So schizophren können Politiker sein

Angst vor Reaktivierung einer einspurigen Bahnstrecke


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Das Land Niedersachsen ist gerade dabei zu überprüfen welche der vielen schon vor Jahren still gelegten Bahnstrecken reaktiviert werden. Im Landkreis Lüneburg gab es zwei Strecken, die man dafür unter die Lupe genommen hat. Zum einen die Bahnstrecke von Lüneburg nach Soltau, zum anderen die von Lüneburg nach Bleckede.

In die Runde der letzten 8 hat es die Strecke in die Heide-Stadt Soltau geschafft. Und von den letzten 8 dürfen sich 4 die Hoffnung machen, wieder zu neuem Leben erweckt zu werden.

Während sich manch einer die Reaktivierung der Strecke für den Personennahverkehr vor allem im Hinblick auf die vielen Studenten der Lüneburger Universität lieber heute als morgen wünscht, mag der Oberbürgermeister-Kandidat der Lüneburger CDU, Eckhard Pols, sich diesem Wunsch nicht so wirklich anschließen.

Denn die Idee, mit einer Stadtbahn die Studenten vom Bahnhof zur Uni zu fahren, und damit die eigentlich stets überfüllten Busse der Linien von der bzw. aus Richtung Uni zum Bahnhof - und umgekehrt - zu entlasten, existiert schon länger.

Herr Pols hat wie ein Kollege aus Winsen/Luhe die Befürchtung, das die Wiederinbetriebnahme der jeweiligen Strecke(n) eine Steigerung des Güterverkehrs durch die Hintertür bedeutet. In Winsen/Luhe war u. a. die Strecke über Hützel nach Soltau auf der Prüfliste gestanden. Sie wurde allerdings gestrichen.

Denn stillgelegt wurde die Strecke nach Soltau einzig hinsichtlich des Personentransports. Güterverkehr findet nach wie vor noch statt. Allerdings zählt man pro Tag wohl höchstens 2 Züge, und die haben dann nicht mal eine richtige Güterzuglänge, sondern bestehen aus vielleicht maximal 10 Waggons.

Das der OB-Kandidat sich aber gegen eine Reaktivierung der Bahnstrecke stellt, könnte man schon als schizophren bezeichnen. Denn keine 100 m entfernt von der durch Lüneburg führenden Hauptstrecke der Deutschen Bahn, Hamburg - Hannover, baut die Stadt gerade ein neues Wohngebiet hin. Maximal 100 Meter von den Hauptverkehrsadern der DB entstehen also Wohnungen für Menschen, die dann dem ständigen, weil 24 Stunden rund um die Uhr andauernden Lärm ausgesetzt sind.

Bei der Verabschiedung des Neubaugebietes durch den Lüneburger Stadtrat konnte man seitens Herrn Pols keine Kritik hören, das man dort Menschen dem ständigen Lärm schnell fahrender ICE und Güterzüge aussetzen will.

Warum also bei einer einspurigen Bahnstrecke die Angst vor einer - und dann anscheinend noch massiven - Steigerung des Güterverkehrs?

Mal ganz abgesehen davon, das ein (Güter)Zug auf der Strecke Hamburg - Hannover in 100 m Entfernung einen Lärmpegel erreichen dürfte, der wohl nicht einmal von 3 Zügen auf der Strecke nach Soltau in 50 m Abstand erreicht wird. Schließlich ist die Strecke zum einen bergig und hat daher teilweise ein massives Gefälle. Zum zweiten ist sie nicht elektrifiziert. Sie kann also nur von Dieselloks befahren werden.

Und zum dritten dürfte es viel zu umständlich sein, Güterwaggons über diese Nebenstrecke rollen zu lassen. Eine Zeitersparnis, um Waggons von einem Punkt an der Hauptstrecke A zu einem an Hauptstrecke B zu bringen, sehe ich hier zumindest nicht.

Ich vermute eher, das die Aussichten auf steigende Steuereinnahmen es verbieten, sich Sorgen um von richtig viel Lärm geplagte Anwohner der Hauptstrecke der Deutschen Bahn zu machen. Hier zerrt (und zwingt) man meiner Ansicht nach mit einem Schlag mehr Menschen an eine vorhandene und sehr aktive Lärmquelle, als von der Reaktivierung der OHE-Strecke nach Soltau im ganzen Stadtgebiet betroffen sein dürften.

Zumal die Nutzungsfrequenz der Strecke Hamburg - Hannover zukünftig weiter steigen dürfte. Denn man wird seitens der Bahn nicht umsonst die Strecke dreispurig ausgebaut haben.

Ob man es mit solchen Argumenten schafft die OB-Wahl gegen einen fest im Sattel sitzenden Oberbürgermeister zu gewinnen?

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