Stendaler Sparkassen-Skandal hat einen Skandal

Staatsanwaltschaft schreddert 77 Aktenordner


Der Artikel besteht aus 490 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 01:57 Minuten

Die kleinen hängt man, die großen lässt man laufen

Ein Spruch, den sicher jeder schon mal gehört oder sogar selbst gesagt hat. Und jeder weiß wohl auch, was damit gemeint ist: Der kleine Mann, der sich nicht mit Geld freikaufen kann, wird bei Gerichtsverfahren verknackt, während diejenigen, die Geld oder Amt oder sogar beides haben ungeschoren davon kommen.

Solch ein Eindruck entsteht aber meistens erst am Ende eines mehr oder minder normal verlaufenden Gerichtsverfahrens. Nämlich dann, wenn das Gerichtsurteil gefällt wurde. In einem Fall in Stendal könnte man jetzt jedoch die Vermutung hegen, das man hier seitens der Justiz in einem schwebenden Verfahren dem Angeklagten einen Vorteil eingeräumt hat.

Was ist passiert?

Seit geraumer Zeit wird die Sparkasse Stendal von einem Geschäftsführer-Skandal geschüttelt. Ein ehemaliger Geschäftsführer soll in den Jahren 2007 bis 2012 mehrfach seine Kompetenzen überschritten haben. Nicht nur, das er sich regelmäßig neue Dienstwagen genehmigte - in drei Jahren sollen es allein 6 Stück gewesen sein. Nein! Er soll auch Bauaufträge zu seinem Vorteil vergeben haben.

Die Sache flog auf, die Justiz schaltete sich ein und nahm die Ermittlungen auf. Soweit nichts, das einen Skandal verursachen würde.

6 Dienstwagen in drei Jahren

Doch jetzt wurde bekannt, das die Staatsanwaltschaft rund 70 - in Worten siebzig - Ordner des Ermittlungsverfahrens Schreddern ließ. Zur Sicherheit waren diese in der Aservatenkammer der Magdeburger Staatsanwaltschaft untergebracht und sollen mit entsprechenden Aufklebern versehen gewesen sein.

Bei der Entsorgung von anderen Ordnern, die mit den Akten des laufenden Verfahrens zusammen aufbewahrt worden sein sollen, haben die Angestellten wohl keine Brille getragen und somit kurzer Hand auch die aktuellen Ordner an den externen Vernichtungsservice ausgehändigt.

In den Ordnern sollen sich nicht nur Kopien sondern auch Originalunterlagen befunden haben. Somit hat nicht nur die Staatsanwaltschaft ein großes Problem an den Hacken, sondern auch die Sparkasse Stendal. Denn natürlich hat diese Aufbewahrungsfristen für ihre Unterlagen einzuhalten, die auch für die nun beseitigten Papiere gelten.

Aktenordner-Entsorgung ein Freundschaftsdienst?

Was die Staatsanwaltschaft betrifft, so kommt einen fast schon zwangsläufig der Gedanke, das hier irgendwer aus den Reihen der Justiz einem anderen Freundschaftsdienst erwiesen hat. Es mögen sich vielleicht 10 oder 20 % der Unterlagen rekonstruieren lassen. Das ist zum einen zu wenig um mit auch nur annähernder Sicherheit stichhaltige Beweise gegen den Beschuldigten in der Hand zu haben.

Zum anderen muss man dieses schlampige Verhalten nach dem Grundsatz 'Im Zweifel für den Angeklagten' zu Gunsten des ehemaligen Geschäftsführers werten. Schlampig, weil einem vielleicht bei 5 Akten die Ordnerbeschriftung nicht unbedingt ins Auge fallen muss. Bei 70 Ordnern kann mir aber keiner erzählen, das er nicht zufällig einen Blick auf die Aufkleber geworfen hat.

Wer ganz boshaft ist, könnte auch den Spruch von der Krähe bemühen, die der anderen kein Auge aushackt.

Dem ehemaligen Chef der Stendaler Sparkasse kann diese unrühmliche Panne eigentlich nur freuen.

Marcus
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