Blogparade zum Tag der deutschen Einheit


Der Artikel besteht aus 1146 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 04:35 Minuten

Vor 25 Jahren kam zusammen was zusammengehört. Die innerdeutsche Grenze fiel und das geteilte Deutschland wurde wiedervereinigt.

Alexander vom Internetblogger hat sich - als zugewanderter !!! - ein paar Gedanken um diesen Tag gemacht und sich für eine Blogparade ein paar Fragen ausgedacht:

  1. Habt ihr es damals miterlebt, vll. sogar live, wie die Mauer gefallen war und wie die Menschenmassen in den Westen strömten?
  2. Was fällt euch alles zum Mauerfall ein?
  3. War DDR besser als das heutige einheitliche Deutschland? Was war besser und was schlechter?
  4. Was macht ihr regulär am dritten Oktober(geht ihr in die Kneipe mit Freunden und verbringt den Tag lieber zuhause oder bloggt gar fleissig?)
  5. Seid ihr Ossis oder Wessis? Oder ist es euch gleich?
  6. Und euer Fazit?!

Da ich die Blogparade eine gute Idee finde, beteilige ich mich mal wieder daran. Nachfolgend meine Antworten dazu.

Der Fernseher ersetzte das direkte Erlebnis

Persönlich - also live - miterlebt habe ich den Mauerfall nicht. Ich war damals in der Ausbildung und hatte wegen meines Alters noch keinen Führerschein geschweige denn ein Auto. Ich habe das ganze Spektakel im Fernsehen verfolgt. Zudem bin ich nicht der Mensch, der sich in großen Menschenansammlungen wohl fühlt.

Was auch erklärt, weshalb ich nicht losgezogen bin, um mich in die vielen Empfangskomitees einzureihen

Es gäbe vieles zum Thema zu schreiben

Als jemand, der sowohl mal zu Besuch in der DDR war, als wie sich auch mit dem Thema DDR in der Schule auseinandergesetzt hat - meine Prüfung für den erweiterten Sekundarabschluss 1 in der Hauptschule drehte sich um die Deutsche Demokratische Republik - fällt mir zu dem Thema durchaus viel ein. Zuviel um das alles aufzuschreiben.

Sicher ist, das es Zeit wurde, das dieses hässliche Monstrum von Mauer endlich verschwand. Die DDR hätte als selbständiger Staat sicher nicht mehr lange existieren können. Dafür hatte man sie zum einen zu sehr heruntergewirtschaftet, und zum zweiten fiel mit Glasnost die exorbitant wichtige und zentrale Unterstützung der UdSSR bzw. Russlands weg. Ohne die war das Ende eigentlich besiegelt.

Gutes gab es in West und Ost

Besser oder schlechter kann generell nicht sagen. Natürlich hat es auch in der DDR vieles gegeben, das gut war und das man hätte erhalten müssen. Dazu gehört sicherlich auch die Kinderbetreuung. Damit ist man seitens der neuen Bundesländer mit der Wiedervereinigung wohl wieder in die Steinzeit zurückgefallen. Aber genauso gut gibt es natürlich auch Dinge, die Gott sei Dank mit dem Ende des Kommunismus auf deutschem Boden verschwunden sind. Hier kann man wohl die Überwachung des einzelnen Bürgers aufzählen.

Ich glaube, das nirgendwo auf der Welt schärfer kontrolliert worden ist und wird, als damals an der innerdeutschen Grenze. Selbst die Amerikaner stehen dem an der Grenze zu Mexiko wohl noch nach.

Wir sind 1986 für mehrere Tage mit einer Jugendgruppe von der Kirche aus ins sächsische Taura gereist. Bei unserer Einreise haben wir glaube ich mehr als drei Stunden innerhalb der Grenzanlagen verbracht. Gut, das es das heute nicht mehr gibt.

