Das Glaubwürdigkeitsproblem von bloggern

Löschen von 'Freunden' = Distanzierung?


Der Artikel besteht aus 632 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 02:31 Minuten

Die Diskussionen im Internet über den Zustand unserer Medienlandschaft, unseren scheißliberalen Umgang mit dem Islam, mit der EU, der Ukraine, Putin und der GroKo kotzen mich an.

So steht es in einem Artikel von Horst Schulte heute zu lesen.

Daraus - so schreibt er, ziehe er nun seine Konsequenzen, und er hätte alle aus seinen wie auch immer genannten Listen gelöscht, die sich

aktiv dem Feldzug gegen alles angeschlossen haben, woran ich glaube und alle, die diese aus der rechten Ecke kommenden Akteure durch die Verbreitung ihrer “Argumente” unterstützen

Dazu scheine auch ich zu gehören, denn z. B. bei g+ ist es mir nicht möglich gewesen, auf den Thread zum Artikel zu kommentieren. Andererseits gehöre ich zu den Leuten, die mit ihm auch schon mal aneinander geraten, weil ich seine Meinung(en) in einer Vielzahl der Fälle nicht teile. Auch deshalb mache ich mir mit diesem Artikel so meine Gedanken.

Leider schreibt er nicht, worauf genau er sich jetzt bezieht. Was aber irgendwie ins Bild passt.

In einem Kommentar zu dem Artikel habe ich als erstes die Frage gestellt, die man ihm auch schon auf g+ gestellt - er aber nicht beantwortet hat. Über neunzig Prozent des Kommentars beziehen sich aber auf seine generelle Kritik am Internet.

Die Antwort auf den Kommentar bezieht sich aber allein auf meine Frage Eingangs des Kommentars. Auf den - wie ich denke - interessanteren Teil ist er nicht eingegangen. Im Gegenteil kritisiert er mich in einer Antwort auf einen weiteren Kommentar von mir durch die Blume, ich solle doch lieber über die Bundesliga bloggen.

Das dass Pendel in Horst's Artikeln sehr drastisch in die eine oder in die andere Richtung ausschlägt, ist glaube ich unter den Bloggern die ihn virtuell kennen kein Geheimnis. Woran das liegt, kann ich nicht 100%ig sagen. Ich vermute, das es darauf ankommt, in welcher Stimmung er ist, wenn er die Artikel verfasst.

Doch ist es eine Distanzierung von Leuten, wenn ich sie aus Freundeslisten - oder wie man diese Dinge nennen will - entferne, oder ist es eine Kapitulation vor diesen unerwünschten Menschen? Macht Horst mit seinen Artikeln nicht das, was er diesen - von ihm unerwünschten Individuen - vorwirft? Denn aus meiner Sicht wirft er im überwiegenden Teil seiner Artikel auch seine Meinung nur einfach in den Ring. Von gründlich recherchiert kann man bei seinen Artikeln in den wenigsten Fällen sprechen. Von einer guten Argumentation, die seine Ansichten untermauern, ist in meinen Augen genauso selten was zu finden.

Oder ist es nicht einfach nur das 'ausmerzen' von anders lautenden Meinungen, die ihm nicht ins Konzept passen?

Ich gebe es ungern zu, aber mit Kritik an meiner Meinung habe ich schon zu kämpfen. Man nennt das wohl Harmoniesucht. Aber trotzdem versuche ich, mich mit dem / den Kritiker(n) auseinander zu setzen. Das ich jetzt Leute aus irgendwelche Listen gelöscht habe, weil sie nicht meiner Meinung waren, deren Meinungen mir nicht in den Kram gepasst haben oder weil sie sonstwas getan haben, ist bei mir bis heute vielleicht so oft passiert, wie eine Hand Finger hat.

