln von Sendungen
  • Vorbereitung der Sendungen für den Export
  • Beginn der Disposition für den nächsten Tag

Man kann sich also durchaus vorstellen, das es teilweise sehr stressig ist. Zumindest morgens, wenn der Shuttle mit den Sendungen für den Import kommt, und alles gescannt und auf die Touren verteilt werden muss.

Ich kriege immer wieder zu hören, wie gut meine Leistung(en) sind. Klar schieße ich hier und da mal einen Bock, oder mache etwas nicht so, wie die regulären Disponenten das gerne hätten. Aber im Großen und Ganzen läuft meine Arbeit zu über 90% Fehlerfrei.

Nun habe ich schon mehrere Anläufe genommen, mit dem Chef eine Gehaltserhöhung zu vereinbaren. Bisher leider vergebens.

Wertschätzung sieht anders aus

Gut, 10 € pro Stunde sind nicht schlecht. Aber für die Arbeit die ich leiste halte ich das für zu wenig. Zumal man es mit der Gleichbehandlung nicht so genau nimmt. Ein paar Fahrer kriegen Festgehalt, ein paar - darunter ich - arbeiten auf Stundenbasis.

Nun kam mir zu Ohren, das ein neu eingestellter Klasse-2-Fahrer (also Lkw) ein Festgehalt erhalten soll, das z. B. bis zu 1/3 Drittel über meinem liegt. Ich gönne ihm das Geld - keine Frage. Aber dann stellt sich mir die Frage: was ist meine (sehr) gute Arbeit wert?

Die Wertschätzung uns Fahrern gegenüber lässt also zu wünschen übrig. Keulen können wir wie die verrückten, aber das hält man natürlich alles für selbstverständlich. Nur wenn uns mal ein Lapsus passiert und ein Fahrer einen kleineren oder größeren Bumms baut, dann gibt es Alarm.

Ich will bis zu meinem Urlaub Anfang August noch einmal einen Anlauf unternehmen und mit dem Chef über eine Gehaltserhöhung sprechen. Vor allem möchte ich, das ich ein Festgehalt bekomme, mit dem ich dann - anders als heute - fest planen kann. Heute muss ich zusehen, Stunden zu bolzen, damit ich auf mein Niveau komme, das ich zu Zeiten meiner festen Tour hatte. Und das erreiche ich nicht oft.

Falls mein Chef, womit ich durchaus rechne, auch dieses Mal nur um den heißen Brei herumredet, bin ich schon am Überlegen, was Alternativen sein können.

Selbständigkeit als Alternative?

Da ich aufgrund meiner Bewerbungen während meiner Arbeitslosigkeit das Gefühl bekommen habe, ich könnte für manch einen Arbeitgeber überqualifiziert sein, bohrt sich jetzt auch der Gedanke in meinen Kopf, es vielleicht doch mit einer Selbstständigkeit im Transportgewerbe - Kurier o. ä. - zu probieren.

Ich hatte ja schon vor fast 10 Jahren mal einen ersten kleinen Anlauf genommen, bis mein Coach mehrere Wochen ausfiel und ich die Sache abgeblasen habe.

Jetzt bin ich 8 Jahre älter, die Gesundheit etwas angegriffen und mithin stellt sich auch die Frage: Soll ich es mit meinen Vorschädigungen wirklich probieren?

Meine (Lenden)Wirbelsäule macht sich regelmäßig bemerkbar, der Tinnitus lässt auch immer noch laut von sich hören, und die Halswirbelsäule hat auch schon einiges einstecken müssen.

Sind das gute Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit, und wenn es nur im Bereich bis 3,5t (Sprinter) ist?

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1 Kommentar

  1. Tja meistens wird einem eben nichts gedankt im Berufsleben. Lob gehört zu einem „guten“ Chef dazu. Das lernt man wenn man Mitarbeiterführungsseminare besucht. Ich geb nichts auf Lob, nur was am Monatsende unter Strich steht ist wichtig.

    Für eine Selbstständigkeit seh ich viel zu viele Zweifel bei Dir. Wichtig denke ich wäre diese erstmal zu beseitigen. Vor allem Gesundheitstechnisch würd ich mir das genau überlegen bzw. schauen wie / was ich machen muss um fit zu sein und zu bleiben.
    Markus letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Bericht: Chef der Wirtschaftsweisen lehnt Staatshilfe für Italiens Banken ab

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