Ich bin heute Couchpotato

Den Tag verbringe ich zu Hause - wie man an diesem Beitrag wohl merken kann. Ich bin an den anderen Tagen unter der Woche genug unterwegs. Da muss ich nicht auch noch unbedingt an Feiertagen oder generell am Wochenende unterwegs sein.

Geborener Wessi

Ich bin ein sogenannter Wessi. Und auch wenn man eigentlich nicht mehr nach Wessi oder Ossi unterscheiden sollte, so wird meine Generation das sicher nicht mehr aus ihrem Sprachgebrauch herausbekommen. Ich zum Beispiel ertappe mich aber immer wieder dabei, zu sagen 'Typisch ....'.

Das Fazit

Mein Fazit?

Ich bin der Meinung, das man trotz der ganzen Euphorie und positiven Folgen zu überstürzt gehandelt hat. Man hatte wohl Angst, das wenn man die Vereinigung nicht schnell über die Bühne bringt, sich das Fenster dafür bald und vielleicht wieder für lange Zeit schließen würde.

Allerdings, und das hat mit zu dem in meinen Augen überstürzten ICE-Tempo geführt, wollte sich auch unbedingt der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die Wiedervereinigung ans Revers heften können. Hätte sich das Thema hingezogen, wäre er wahrscheinlich kein Kanzler mehr gewesen, wenn es dann zu der Wiedervereinigung gekommen wäre

Hätte man sich damals ein bisschen mehr Zeit gelassen und etwas regulierend(er) eingegriffen, hätte man einigen westlichen Aasgeiern sicher den Appetit verhagelt, sich nur die Filetstücke aus dem vorhandenen Inventar herauszugreifen und den Rest mit Absicht in den endgültigen Ruin zu schicken. So hat man diesen Leuten, die nur auf die schnelle Mark aus waren Tür und Tor geöffnet, um sich wie am kalten Büffet bedienen zu können.

Für mich ist fraglich, ob sich ein - mehr oder minder - reines Agrarland wie Mecklenburg-Vorpommern auf Dauer wieder erholen wird. Selbiges gilt für Sachsen-Anhalt. Hier gibt es zwar einige Wirtschaftszentren, aber leider eben auch viele Gegenden, wo man von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt ist.

Die damaligen DDR-Bürger haben (vor allem) uns Wessis gezeigt, das man für seine Freiheit kämpfen muss. Von nichts kommt nichts. Wir Westdeutschen - und da schließe ich mich mit ein - sind in der Regel zu stoisch, um gegen etwas, das uns auf den Geist geht oder von dem wir unsere Rechte eingeengt sehen, anzukämpfen. Solange es uns gut (genug) geht, gehen wir nicht auf die Straße.

Es wird noch Jahre brauchen, bis die Begriffe 'Ossi' und 'Wessi' aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwinden werden.

Ich bin froh, wenn ich heute bei meinen täglichen Touren einfach über ehemaliges DDR-Gebiet fahren kann ohne Kontrollen und diese hässliche Mauer. Allerdings bin ich manchmal auch neidisch, wenn ich sehe, wie sich in wenigen Jahren aus ehemaligen Rumpel- und Kopfsteinpflasterpisten fast immer noch perfekte Straßen entwickelt haben, während wir - die wir nur wenige Kilometer entfernt im ehemaligen Zonenrandgebiet auf der ehemals anderen Seite des eisernen Vorhangs auf immer schlechter und brüchiger werdenden Asphaltstrecken dahingleiten müssen, die nur notdürftig geflickt werden können weil das entsprechende Kleingeld fehlt.

Ich bin noch nach der Jahrtausendwende regelmäßig durch ein Salzwedel gefahren, wo man Minutenlang vor geschlossenen Eisenbahnschranken stand, wo Schlaglochpisten mit Kopfsteinpflaster das Straßenbild beherrschten. Nur 5 Jahre später hatte sich das Bild drastisch verändert. Die Eisenbahn behindert heute nach meinem Kenntnisstand niemanden mehr.