Stärkt ein solches Verhalten - die eigene Meinung zu den verschiedensten Themen des jeweiligen Tages im Minutentakt 'rauszublasen', die der anderen aber nicht hören / lesen / zur Kenntnis nehmen zu wollen, weil man sich das eigene Weltbild nicht madig machen lassen will, nicht das Glaubwürdigkeitsproblem, das wir Blogger immer noch haben?

Und wie kommt es bei Euch an, wenn so jemand in einer Ergänzung zu solch einem Artikel dann noch empfiehlt, vielleicht mal darüber nachzudenken, was sonst noch

alles so zu viel ist

und sei es nur aus Sicherheitsgründen?

Predigt dort jemand Wasser und schlürft selbst den Millionärs-Soda (Spruch von T. Hill über Champagner)?

Marcus
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10 Kommentare

  1. Ich vermute ja eher, solche Artikel wie dieser hier führen zu einem Glaubwürdigkeitsproblem.

    Man kann zwar seine Meinung kundtun (auch dann, wenn es ein anderer Blogger ist), aber offenbar artet sowas immer in Mimositäten aus, die zu kathartischem Gezeter führen. Manchmal denke ich, es wäre einfacher, sowas ganz klassisch per Telefon zu klären (oder wenn es hart auf hart kommt: draußen vor der Kneipentür).

    Genau derartiges Verhalten hat (zum Glück!) die Urheberenteigner/ Kampfemanzen und was weiß ich wer alles aus der Piratenpartei zu Fall gebracht, und so wird es wohl auch dem Rest der sogenannten Digital Natives ergehen.

    Wer mit beiden Füßen auf dem Boden des realen Lebens steht, kann m.E. „das Internet“ nicht mehr ernst nehmen. Das drückt sich hervorragend in zwei Schlagworten aus: „Neuland“ und „Das Internet ist kaputt“. Zwei verschiedene Sichtweisen aber dennoch in letzter Konsequenz die gleiche Erkenntnis.

    Schade eigentlich – das Internet hätte eine tolle Entwicklung sein können. Das Blöde ist nur: die Menschheit ist noch nicht reif dafür.

    • Hallo Broken Spirits!

      Ich denke, das es bei der Glaubwürdigkeit auch darum geht, wie viele Leute ich mit dem, was ich so von mir gebe erreiche / erreichen kann. Ich mit meinen ~200 twitter-Followern hab nicht die Reichweite, wie Horst. Selbst wenn von seinen 1800 Followern vielleicht 30% Karteileichen sein mögen.

      Mir ging es bei Horst jetzt auch vielmehr ums Prinzipielle. Er nimmt für sich in Anspruch, der (Internet-)Welt seine Meinung kund tun zu können, hat aber anscheinend ein Problem damit, wenn andere es genauso machen. Nur: was unterscheidet die seine von der der anderen? Für viele andere mag seine Meinung auch mancher Grundlage entbehren, löschen die ihn deswegen aus ihren Listen?

      • Läuft es denn im wahren Leben anders? Leute, die eine schlechte Stimmung hinterlassen, meide ich. Ich gehe nicht in Szentreffs von irgendwelchen rechten Gesocks. Wenn Du so willst, ist das auch ein „entfolgen“ oder aus „Listen löschen“. Eben übertragen auf das reale Leben 😉 Ohne das geht es auch nicht, andernfalls würden wir über kurz oder lang verrückt werden.

        Im realen Leben kann man sich dann bei seinen Leuten am Stammtisch drüber auslassen, im Internet sind diese Stammtische dann eben die Blogs oder „soziale“ Netzwerke.

        Ich finde Stammtisch-Palavaer jetzt nicht unbedingt „glaubwürdig“. Da regt man sich auf, trinkt ein paar Bier (zuviel), es schaukelt sich hoch und irgendwann macht die Eck-Kneipe zu und gut ist. Blogs hingegen sind immer offen – das Stammtisch-Palaver findet also rund um die Uhr statt. Und schaukelt sich dementsprechend mmer weiter hoch, während die Glaubwürdigkeit im gleichen Maße sinkt. Prominentes Beispiel sind die gegenseitigen Zerfleischungen der Piratenpartei. Die haben alles über Twitter, Blogs, Facebook und Co ausgetragen. Mit bekannten Effekt auf die Außenwirkung (= Glaubwürdigkeit) 🙂 Gleiches funktioniert aber auch bei privaten Blogs. Einfach mal drüber schlafen würde oft helfen (da wären dann analog zur „analogen“ Welt die Öffnungszeiten einer Kneipe.

