Leserbriefe kürzen damit man Werbekunden nicht verliert?

Zeitung verfälscht mit Kürzen Sinn eines Leserbriefes


Der Artikel besteht aus 1030 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 04:07 Minuten

Ich bin ja ein fleißiger Leserbriefe-Schreiber in der Lüneburger Landeszeitung. Man kann fast schon sagen, das in der Regel so alle 14 Tage ein Leserbrief von mir in der Zeitung steht. Oft sind es Antworten auf andere Leserbriefe, weil ich eine andere Sichtweise als deren Autoren vertrete.

So ähnlich verhielt es sich auch mit einem Leserbrief vom Freitag, der anscheinend die in Lüneburg seit langer Zeit zum Streitthema gewordene Solar-Bahn zum Thema hatte. Ein hiesiger Pferdekutschen-Besitzer, der damit Touristen durch die Stadt fährt, möchte aus Alters- und Gesundheitsgründen auf eine körperlich weniger anstrengende Solar-Bahn umsteigen.

Zum Streitthema bei den Bürgern ist sie geworden, weil viele Einwohner der Stadt der Meinung sind, das eine solche 'Bimmelbahn' nicht in die historische Altstadt passt. Bei der Stadtverwaltung macht man sich Sorgen, das diese Bahn die engen Innenstadt-Straßen zu sehr blockieren könnte und somit im Ernstfall die Feuerwehr zu spät bei einem Brand eintreffen könnte.

Sensibilisiert worden ist man durch einen eben solchen Brand, der im Dezember 2013 das Lösecke-Haus, ein 400 Jahre altes Haus an der überregional bekannten Kneipenmeile 'Stintmarkt', in Schutt und Asche legte. Dabei wurden auch angrenzende Häuser in Mitleidenschaft gezogen.

Wer den Brief las konnte den Eindruck bekommen, das er darin diese Bahn mit den Anlieferungs-Lkw verglich, die die Verkehrsberuhigte Innenstadt befahren dürfen.

Dieser Leserbrief, so wie ich ihn verstanden hatte, fand nicht so wirklich meine Zustimmung. Also setzte ich mich am Freitag morgen hin, schrieb darauf einen Antwortbrief der dann am gestrigen Samstag veröffentlicht wurde.

Gestern Abend dann rief mich der Autor des Briefes an, und teilte mir mit, das ich - und wohl nicht nur ich - seinen Brief etwas missverstanden hätte. Es ginge ihm gar nicht um diese Solar-Bahn, die sei ihm völlig wurscht.

Das aber eben dieser Eindruck, den ich hatte, erweckt wurde, konnte er sogar nachvollziehen. Denn wie er mir erklärte, hatte die Redaktion der Landeszeitung seinen Leserbrief gekürzt. Dieses Mal aber anscheinend weniger aus Platzgründen. Er hatte den Eindruck, das man es sich nicht mit einem großen Werbekunden verscherzen wolle, würde man den Leserbrief im Original veröffentlichen.

Ich kenne es auch, das man meine Leserbriefe verkürzt abdruckt. Aber das man sie dergestalt veröffentlicht, das sie einen völlig anderen Zusammenhang darstellen als von mir erwünscht, so hatte ich es bislang nicht kennen lernen müssen.

Mein Gesprächspartner erzählte mir, das er ebenfalls Journalist (gewesen) sei. Jedoch nicht hier in Lüneburg. Er hätte die Erfahrung machen müssen, das die Lüneburger Landeszeitung erst dann ein Thema aufgreifen würde, das in den Printmedien um Lüneburg herum schon längst Gesprächsthema sei, wenn es auch unter den Lüneburgern anfange hochzukochen.

Ihm ginge es in seinem Brief vielmehr um die Frage, weshalb ein 40 t in der Lüneburger Fußgängerzone, konkret auf dem Platz 'Am Sande' und in der 'Bäckerstraße', schon um 18 h herumrangieren und sich durch die Menschenmenge drängeln dürfe, während man es einer kleinen 'Bimmelbahn' verwehren würde.

