Nie wieder Kleinkrämer-Arbeitgeber

Auch der letzte Arbeitgeber geht in Insolvenz


Der Artikel besteht aus 1219 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 04:52 Minuten

  1. Juli 1992 - Juni 1996 Bundeswehr
  2. Dez. 1996 - Januar 2000 Mietwagenfahrer*
  3. Jan. 2000 - Sept. 2000 Kurier und Telefonist*
  4. Okt. 2000 - Dez. 2000 Produktionshelfer
  5. Jan- 2001 - April 2002 Kraftfahrer**
  6. Apr. 2002 - Okt. 2002 Arbeitslos
  7. Okt. 2002 - Mrz 2008 Kraftfahrer**
  8. Apr. 2008 - Aug. 2012 Arbeitslos
  9. Aug. 2012 - Mrz. 2013 Kraftfahrer
  10. Mrz. 2013 - Aug. 2013 Arbeitslos
  11. Sep. 2013 - Jan. 2014 Kraftfahrer
  12. Seit Feb. 2014 Kraftfahrer

So sieht mein bisheriges Berufsleben in der Kurzversion aus.

Den Mietwagen-Job und den Kurier- bzw. Telefonisten-Job hatte ich beim gleichen Arbeitgeber. Mein P-Schein wurde nicht verlängert, weswegen ich dann Kurier gefahren bin und am Telefon die Aufträge entgegengenommen habe. Aber da ich beim telefonieren bzw. bei der Vergabe der Touren nicht stur der vorgegebenen Linie gefolgt und deshalb immer öfter mit dem 'Alten' aneinander geraten bin, hat er mich mehr oder minder raus geworfen.

Den Job als Produktionshelfer habe ich geschmissen, weil Arbeiten im 3-Schicht-System nichts für mich ist. Ich war nach 2 Monaten dermaßen alle, das es einfach nicht mehr so weitergehen konnte. Ganz abgesehen von einem beidseitigen Leistenbruch, den ich mir dort zugezogen habe, aus Unkenntnis aber erst ein Jahr später behandeln / operieren ließ.

Auch der Kraftfahrer-Job von 2001 bis 2008, mit der halbjährlichen Unterbrechung fand beim gleichen Chef statt - was ich im nachhinein wirklich bedaure. Denn obwohl ich vor allem das letzte Vierteljahr in dem Job 15-Stunden-Tage abgerissen habe, meinte mein höflicher Chef, er würde sich von mir nicht verarschen lassen. Was er darauf bezog, das er mir kurz vor Silvester 2007 andeutete, mich wohl in Kürze kündigen zu müssen. Ich bin aber mit der 'eventuell-werde-ich-demnächst-Arbeitslos'-Nummer nicht zum Arbeitsamt gegangen. Und das hat ihn auf die Palme getrieben. Mir wurde gesagt, mit vielleicht und eventuell bräuchte ich nicht beim Arbeitsamt aufzuschlagen.

Chef läßt sich nicht verarschen

Gut, er musste noch bis April weiterzahlen. Aber ich hatte meinen Burn-Out, eine 2jährige Psychotherapie und mittendrin 12 Wochen Reha.

Es folgten dann mehr als 4 Jahre Hartz IV. Aufgrund des Burn-Outs kam ich mit Bewerbungen nicht so recht in die Gänge, oder wenn, dann kamen nicht mal Vorstellungsgespräche zustande. Und das Jobcenter - naja....

Kurz bevor ich den Kraftfahrer-Job im August 2012 antrat, schaute ich noch kurz - für 2 Tage - bei einer Firma in Frankfurt vorbei. Die hatte was mit Netzwerkaufbau zu tun, und brauchte Aushilfen. Aber als ich am ersten Wochenende ohne Geld - denn welcher Hartzer hat das schon - in Frankfurt bleiben sollte, noch dazu in einem Hotel, in dem es nur Frühstück gab, hab ich die Reißleine gezogen und bin gen Heimat.

Am Montag drauf habe ich dann den Kraftfahrer-Job angenommen. Das hielt bis März des folgenden Jahres. Als mich ein Riß im Innenmeniskus außer Gefecht setzte, setzte mein Chef mich vor die Tür. Er hätte es gerne ohne Kündigungsfrist getan. Aber daraus wurde - für ihn leider - nichts. Weil er keinen Führerschein hatte, sein Daddy in einer Bandscheiben-Reha und ich sein einziger Angestellter war, machte er die Firma dicht. Ich habe bis heute keinen müden Cent von ihm gesehen. Er schuldet mir irgendwas um die 3 - 3 1/2 tausend Euro.

