Totgesagte leben länger


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Martin vom Webmasterfriday hat dieses Mal eine Frage gestellt, wie ich / man sie in den letzten Jahren schon mehrfach genauso lesen konnte oder musste: Ist die Zeit des Bloggens vorbei?

Dazu stellt er auch die verschiedensten Fragen auf die ich noch eingehen werde.

Er macht für sich an seinen Beobachtungen speziell bei den sogenannten SEO-Blogs fest, das dem wohl in der Tat so ist.

Doch ich stelle mir auch die Frage, ob es das überhaupt gegeben hat: Die Zeit des Bloggens. Denn für mich heißt das, das man in der Öffentlichkeit ausreichend Notiz von uns genommen hat. Oder anders formuliert: Waren wir wirklich im Radar der Menschen, waren wir im Mainstream? Denn letzteres, denke ich, muss man sein um die Frage klipp und klar beantworten zu können.

Hat des 'die Zeit des Bloggens' überhaupt gegeben?

Gut: Ein paar Blogs kennt man in der Öffentlichkeit, weil man von ihnen in den Medien gelesen oder gehört hat. Hier ist wohl vor allem 'der Postillon' zu nennen, der aufgrund seiner ironischen Artikel über die Tagesaktuellen Themen zu Aufmerksamkeit gelangt ist. Aber sonst? Hat man sonst von uns, den Bloggern, Notiz genommen? Wenn man ehrlich ist, setzen sich die Besucher der meisten Blogs wohl überwiegend aus anderen Bloggern zusammen. Man ist also weitgehend unter sich - wie ich denke.

Wäre das anders, würden die meisten Blogs sicher nicht nur mit Besucherzahlen im zweistelligen oder (sehr) niedrigen dreistelligen Bereich dahindümpeln.

Es herrscht immer ein kommen und gehen in der Bloggerszene. Für einen Blog der eingestellt wird macht irgendwo irgendwer einen wieder auf. Nur man erfährt davon in den seltensten Fällen. Denn ein aktuelles Verzeichnis aller aktiven Blogs gibt es nun einmal nicht.

Doch zurück zu den Fragen, die Martin zum Thema gestellt hat:

Wie schätzt ihr das ein und wie beurteilt ihr die aktuelle Situation Eures Blogs. Geht es tendenziell - gefühlt - eher mit dem Blog bergauf - oder doch bergab?

Den ersten Teil der Frage habe ich eben mehr oder weniger beantwortet. Zum zweiten Teil kann ich sagen, das sich meine Situation auf die Besucher bezogen nicht wesentlich geändert hat. Es kommen in der letzten Zeit ein paar - aber wirklich auch nur ein paar - mehr Besucher vorbei, so das ich (noch) immer im mittleren zweistelligen Bereich herumschwimme. Was ehrlich gesagt auch nicht verwundert, da ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit in letzter Zeit weniger Artikel veröffentlicht habe.

Hat Social Media damit zu tun?

Da meine Besucherzahlen nur um Weihnachten herum einen Satz nach oben machen, den Rest des Jahres aber eben gleichbleibend niedrig sind, und das eigentlich schon immer so war, kann ich das kaum den Social Media-Angeboten wie FB oder google+ in die Schuhe schieben.

Oder die durch wachsende Geschwindigkeit immer kürzere Zeit, sich auf so etwas wie einen Artikel einzulassen

Das ist ein Phänomen, mit dem das gesamte Internet zu kämpfen hat - nicht nur wir Blogger. Sich wirklich Zeit für einen Artikel nehmen sich doch wirklich nur die wenigsten. Querlesen wäre da der passendere Begriff. Und selbst das schaffen die meisten heute ja nicht einmal mehr. Wer mehr als die ersten beiden Sätze oder gar den ersten Absatz eines Artikels liest, gehört wahrscheinlich zu einer aussterbenden Spezies.

Werden Blogs ein Randphänomen? Oder waren sie das eigentlich von Anfang an?

Auch diese Frage habe ich anfangs schon beantwortet.

Wirklich im Mainstream angekommen sind 99,9 % der Blogger nie. Und die restlichen 0,1 % haben mal das Licht der Öffentlichkeit erreicht, weil sie ein Tagesaktuelles Thema ungewöhnlich - weil (wie der Postillon) ironisch oder sarkastisch auf die Schippe genommen haben. Trotzdem würden auch sie bei einer Umfrage nach dem berühmtesten Blog sicher nur sehr wenige Prozentpunkte sammeln. Die meisten Teilnehmer der Umfrage würden - wenn sie nicht gerade selber Blogger sind - wohl antworten, das sie von dem Blog noch nie etwas gehört haben.

Last but not least: DIE Zeit des Bloggens hat es meiner Ansicht nach nie gegeben. Während in Übersee die meisten wahrscheinlich sehr wohl etwas mit Blogs anfangen können und viele es schaffen, sich damit auch ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sind Blogs hierzulande nicht wirklich großartig in Erscheinung getreten.

