Aus der Dusche springen, wenn es an der Tür klingelt?

Ständige Erreichbarkeit durch die sozialen Medien


Der Artikel besteht aus 771 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 03:05 Minuten

Stellt Euch mal vor, ihr sitzt gerade in der Wanne, steht unter der Dusche oder kuschelt im Bett gerade mit Eurer / Eurem Partner/in. Würde ihr in diesen Fällen aufstehen und umgehend zur Tür rennen, wenn es geklingelt hat?

Sicher nicht!

Anders sieht es da im virtuellen Leben aus. Viele von uns haben ihr Smartphone, ihr Tablet oder ihren Desktop-PC (fast) rund um die Uhr online. Dank Facebook, twitter oder WhatsApp sind sie ständig für alle und jeden erreichbar und erwarten das im Gegenzug auch von anderen. Und wenn die Geräte das Signal geben, das man gerade wieder eine Nachricht erhalten hat, wird umgehend nachgeschaut und reagiert. Dabei ist es egal, ob sie gerade gemütlich gebadet, geduscht oder gekuschelt haben.

Doch muss diese ständige Erreichbar wirklich sein?

Ich denke nicht. Im Gegenteil!

Stressfaktor zwanghafter Ich-muss-reagieren-Reflex

Auch wenn ich die Benachrichtigungsfunktion selbst eingeschaltet habe, stört es mich zum Teil sehr, wenn das Smartphone wieder piept. Und sei es nur, weil irgendwer auf G+ zu einem Thema, zu dem ich mal was geschrieben habe, etwas geantwortet hat. Aber der Drang, gleich zum Gerät zu greifen um zu gucken, was da gekommen ist, stört mich noch wesentlich mehr. Denn leider unterscheidet sich der Benachrichtigungston (bei mir) nicht von der einer SMS - die ja in der Regel wesentlich dringender ist als ein Artikel auf einem sozialen Netzwerk. Und eine Sammelfunktion für diese Benachichtigungen gibt es ja glaube ich auch nicht. So das man z. B. nur alle 2 oder 3 Stunden über neue Nachrichten bei twitter, FB oder g+ informiert wird.

Dieses ständige gepiepe kann schon Stress auslösen. Erst recht aber der vermeintlich zwanghafte Reflex, gleich nachschauen zu müssen, was los ist. Doch hin und wieder schaffe ich es, diesem Reflex zu widerstehen. Nicht immer, aber ab und zu schon.

Und wie im realen Leben bin ich auch im virtuellen nicht immer erreichbar. Schließlich würde ich - um das Beispiel am Beginn des Artikels aufzugreifen - nie auf die Idee kommen, aus der Wanne oder der Dusche zu hopsen, nur weil wer an der Tür geklingelt hat.

Es kommt zwar vor, das mein Smartphone über Nacht eingeschaltet ist. Das aber nur dann, wenn ich vergessen habe, es auszuschalten. Da ich mich nicht für so wichtig erachte - und das wohl auch nicht bin (wie ich aus der Zahl der mich betreffenden Nachrichten herauslese) - würde ich nie auf die Idee kommen, mich freiwillig aus dem Schlaf reißen zu lassen.

Auch mein Tablet ist nicht ständig eingeschaltet. Bislang höchstens 1 bis 2 Stunden am Tag.

Persönlich nicht ständig erreichbar

Selbst dann, wenn ich jemandem eine Mail oder anderweitige Nachricht gesendet und noch keine Antwort erhalten habe, schalte ich meine mobilen Geräte aus. Auch wenn ich durchaus jemand bin, der auf eine schnelle Reaktion des Gegenübers hofft.

Aber da ich zu der Generation gehöre, die zwar mit den Anfängen des Internets, aber ohne Facebook, twitter und dem ganzen Kram aufgewachsen ist, habe ich durchaus auch noch Verständnis dafür, das der andere gerade keine Zeit hat, mit was wichtigerem beschäftigt ist oder seine Geräte eben nicht eingeschaltet hat.