        • Stimmt, Broken Spirits. Deine Argumente sind nicht von der Hand zu weisen.

          Wobei ich mir auch die Frage stelle, ob nicht jeder ‚Rechtsradikal‘ anders wahrnimmt. Ich meine damit den Zeitpunkt ab dem jemand in diese Richtung abdriftet. Zumal Horst ja keine Beispiele für das bringt, was ihn so auf die Palme getrieben hat.

          Ich nehme da mal als Beispiel Thilo Sarrazin, der ja von vielen als Nazi und rechtsradikal beschimpft wird. Für den einen ist jemand, der dessen Argumentation schon in einzelnen Punkten oder in Teilen zustimmt schon ‚rechts(radikal)‘, während ein anderer die Messlatte vielleicht wesentlich höher anlegt und sagt: Für mich ist jemand dieser politischen Richtung zugehörig, der diese Aussagen in Gänze zustimmt.

          Ich hoffe, es ist einigermaßen verständlich, was ich meine!

          • Es ist klar: die „individuelle Schmerzgrenze“ 😉 Die ist bei jedem anders. Das ist in vielen Bereichen – auch ganz ohen Nazikeule:
            ♦ Manche Veganer wollen nicht mit „Fleischfressern“ zusammenwohnen, anderen reichen getrennte Kühlschränke.
            ♦ die ganz toleranten Kampfemanzen bleiben unter sich und dulden keine Männer in ihrer Nähe.
            ♦ Die Fußballfans des einen Vereins treffen sich wenn überhaupt nur zum Prügeln mit den Fans eines anderen Vereins
            ♦ Oder- ich mache es ja ganz genauso – auf meinen Fotoblog kommt man nur nach „Gesichtskontrolle“

            usw. usf. Bei allen ist gemeinsam: die empfunden Störfaktoren werden ganz bewußt ferngehalten (bzw. man meidet diese Störfaktoren, so gut es geht).

            Ganz normal, wie ich finde. So sind eben die jeweiligen Hausregeln bei den einzelnen Bloggern. Diese können zwar auch Schmerzgrenzen verletzen, aber man kann es ja nicht allen recht machen. Ich wüßte jetzt nicht, wo darunter die Glaubwürdigkeit leidet? Ich nenne es konsequent 🙂

  2. Hallo,
    was ist denn hier los ? Große Endzeitstimmung? Natürlich wird im Internet viel Mist verbreitet – aber das war doch vom ersten Tag an so. Wieso ist denn das plötzlich der große Aufreger?
    +Marcus: Es ärgert mich auch, wenn Blogger sich im Ton vergreifen, wie bei Horst leider geschehen.
    Aber haben Blogger deshalb ein Glaubwürdigkeitsproblem? Ach nee, so wichtig sind Einzelne dann auch wieder nicht. Ist mir auch schon passiert, dass mich ein Blogger blöd angerotzt hat. Ich ignoriere den Typ seit dem. gibt ja genug andere 🙂
    Ein schönes Wochenende
    Ann-Bettina

    • Hallo Ann-Bettina!

      Nein, keine Endzeitstimmung – zumindest nicht bei mir.

      Wie schon in der Antwort auf Broken Spirits geschrieben, geht es mir hier weniger um mich als um das Prinzipielle bei Horst. Auch wenn er in besagtem Artikel meine sachlichen Argumente gleich zweimal in den Wind bläst und mir lieber durch die Blume sagt, das meine Meinung ihn nicht wirklich interessiert.