Trotzdem wird es sie sicher noch eine ganze Weile geben. Zumindest solange Otto-Normal-Blogger seinen Spaß an Blogs hat. Denn schließlich leben Totgesagte immer länger.

Marcus
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7 Kommentare

  1. Hmm… interessantes Thema…

    Es gibt eine Hand voll Blogs, denen es richtig gut geht. Der von Dir bereits erwähnte Postillon gehört sicher dazu, Basic Thinking war, als er noch Robert Basic gehörte, sicher der erfolgreichste deutschsprachige Blog. Wenn ich mir Caschy ansehe, seinen täglichen Output, dann sieht man aber auch, welcher Aufwand für ein erfolgreiches Blog nötig ist. Auch wenn man Co-Autoren hat, will jeder Artikel gerade aus dem technischen Bereich auch recherchiert sein.

    Mit meinem kleinen Blog gehts mir wie Dir, die Besucherzahlen sind seit Jahren mehr oder weniger konstant. Semmelstatz wird zwar nicht mehr gepflegt, verrichtet aber noch immer anstandslos seinen Dienst und ist optimal für einen schnellen Überblick. Demnach habe ich täglich 300 bis 400 Besucher und knapp 1000 Hits. Dabei sind sicher auch Bots und Spider, meine eigenen Besuche werden nicht gezählt.
    Datum Besucher Hits Referer
    Heute 92 168 17
    Gestern 353 3250 156
    Vorgestern 281 867 98
    14.05.2014 255 928 100
    13.05.2014 245 887 117
    12.05.2014 266 802 119
    11.05.2014 381 1484 231

    Dass Piwik andere Zahlen liefert, wundert mich nicht wirklich. Treue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ;-)
    Markus letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Antispam Bee frisst Kommentare

    • Hallo Markus!

      Ja, Robert seiner war bestimmt auch einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Blogs, die es je gegeben hat. All zu viele gibt es ja leider nicht.

      Und was Deine Statistik angeht, da habe ich mal einen alten Artikel von mir ausgegraben, der piwik, semmelstatz und auch Analytics miteinander vergleicht.

      Wenn ich von meinen Erfahrungen ausgehe, dürften sich Deine Besucherzahlen also real bei ca. 60 – 80 Visits einpendeln. Damit liegen unsere beiden Blogs also auf einem Niveau.

      • Ja, so wird es wohl sein. Wobei gerade Piwik den Unsicherheitsfaktor Cookie hat. Schließlich kann der Besucher selbst entscheiden, ob er gezählt werden will, oder nicht.

        Analytics ist für mich außen vor, weil ich die Daten meiner Besucher nicht unnötig an die NSA schicken will. In meinen Browsern sorgt Ghostery dafür, dass auch meine Daten nicht unnötig über den großen Teich wandern.

        Aber davon ab, ich verdiene mit meinen Blogs keine Geld, schalte auch keine Werbung. Von daher sind mir die Besucherzahlen relativ egal. Ich freue mich über jeden, der kommt und einen Kommentar dalässt. 😉
        Markus letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Antispam Bee frisst Kommentare

        • Eigentlich sind das glaube ich die Standardeinstellungen.

          Was ich jetzt noch aktuell geändert habe, ist die Einstellung ‚Öffentliche Spamdatenbank berücksichtigen‘ – aufgrund des Datenschutzes hab ich die jetzt (erst) deaktiviert. Mal schauen, ob das irgendwelche negativen Auswirkungen hat.

          • Also, das ein Kommentar unter dem falschen Blogpost landet, das ist mir noch nicht passiert. Da muss dann der Kommentator einen Fehler gemacht haben. Weil die Biene ja nur Dinge rund um den Kommentar als solchen prüft. Also IP, Sprache, Inhalt.

            Und was die Probleme mit zwei Plugins betrifft , genauer gesagt mit der Biene und ASNX hat Daniel bei der Erdbeere einen Kommentar hinterlassen – 16. Mai 2014 um 22:20. Er meint, das das Leere Feld, über das ihr bei Dir glaube ich auch schon gesprochen habt, eben durch die Verwendung der beiden Plugins entsteht.

  2. Hello Markus,

    habe gerade deinen Beitrag über Google+ gefunden und musste mir deine Meinung zum „Aussterben der Blogs“ mal durchlesen. Deine Ansätze über die angebliche Hochzeit der deutschen Blogger, kann ich voll nachvollziehen. In anderen Regionen der Erde trifft es eventuell zu, aber für die einheimische Bogger-Gemeinde eben nicht. Die Zeit der deutschen Blogger war wohl noch nie da. Auf den Blogs finden sich maximal andere Blogger ein aber der Otto-Normalverbraucher kommt sehr selten.

    MfG Gregor

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