Landwirt mit einem Oberstudienrat vergleichen?

Auf dem Land zu leben heißt nicht Ahnung von Landwirtschaft zu haben


Der Artikel besteht aus 531 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 02:07 Minuten

Wenn ich noch einmal einen Bericht über Milchbauern lese, die mit dem Milchpreis hinten und vorne nicht hinkommen, dreh ich mich im Bett nochmal um und denke nicht mehr: Die armen Bauern! Ich weiß ja jetzt, das es ein Jammern auf recht gut gepolstertem Niveau ist.

So endet ein Leserbrief zu einem Artikel über Subeventionskürzungen bei Landwirten in der hiesigen Tageszeitung!

Vor gut zwei Wochen berichtete die Lüneburger Landeszeitung über einen Landwirt, der aufgrund der Kürzungen von Subventionen in Höhe von 20% durchaus um seine Existenz fürchtet. Da in dem Artikel der Betrag genannt wurde, 9500 €, rechnete der Leser den Betrag auf 100% hoch! Den errechneten Betrag setzte er mit dem Nettoeinkommen eines Oberstudienrates gleich!

Nicht nur, das hier - mal wieder - Äpfel mit Birnen verglichen werden! Meiner Meinung nach hat er dabei leider ein paar wichtige Dinge (willentlich?) übersehen:

Ich zumindest kenne keinen Oberstudienrat, der an 7 Tagen in der Woche um die 14 bis 16 Stunden - die vor allem bei Milchbauern immer noch die Regel sind - arbeitet. Mir ist auch kein Beamter bekannt, dessen Einkommen davon abhängig ist, ob das Frühjahr und vor allem der Sommer zu warm und trocken oder zu kalt und nass sind.

Kennt jemand von Euch einen Studierten, der sein Handwerkszeug teuer bezahlen muss? Trecker, Anhänger, Kartoffelroder und eventuell ein Mähdrescher sind nicht zum Nulltarif zu haben. Zudem wollen sie ja auch noch gefahren werden! Und das ist in der heutigen Zeit, wo ein Landwirtschaftlicher Hof eine bestimmte Mindestgröße benötigt um rentabel Arbeiten zu können, ohne Mitarbeiter nicht zu machen!

Wer kennt einen Oberstudienrat, der sich von seinen Kunden - den Schülern und Studenten - den Preis für seine Arbeit diktieren lassen muss? Mir ist ein solch armer Tropf nicht bekannt!

Als Hohn muss die Aussage

Dieser arbeite dafür ein Jahr. Der Landwirt stellt Anträge (ca. 3 Std.?). Zudem betreibt er seinen Hof und erwirtschaftet zusätzlich gewiss einige Euro

angesehen werden!

Einen Antrag zu stellen, heißt - gerade bei Landwirten - nicht automatisch, das sie das beantragte Geld auch erhalten. Das ist von vielen Faktoren abhängig. Unter anderem natürlich auch davon, welchen Ertrag ihre - über das ganze Jahr andauernde - Arbeit letztendlich einbringt!

Der Leser erweckt den Eindruck, als wäre er der Ansicht, das in den letzten Jahren dermaßen viele Höfe gestorben sind, weil die Besitzer zu Millionären geworden sind und folglich keine Lust mehr hatten, sich den Tag mit Arbeit zu versauen!

Leider ist das Gegenteil der Fall: Der Nachwuchs auf den Höfen wendet sich anderen Berufen zu, weil der Knochenjob im Stall und auf den Acker nur noch sehr bedingt eine Familie ernähern kann. Schließlich möchte auch ein Bauer von seiner Rente leben können. Aber viele arbeiten bis kurz vor ihrem Tod, weil der Hof das Ansparen eines überlebensfähigen Altersruhegelde nicht mehr abwirft.

Auch hier muss sich ein Oberstudienrat keine Sorgen machen. Sein garantiertes - und stetig steigendes - Einkommen ermöglicht es, Geld für die Zeit nach dem Arbeitsleben anzusparen!

Traurig, das die Arbeit eines Landwirtes von immer weniger Menschen wirklich geschätzt wird!

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2 Kommentare

  1. Hi,

    Milch und Fleisch werden durch Subventionen künstlich billig gehalten und die Bauern kommen damit hinten und vorne nicht zurecht und müssen durch zweite Standbeine (Biogasanlage/Raps zu Kraftstoff) sich über Wasser halten.

    Des Weiteren bekommen Sie Druck von der Politik, das Lebensmittel weiter billig bleiben sollen.

    Der Schuldige an dieser Misere ist der Verbraucher selbst.

    Warum muss ein Erwachsener Mensch, in der Woche literweise Milch in sich reinkippen, die bei Lidl deshalb nur 50 Cent L kosten darf?

    Warum muss ein Mensch Anspruch auf billige Fleischprodukte haben, 19 Cent auf 100 Gramm?

    Die Subventionen sorgen nur dafür, das hochwertige Produkte weit unter dem Preis verkauft werden.

    Weg mit den Subventionen und die Bauern sollen das Verlangen was ihre Arbeit Wert ist. Kostet dann der Liter Milch 3,00 Euro und 100 Gramm Fleisch 4,00 Euro dann ist es so wie früher, als es einmal in der Woche Fleisch gab.

    Des Weiteren würde der exzessive Kaffeegenuß aufhören und die Menschen würden auch nicht immer fetter werden weil sie sich nicht den ganzen Tag mit Butter und Sahneprodukten vollstopfen.

    Aber wie heißt es so schön: „Satt geht nicht auf die Straße“. So lange die 14 Millionen prekär beschäftigten und Hartz 4 Empfänger täglich sich dick Butter mit Bärchenwurst und dazu Kaffee, Milch und Kellogs leisten können, ist die Welt in Ordnung und AM + Sigi Pop werden so weiter machen.

    • Der Schnösel mit seinem Leserbrief hat jetzt ordentlich kontra bekommen. Eine Leserin – auch vom Land – hat ihm richtig schön einen mitgegeben!

      Aber auch der Landwirt hat sich noch gemeldet, und mal so aufgezählt, was er alles erledigen muss, um die Subventionen überhaupt zu erhalten. Die müssen ja alles haarklein schriftlich belegen. Und wenn es da Lücken gibt wird das Geld zusammengestrichen!

      Und er hat noch mal explizit darauf hingewiesen, das man im Artikel auch lesen könne, das er gerne ohne Subventionen auskäme – nur dann bräuchte es vernünftige Verkaufspreise!

      Wie heißt so ein schöner Spruch?

      Keine Ahnung? Dann einfach Fresse halten

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