Transportfirma mit Chef ohne Führerschein

Da er momentan als Zeitarbeiter beschäftigt ist, kann er nicht gepfändet werden. Er verdient zu wenig. Er wollte mir jeden Monat 50 € überweisen. Das habe ich fürs erste Abgelehnt. Denn wann will er mit der Zahlung fertig sein? In 7 oder 8 Jahren? Nein Danke. Ich habe für ihn ja auch nicht in kleinen Raten gearbeitet. Aber frühestens in zwei Jahren können wir jetzt noch einmal einen Anlauf nehmen, die gerichtlich festgelegten Beträge von ihm einzutreiben.

Und dann mein letzter Chef!

Ein Auftreten wie King Karl mit dicker Hose - aber wie sich schon bald rausstellen sollte ohne Ahnung von betriebswirtschaftlichen Dingen. Als Beispiel sei genannt, das er sich trotz des anscheinend nicht gerade gut laufenden Geschäfts noch ein Renovierungsbedürftiges Haus zugelegt hat.

Es dauerte nicht lange bis sich mehrfach Geldschulden bis hin zu einer Höhe von 200 € für den Sprit aufgetürmt hatten, die ich von ihm zu bekommen hatte. Er aber hatte immer Ausreden auf Lager, warum er gerade kein Geld bei sich hatte.

Angeblich hätte ich ihm nicht rechtzeitig genug Bescheid gegeben, oder er war so überrascht, das ich vor der Tür stand, das er kein Geld im Haus gehabt haben will.

Dicke Hose - aber keine BWL-Kenntnisse

Dann hat er mir einen Jobwechsel zu einem Arbeitgeber versaut, der für den selben Auftraggeber tätig ist. Dort hätte ich zwar von mittags bis nachts fahren müssen, aber 1500 € netto verdienen sollen. Denn er setzte mich unter Druck, ihm schriftlich zu bestätigen, das ich abgeworben worden bin - was so gar nicht stimmte.

Also kommunizierten wir danach über unsere Anwälte. Wohl aus finanziellen Gründen ließ er sich vom Arbeitgeberverband vertreten. Um statt Geld an mich zu überweisen, forderte er selbiges von mir. 1000 € Selbstbehalt wegen eines Unfalls mit einem Mietwagen, den ich ohne sein Wissen auf seinen Namen gemietet hätte. Abstruser gehts eigentlich nicht mehr. Denn keine seriöse Autovermietung vermietet an jemanden ein Fahrzeug, für das ein anderer dann die Rechnung zahlen soll. Sie wird sich immer telefonisch rückversichern, das das in Ordnung geht.

Irgendwann im laufe des Frühlings kam dann die Meldung, er hätte die eidesstattliche Versicherung abgegeben. Und wer sich auskennt, weiß, das das nur eine Vorstufe sein kann für die dann eigentlich unvermeidliche Insolvenz.

Und das hat er grandios getimt. Denn just letzten Mittwoch war ein Termin beim Arbeitsgericht anberaumt. Dieser aber wurde telefonisch am Tag zuvor von der Rechtsanwaltsgehilfin abgesagt. Denn inzwischen war das Insolvenzverfahren über ihn eröffnet worden. Und das mit 28 Jahren - wie ich aus dem Insolvenzeröffnungsschreiben entnehmen musste.

Eigentlich müsste ich noch 1.300 € Gehalt von ihm bekommen. Mein Anwalt meinte aber wegen des Unfalls mit dem Mietwagen ihm entgegenkommen zu wollen um eine Klage gegen mich abzuwenden und die Forderung auf 500 € zu reduzieren. Das Ergebnis der Insolvenz ist, das ich bei sehr viel Glück vielleicht noch 10 % der Summe bekommen könnte.

Einziger Trost: die Freude am jetzigen Job

Aber wer streitet sich schon für / um 50 € mit seinem Ex-Chef?

Einzig der Insolvenzverwalter könnte jetzt noch kommen, und die von ihm geforderten 1.000 € Selbstbehalt einzufordern. Aber wir haben dem Gericht nun schon mehrfach mitgeteilt, warum diese Klage abgewiesen werden müsste.

Summa summarum fehlen mir jetzt etwas mehr als 4.000 € an Gehalt.