Ganz abgesehen davon, das - meines Wissens nach - das Befahren dieser Straßen dem Lieferverkehr erst ab 19 h gestattet ist.

Grund für das Schreiben seines Briefes sei gewesen, das jetzt die Allgemeinheit die Sanierung der Bäckerstraße bezahlen dürfe, die von den Liefer-Lkw - und besonders von dem über 20t einer Drogeriemarkt-Kette aus Burgwedel bei Hannover - kaputt gefahren worden sei.

Wir kamen zu der Auffassung, das die Kürzung seines Leserbriefes wohl darauf zurückzuführen sei, das man es sich seitens der Landeszeitung nicht mit einem großen Werbekunden verscherzen wolle, wenn man diesen sozusagen an den Pranger stellen würde. Dabei erweckt die Redaktion nicht nur in diesem Zusammenhang den Eindruck, sich nicht mit bestimmten Unternehmen in der Stadt anlegen zu wollen. Man könnte auch sagen, das man bei dieser Redaktion schon sehr stark den Eindruck bekommen kann, das man mit bestimmten Firmen sehr eng kuschelt. Wollte man es direkt sagen, wäre wohl der Begriff Kungelei zu verwenden.

Denn ich habe schon öfter feststellen müssen, das, wenn z. B. ein Schwerlastkran eines Lüneburger Unternehmens etwas 'Tolles' geleistet hat, diese Firma mit ihrem Namen erwähnt wird. Dabei gibt es hier zumindest noch eine andere Firma, die ebenfalls Schwerlastkräne besitzt.

Über die Einsätze dieser Firma wird, wenn überhaupt, nur anonym berichtet. Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen, schon einmal den Namen dieser Firma in einem Bericht über einen entsprechenden Einsatz gelesen zu haben.

Genauso verhält es sich - so ist unser Eindruck - mit der Stadtverwaltung. Sobald man den Oberbürgermeister in einem positiven Licht darstellen und ablichten kann, ist die Landeszeitung zur Stelle. Kritik am Lüneburger OB scheint verboten zu sein. Jedenfalls liegt die letzte Bürgermeisterschelte schon mindestens Jahre zurück.

Leider hat die Landeszeitung jeden Versuch von Investoren zunichte gemacht, die versucht haben, mit einer anderen Zeitung einen Wettbewerb in Lüneburg aufzubauen. Die LZ ist hier der Platzhirsch. Mit dem 'Der Kreisbote' hat es lediglich eine einzige Fremdzeitung geschafft, sich hier zu behaupten. Der Grund dafür dürfte sein, das sich dessen Redaktion nicht in das Jagdgebiet der Lüneburger Landeszeitung, der Stadt Lüneburg, einmischt. Sie kümmert sich, wie der Zeitungstitel es schon sagt, um den Landkreis Lüneburg.

Ich finde es ehrlich gesagt ein schwaches Bild, einen Leserbrief so zu kürzen, das dessen Sinn völlig entstellt wird. Und das anscheinend nur, weil man nicht die Eier in der Hose zu haben scheint, auch mal den Sturm eines Werbekunden auszuhalten weil man dessen Namen in einem Negativen Zusammenhang erwähnt.

Ich bin mal gespannt, ob mein nächster Leserbrief - der schon per Mail verschickt wurde - veröffentlicht wird. Denn darin kritisiere ich zum einen die Lüneburger Sparkasse wegen ihrer Filialschließungen, und gehe auch den Lüneburger Oberbürgermeister sowie den noch amtierenden Landrat an.

PS: Einen Post, den ich eben nach Veröffentlichung dieses Artikels auf der FB-Seite der Zeitung geschrieben habe, ist wieder verschwunden. Kann sich jeder seinen Teil dazu denken!

Marcus
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