Das Hoeneß-Urteil und die Häme

Viele übersehen die kleinen Details


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Vier Tage hat die erste Etappe um die von Uli Hoeneß hinterzogenen Steuern gedauert. Am Ende dieses ersten Abschnitts steht mit 3 Jahren und 6 Monaten ein Urteil, das höher ausfällt, als von der Verteidigung erhofft und geringer als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Klar, das sich das Maß an Häme, die Uli Hoeneß ob seines Amtes als Präsident des erfolgreichsten deutschen Fussbalklubs schon gewohnt ist, damit noch einmal um ein vielfaches gesteigert hat.

Ich für meinen Teil muss sagen, das ich die ganze Berichterstattung bis zum letzten Montag für überzogen gehalten habe. Erst mit den realen Zahlen, die dann stündlich bekannt geworden sind und die sich fast jedesmal um ein mehrfaches der angeklagten 3,5 Mio. Euro erhöhten, gelangte ich auch zu der Meinung, das hier eine Gefängnisstrafe durchaus angebracht sei.

Doch das ist es nicht, was mich im Moment an dem ganzen Verfahren stört. Mich stören im Moment die ganzen Nebengeräusche.

Am meisten jene, die die Hintergründe - also die Details, die dazu führten, das der Noch-Präsident des FC Bayern die Summe an Steuern überhaupt hinterziehen konnte, geflissentlich unter den Tisch fallen lassen.

Denn das man an der Börse zockt ist ja nichts ungewöhnliches. Aber das man es dermaßen tut, wie es Uli H. getan hat ist es dann doch schon. Mehr als ein Dutzend Transaktionen soll er im Zeitraum 2001 bis 2010 pro Tag getätigt haben.

Wer etwas im Übermaß tut, wird im Allgemeinen als krank bzw. sein Handeln als Krankhaft bezeichnet.

Hoeneß war oder ist so gesehen also wohl als Krank, bzw. als süchtig zu betiteln - was er meines Wissens nach ja auch schon selbst zugegeben hat.

Doch diese Details werden bei den Reaktionen auf das Urteil, bzw. auf die ganze Geschichte mehr oder weniger gewollt unter den Tisch fallen gelassen.

Die Frage ist: Warum?

Ist die Antwort auf diese Frage, das Hoeneß als erfolgreicher Macher des FC Bayern München als so etwas wie das Feindbild Nummer 1 der Deutschen anzusehen ist? Ist die Antwort auf die Frage, das man jemandem seine Spielsucht nicht ansehen kann wie es vielleicht bei einem Alkoholkranken der Fall ist?

Ein Beispiel dafür, das man die kleinen aber feinen Details - gewollt oder ungewollt - übersieht, habe ich bei googlePlus gefunden.

Dort lässt man sich darüber aus, das in einer Bilderstrecke von RP Online angeblich davon die Rede wäre, das das Urteil unvorstellbar sei. Und man selbst hätte mit Ulli Hoeneß kein Mitleid. Schließlich würde es auch keine Sau interessieren, käme man als Otto-Normal-Bürger ins Kittchen.

Das Problem bei der ganzen Sache ist leider nur, das in der Bilderstrecke weder von Mitleid die Rede ist, noch davon das dass Urteil unvorstellbar sei.

Bei RP Online heißt es

Das einst Unvorstellbare wird Wirklichkeit

Und es wird sicher niemand widersprechen, wenn ich sage, das sich vor zwei Jahren sicher niemand, kein einziger hätte vorstellen können, das ein Uli Hoeneß aller Wahrscheinlichkeit nach dereinst einmal gesiebte Luft wird atmen müssen.

Gut, einige werden sich das auch vorher schon gewünscht haben, das der ehemalige Manager mal ein Gefängnis von innen kennen lernt. Aber sicher nicht aus dem Grund, weil er rechtswidrig gehandelt hat.

Womit wir beim zweiten Aspekt wären, der mich Momentan etwas irritiert: Der Tatsache, das alle jetzt so tun, als würde Uli Hoeneß morgen in Stadlheim einziehen. Doch das wird, weil die Verteidigung schon jetzt Revision angekündigt hat, mindestens noch eineinhalb Jahre dauern.

Denn bis der Bundesgerichtshof über die Revision entschieden hat dürfte, wie man heute z. B. bei skysportnewsHD hören konnte, wegen der fehlenden Dringlichkeit ein Halbes, vielleicht sogar ein ganzes Jahr vergehen. Und lässt der BGH die Revision zu, wovon ob der Bedeutung für die Zukunft auszugehen ist, muss sich eine andere Kammer des Münchener Landgerichts erneut mit der Causa Hoeneß befassen.

Denn kassiert der BGH die Revison dürften noch aktive Steuerhinterzieher es sich dreimal überlegen, ob sie eine Selbstanzeige stellen. Dann wäre der Staat allein auf sich, bzw. seine Steuerfahnder gestellt. Und bis die sich durch die jeweiligen Unterlagen - so sie denn überhaupt an diese herankommen, durchgearbeitet haben, dürften jeweils Monate wenn nicht sogar Jahre vergehen.

Und sollte ich das heute nachmittag bei sky richtig verstanden haben, bringt dem Staat eine Selbstanzeige sogar noch mehr Steuerrückzahlungen ein, als wenn man den Steuersünder staatlicher seits entlarvt.

Marcus
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