Mit meinem jetzigen Einkommen von Ø 1.350 Euro arbeite ich mich langsam aus dem finanziellen Tal heraus. Aber bis ich das durchschritten habe, wird es aufgrund der bisherigen geringen Gehälter noch einige Zeit dauern. Denn die laufenden Kosten müssen ja weiterhin bezahlt werden.

Ich weiß definitiv, das ich zukünftig für keinen Arbeitgeber mehr arbeiten werde der nicht mindestens ein Dutzend Angestellte hat. Diese Kleinkrämer-Firmen mit Chef und einem oder zwei Angestellten habe ich für den Rest meines Berufslebens absolut satt.

Nur in einem einzigen Punkt bin ich meinem Ex-Chef ein wenig dankbar: Hätte er mir den Jobwechsel nicht versaut, würde ich jetzt sicher nicht soviel Freude am Job haben, wie es in der Regel der Fall ist. Ganz zu schweigen davon, das ich jetzt nachts im Bett liegen kann wo ich ansonsten durch die Gegend jagen würde.

Marcus
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4 Kommentare

  1. Betriebsführung ist aber nicht nur eine Frage der Betriebsgröße, sondern auch der Intelligenz und des Charakters. Auch große Firmen gehen dubios in Pleite oder behandeln ihre Mitarbeiter schlecht oder beides. Siehe Karstadt, Schlecker etc. Aber ich finde, die Arbeitgeber-Mentalität wird immer schlechter und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitarbeitern auch.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall in deinem jetztigen Job mehr Glück!
    LG
    Sabienes

    • Hallo Sabienes!

      Danke für die guten Wünsche!

      Ganz unrecht hast Du sicher nicht.

      Schlecker ist nicht wegen fehlender oder mangelnder Intelligenz gescheitert. Schlecker ist daran gescheitert, das man einfach so weiter gemacht hat, wie man es schon immer gemacht hat. Karstadt geht daran kaputt, das man einfach zu konzeptionslos ist. Derjenige, der mit den meisten Scheinen wedelt, bzw. verspricht, die meisten Moneten in das Geschäft zu pumpen, wird Chef des Ladens.

      Dabei sind selbiges – und somit die Mitarbeiter eher von sehr untergeordneter Bedeutung – wenn sie denn überhaupt eine haben…

      Meine letzten beiden Chefs sind sind einfach an ihrer Unerfahrenheit gescheitert.

  2. Mein P-Schein wurde nicht verlängert,

    Ich hatte auch mal Taxi gefahren.Ist schon 15 Jahre her. Da war eine P Schein Verlängerung kein Problem.
    Ist das heure anders?

    Ja in der Tat , die kleinen Krauter Firmen kommen schnell mal auf die Idee die Löhne nicht zu bezahlen. Wenn man da nicht schnell die Reißleine zieht dann kommt man selber schnell in Schwierigkeiten.

    Mach Dich doch selbständig. Ein alter Spruch der immer passt. „ist der Handel noch so klein bringt er mehr als Arbeit ein“

    Ich bin schon viele Jahre selbständig.

    Grüße
    Lothar
    av100 letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Conrad Partnerprogamm

    • Hallo Lothar!

      Bei mir lag die Schwierigkeit darin, das ich einen Sehfehler habe. Mir fehlt das räumliche Sehen. 1996 habe ich den Test noch bestanden. 1999/ 2000 wurde er verschärft, da die Gültigkeit des P-Scheins von 3 auf 5 Jahre verlängert wurde. Jetzt habe ich zwar eine Korrektur-OP machen lassen, die aber

      a) das räumliche Sehen nicht wiederherstellt, da man die Fähigkeit im Kleinkindalter erlernt – und da hat der Augenarzt damals absoluten Murks gemacht

      b) auch das ‚Schielen‘ nicht für immer beseitigt hat, sondern nur temporär. Eigentlich müsste in ein paar Jahren die OP wiederholt werden. Aber ob ich das dann noch machen lasse, weiß ich nicht.

      Ich hatte 2008 schon mal den Ersten Schritt zu einer Selbständigkeit gemacht. Aber da mein Coach plötzlich längere Zeit ausfiel habe ich das aufgegeben. Und wenn ich heute meine gesundheitlichen Probleme sehe – Knie (Meniskus-OP), Rücken und auch den Burn-Out, dann bin ich durchaus froh, das nicht getan zu haben. Ich versuche mit meinem Nebenjob mir was aufzubauen. Vielleicht kann ich da irgendwann von leben.

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