Kopfschütteln über Entscheidungen und Verhalten der Jugendämter

Aber auch die Gerichte treffen seltsame Entscheidungen


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Die Gesellschaftskultur in Deutschland hat sich nicht erst in den letzten Monaten oder drei bis vier Jahren sichtbar gewandelt. Jährlich wächst die Zahl der Alleinerziehenden Mütter oder Väter.

Das die Bundespolitik darauf bislang nicht wirklich reagiert hat, ist - wenn auch schwer einsehbar - durchaus verständlich, weil Politik welche Bundesweit geltende Vorschriften und Regelungen in Kraft setzen muss in 99% der Fälle viel Vorlauf benötigt.

Aber das die Landespolitik in dieser Hinsicht nur schwer bis gar nicht in die Puschen kommt, ist absolut nicht nachvollziehbar.

In Hamburg mussten in den letzten Jahren 3 kleine Kinder sterben, weil die Jugendämter ihren Pflichten nicht nachkommen konnten oder wollten. Was an den Hamburger Fällen jedoch sehr merkwürdig ist, ist die Tatsache, das diese Todesfälle nur in den Einrichtungen der Bezirke Mitte und Eimsbüttel geschehen sind. In allen anderen der 7 Hamburger Bezirke scheint es solch schwerwiegenden Probleme mit oder in dem jeweiligen Jugendamt nicht zu geben.

Kein Argument für Fehlverhalten

Dabei kann ich kein Argument finden, das ein Fehlverhalten der Ämter auch nur im Ansatz erklären könnte. Auch wenn Hamburg-Mitte mit knapp 290 tsd. Einwohnern der drittgrößte Bezirk in Hamburg ist. Eimsbüttel rangiert hier auf Platz 5. Da spielt es auch keine Rolle, wie groß der Bezirk ist oder wie viele Stadtteile er hat.

Neulich kam es wieder zu einem für die Jugendämter unrühmlichen Fall. Und drei Mal darf man raten*, welches Bezirksamt hier betroffen war. Und zwar mussten die Behördenmitarbeiter zwei Kinder aus einer völlig verdreckten Wohnung holen und den Eltern vorläufig entziehen. Auf den unhaltbaren Zustand sind aber nicht die Mitarbeiter selbst gestoßen. Nein!

Nachbarn hatten die Polizei gerufen, weil Fäkalien vom Balkon der Betroffenen Familie tropften.

Die Behörde ließ mitteilen, das man bei den Besuchen der Familie keine Hinweise vorfinden konnte, die auf eventuelle Probleme in der Familie hätten hindeuten können. Ist aber ja auch kein Wunder. Wenn ich als Eltern weiß, das an Tag x um die Uhrzeit y wieder die 'nervigen Typen vom Amt' vor der Tür stehen, kann ich ja mal ausnahmsweise die Wohnung aufräumen.

Das man seitens der Eltern die Behörden-Mitarbeiter aber nicht in alle Räume der Wohnung gelassen hat, hätte die Staatsbediensteten eigentlich aufhorchen und sich Amtshilfe von der Polizei holen lassen sollen. Natürlich hat ein jeder Anrecht auf Privatsphäre. Aber wenn man schon unter der Aufsicht der Behörden steht, und das wegen eines / mehrerer Kindes / Kinder, sollten bei einem solchen Verhalten dann nicht wirklich sämtliche Alarmglocken schrillen?

Im Übrigen soll die Frau mit 21 Jahren schon vierfache Mutter sein - aber das nur so nebenbei

Nachlässigkeit der Behörden ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist Übervorsichtigkeit.

Geschehen in einem Fall in Süd-Niedersachsen.

Weil die Mutter eine Therapie ihrer Tochter vorzeitig abbricht - die Ärzte sollen eine zu enge Bindung zwischen Tochter und Mutter ausgemacht haben - zieht der Vater wegen angeblich mangelnder Versorgung vor Gericht. Die Tochter soll wegen der Scheidung und des jahrelangen Rechtsstreites der Eltern Suizidgedanken mit sich herum getragen haben.

Erster Schwachpunkt in diesem Fall: Der Vater selbst soll nur sehr wenig Kontakt mit seiner Tochter haben ...

Das Gericht beauftragt eine Psychologin für Erwachsene - worauf diese in ihrem Gutachten auch hinweist. Trotzdem darf sie die Begutachtung durchführen. Ein Gespräch der Gutachterin mit der Tochter dauert geschlagene ... 60 Minuten!!!!

Nach einer Stunde also hat die Erwachsenen-Psychologin ihr Urteil über die heranwachsende gefällt und das Gericht beschließt, das die 14jährige in eine Erziehungsgruppe gesteckt wird. Gleichzeitig wird beiden Eltern das Sorgerecht entzogen!

Nach 8 Monaten hat das Bundesverwaltungsgericht das Urteil auch wegen des mangelhaften und nicht genug qualifizierten Gutachtens kassiert. Ein weiterer Kritikpunkt des Gerichts: Es wurde zuwenig Sorgfalt bei einer solch sensiblen Entscheidung an den Tag gelegt. Das Gutachten hätte nicht ausgereicht, um zu beweisen, das die Tochter wirklich akut gefährdet sei. Die größte Ohrfeige für das Celler Gericht aber dürfte sein, das das BVG in dem Urteil des Oberlandesgerichts einen Verstoß gegen das Grundgesetz sieht.

Das Mädchen - welches im Herbst letzten Jahres ohne Wissen der Mutter vom Jugendamt aus dem Schulunterricht herausgeholt wurde - darf wieder bei ihrer Mutter wohnen und ist bereits wieder in ihrer alten Schule angemeldet.

Hier musste zwar kein Kind sterben, aber es musste ein weiteres darunter leiden, das die jeweilig zuständigen Behörden personell unterbesetzt und Arbeitsmäßig überfordert sind.

So wie ich mich im letzten Hamburger Fall frage, wie kann man sich abwimmeln lassen wenn man die Wohnung nur in Teilen zu Gesicht bekommen hat, frage ich mich im niedersächsischen Fall, wie kann ein Vater, der sich quasi einen Dreck um seine Tochter zu kümmern scheint, ein solches Gerichtsverfahren anschieben? So wie die Hintergründe geschildert werden, war dies einzig und allein dem Ziel geschuldet, der Mutter eines auszuwischen.

Das hier die Tochter wieder mal der Kollateralschaden war, scheint für diesen Menschen absolut nebensächlich zu sein.

*PS: Das zuständig Jugendamt heißt Hamburg Eimsbüttel

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3 Kommentare

    • Hallo Ann-Bettina!

      Ja, vor allem die Hamburger Fälle sind völlig unverständlich. Wie das drei Mal passieren kann, das ein Kind stirbt, ist mir absolut schleierhaft.

      Und was noch verheerender ist: Die Leiterin des Jugendamtes Hamburg-Mitte soll nur gegen ihren Willen versetzt worden sein. Und das noch nicht einmal in ein anderes Amt, nein. Sie soll jetzt den Fall des zuletzt gestorbenen Kindes klären. Also einen, der unter ihrer Zuständigkeit passiert ist.

      Was dabei herauskommt – oder besser gesagt unterschlagen werden wird – dürfte klar sein: Sie hat sich nichts vorzuwerfen. Schuld haben gewiss die anderen….

  1. Hallo Marcus,
    das dürfte wirklich nicht sein, dass diejenige in deren Verantwortungsbereich so etwas passiert ist, den Fall jetzt untersucht. Da müsste eine unabhängige Prüfung her.
    Ein schönes Wochenende
    Ann-Bettina

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