Eine Ortsumgehung hält den Durchgangsverkehr größtenteils von der Stadt fern.

Wenn man das sieht und den Zustand in der (näheren) Vergangenheit kennt, freut man sich natürlich einerseits mit den Einwohnern. Andererseits kann man aber eben auch schon neidisch auf die Verwandlung blicken. Eben weil man weiß, was auch für Westdeutschland möglich ist oder wäre, wenn man in der Politik denn nur wollen würde.

Marcus
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5 Kommentare

  1. Hallo Marcus,
    damals ist man sicher zu hastig und blauäugig an die Wiedervereinigung herangegangen. Verständlich ist, dass die Gelegenheit genutzt werden sollte. Das hätte sich sicher kein Politiker entgehen lassen. Allerdings ein bisschen mehr Planung und Regulierung hätte sicher die schlimmsten Auswüchse verhindern können und so auch die Schuldzuweisungen von „Ossie“ und „Wessis“ verhindern können.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina
    Ann-Bettina letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Rezension: “Interview mit einer alten Dame” von Charlotte Enders

  2. Hm, viele Deiner Ansichten kann man unterstreichen. Vielleicht ging wirklich alles viel zu schnell, aus der Angst, dass die Situation wieder kippt.

    Aber, hinterher weiß man es oft besser und wer weiß schon wirklich, was passiert wäre wenn sie die, auch damals vorhandenen, Bedenkenträger durch gesetzt hätten? Ob dann „alles besser“ gewesen wäre? Das wird wohl nie einer beantworten können.

    Unterm Strich bin ich persönlich froh, das es diese menschenverachtende Grenze nicht mehr gibt.

    LG Thomas

  3. Heute redet, zumindest hier im Erzgebirge keiner mehr am 3 Oktober über die Tage des Mauerfalls.
    Die Leute sind froh den freien Tag zu genießen und haben dies gestern auch gemacht.
    Ich glaube nicht das sich jemand aus unserem Ort für die Fragen der Blogparade interessieren würde. Im Gegenteil. Das hat man schon lange abgehakt und es langweilt.
    Aus diesem Grunde bin ich die Blogparade nicht retrospektivisch angegangen und habe meinen Tagesablauf gebloggt.
    Das kam leider ja nicht so gut an bei den stubenhockenden Teilnehmern der Parade 🙂

    Grüße
    Lothar
    av100 letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Mein 3. Oktober

  4. Hallo Marcus,
    vielen Dank für diesen informativen Artikel. Ich habe es gerne gelesen und leider kann ich selbst zu DDR nicht viel behaupten, da ich wie du schon bemerkt hast, zugewandert war. Aber ich habe die Zustände gesehen, da wo ich damals im Aussiedlerheim gewohnt habe. Dieses Haus gibt es immer noch, nur wohnen jetzt dort Deutsche Familien.

    Gerne wäre ich damals nach Westdeutschland gekommen, aber jetzt wo ich schon 19 Jahre hier im Osten bin, bereue ich es auch nicht und bin auch froh, dass es so passiert war.

    Sage ich doch: Ossi und Wessi Begriffe benutzt man noch :). Selten gehört, aber manche, meistens noch älter als ich – ich bin 33 – benutzen hin wieder diese beiden Wörtern und machen darauf aufmerksam!!
    Alex L letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Vorstellung des CMS Microweber

    • Hi Axel!

      Wie ich schon im Artikel schrieb, bin ich 1986 mit 15 Jahren mal ‚rüber‘ gefahren. Leicht auszurechnen, das ich jetzt 43 bin. Und ich muss gestehen, das ich die beiden Begriffe noch relativ häufig nutze.

      Aber zu meiner ‚Entschuldigung‘ muss ich, wie schon im Artikel erwähnt, sagen, das meine Generation die beiden Begriffe wohl nicht mehr bzw. nicht so schnell aus ihrem Wortschatz gestrichen bekommen wird.

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