Für die heutige Generation bis maximal zum Alter von 30 Jahren liegt der Fall anders. Sie sind zumindest mit den Anfängen der 'sozialen' Medien groß geworden. Sie dürften die Frage 'Ich oder Dein Handy', wie neulich die Überschrift eines Artikels hieß, den ich gesehen habe, daher tendenziös wohl auch eher mit 'mein Handy' beantworten. Die Generation 30+ würde - glaube ich - dem Partner den Vorzug geben. Denn die meisten dieser Menschen haben es meiner Ansicht nach noch gelernt, sich nicht mit nur 140 Zeichen oder zwei, drei oder vier Sätzen mit einem anderen Menschen zu unterhalten.

Für sie ist der ständige, wohl eben auch zwanghafte, Blick auf das Smartphone oder Tablet eher eine negative Begleiterscheinung der sozialen Medien - die ich aus den erwähnten Gründen für gar nicht mal so sozial halte. Denn der Mensch ist dafür gar nicht gemacht, ständig jedem und allem zur Verfügung stehen zu müssen. Jedes Individuum braucht seine Rückzugsphasen. Diese werden aber durch die neuen Formen der Kommunikation immer seltener oder es gibt sie fast gar nicht mehr.

Denn selbst in Wartezimmern von Ärzten halten die jüngeren Leute heute ihr Handy ungeniert in der Hand und tippen ihre Hochwichtigen Nachrichten. Oder - noch schlimmer - belästigen die anderen Patienten mit ihren Telefonaten!

Das kann auf Dauer nicht gesund sein!

Marcus
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5 Kommentare

  1. Hin und wieder fragen mich Kunden. Haben Sie Skype oder einen anderen Messenger?
    Das verneine ich natürlich. Ich möchte selber entscheiden können zu welchem Zeitpunkt ich Zeit für eine Beratung.
    Wenn laufend das Skype tuten würde dann käme ich ja zu gar nichts.

    Benachrichtigungen aus Social Media Kanälen auf mein Smartphone bekomme ich auch nicht.

    Ich glaube aber das dies auch eine Generationsfrage ist.
    Ich bin schon über 50 und halt nicht mit diesen Medien aufgewachsen.

    Ich Frage mich immer mal wieder wo ist denn der gute alte handgeschriebene Brief geblieben der drei Tage mit Post unterwegs war 🙂

    Wanne oder der Dusche zu hopsen, nur weil wer an der Tür geklingelt hat.

    Das würde ja vielleicht noch gehen.
    Aber wenn man grad auf dem Klo sitzt mit der Zeitung auf den Knien dann schnell die Hose hochziehen das würde ja gar nicht gehen 🙂

    Grüße
    Lothar
    perfect-seo.de letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Soziale Medien – nur noch Stress und ständige Erreichbarkeit?

    • Hallo Lothar!

      Ja, diese Briefe gibt es wohl wirklich nur noch bei denjenigen, die weit über die 60 sind. Die würden wohl in den seltensten Fällen auf die Idee kommen, ihre gleichaltrigen Freunde mit einer Seitenlangen E-Mail zu ‚beglücken‘

      Und was das mit der Dusche bzw. dem Klo angeht:

      Wenn man auf dem Klo sitzt, ist man ja wenigstens noch angezogen, das das dann in der Hose etwas warm und unangenehm ist, weiß das Gegenüber aber ja nicht. Doch wer aus der Dusche hüpft hat meist nur ein (Bade)Handtuch ‚an‘.

  2. Hi Marcus,
    ja das Ganze kann schon zum Störfaktor werden und bei jedem ist es ziemlich unterschiedlich. Die einen gehen gleich ran und beantworten eine Mail und geben sich keine Zeit, nachzudenken oder es links liegen zu lassen. Die anderen wiederum antworten erst innerhalb eines oder paar Tage/s/n. Ich versuche rasch zu reagieren, wenn ich aber am Rechner bin. Wenn nicht, dann kümmert es mich nicht so sehr, aber ansonsten bin ich sehr oft übers Internet, mein Blog oder mein Forum erreichbar. Meistens bekomme ich alles per eMail zugesandt und kann dann entscheiden wie schnell und worauf ich als Erstes antworte. Hin und wieder muss man sich aber auch lange oder kurze Pausen gönnen. Das gehört meiner Meinung nach zum modernen Web-Alltag dazu.

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