      In seiner Signatur schreibt er ja

      Das Internet bietet mir die Möglichkeit, die ganze Welt (jedenfalls die deutschsprachige) mit meiner Meinung zu beglücken. Die Chance kann ich mir nicht entgehen lassen.

      .

      Das Recht will ihm ja auch keiner absprechen – auch ich nicht. Nur dann muss er akzeptieren, das andere genau nach dem selben Muster handeln. Das die Meinung der anderen nicht immer ins eigene Weltbild passt, ist das natürlichste der Welt. Nur hilft dann Ignoranz? Denn nichts anderes ist es doch, wenn ich irgendwen aus irgendwelchen Listen lösche.

      Ich jedenfalls lösche Horst nicht aus meinen Kreisen bei g+, nur weil meine Meinung von der seinen nicht selten stark abweicht.

      Auf jeden Fall zeigt sich hier, das weder Horst noch diejenigen die er kritisiert, mit dem Internet so umgehen können, wie es eigentlich sein müsste oder könnte. Was aber ja auch logisch ist, so relativ jung wie das Medium noch ist.

  3. Hallo Marcus,

    meiner Meinung nach sollte sich ein Blogger, der hauptsächlich über politische und gesellschaftliche Themen schreibt und seine persönliche Meinung dazu kundtut, ein sehr dickes Fell zulegen. Natürlich ist zu erwarten, dass insbesondere zu diesen Themen sehr unterschiedliche Meinungen herrschen. Dann kann es eben passieren, dass einem Leser die Hutschnur reißt und den entsprechenden Artikel auseinander nimmt.

    Es gibt natürlich auch Leser, die nur kommentieren, wenn sie negative Kritiken loswerden möchten. Einem Blogger tut es aber auch mal gut, wenn jemand einen zustimmenden Kommentar abgibt. Ich habe oftmals beim Lesen auf anderen Blogs den Eindruck, dass es da Leute gibt, die ständig auf Krawall gebürstet sind. Angefangen bei denjenigen, die schon bei klitzekleinen Rechtschreibfehlern ein Fass aufmachen.

    Ich persönlich teile sehr häufig nicht Horsts Meinung, habe aber für mich beschlossen, mich aus politischen Diskussionen im Internet heraus zu halten. Das verlege ich lieber auf real Life.

    Ich meine auch, dass man Erfahrungen nicht nur am Alter festmachen kann. Da spielen Erlebnisse aus dem beruflichen Leben und Wohnumfeld, dadurch resultierend der Umgang mit Menschen unterschiedlichster Couleur eine massive Rolle. Wenn man dann noch die Möglichkeit hat, Einblick darüber zu gewinnen, wie Politiker ihre eigenen Gesetze und Beschlüsse verdrehen, um sich gegebenenfalls einen eigenen Vorteil zu verschaffen, dann dreht sich einem oftmals der Magen um.

    Das soll es aber auch schon von meiner Seite zu diesem Thema gewesen sein. Nicht umsonst habe ich zwei Blogs, die sich mit derartigen kontroversen Themen nicht beschäftigen. Also nicht, dass ich nicht kritikfähig sei, aber alles hat seine Grenzen und ich möchte mich zu den alltäglichen Diskussionen außerhalb des Internets nicht auch noch an meinem Feierabend damit auseinandersetzen müssen.

    Gruß Sylvi

    • Hallo Sylvi!

      Ein sehr klarer Standpunkt, dem ich mich in allen Punkten nur absolut anschließen kann. Ich bin hier zwar auch durchaus politisch, aber nicht in dem Umfang wie Horst.

      Wer sich kein dickes Fell wachsen lässt, wird mit dem Internet nicht glücklich werden können – sofern das überhaupt möglich ist. Und man muss schon die Fähigkeit haben, die Meinung anderer auch stehen und gelten zu lassen. Sich nur die Rosinen rauszupicken ist oftmals kontraproduktiv.

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