Die AfD – Keine Alternative für Deutschland


Der Artikel besteht aus 1178 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 04:42 Minuten

Die Partei Alternative für Deutschland hat sich vor allem mit ihrer Kritik am Euro einen Namen gemacht.

Wer sich nur mit bestimmten Aussagen in Interviews dieser Organisation beschäftigt, kann sie tatsächlich durchaus für Wählbar betrachten. Und wenn man sich die letzten Umfragen so anschaut, könnte es durchaus passieren, das die Mannen um den Parteigründer und- vorsitzenden Konrad Adam tatsächlich in das neue Parlament einziehen - selbst wenn die Umfragen die Partei nur bei 4 % sehen. Schließlich haben sich die Demoskopen bezüglich der Bayern-Wahl am letzten Wochenende auch verspekuliert - damals bei der SPD, die 2 Prozent mehr Stimmen bekam als erwartet.

Zugegeben: Die Videos von Interviews, die ich mir in den letzten Monaten so angeschaut habe, machten inhaltlich sogar ein wenig Sinn. Aber nur auf Basis dieser Interviews sollte man (s)eine Wahlentscheidung nicht treffen. Und das vierseitige (!) Wahlprogramm der AfD gibt auch nicht gerade viel her, um seine Entscheidung pro dieser Partei zu fällen.

Es sei denn, man fällt sie nur aufgrund von Stichpunkten! Aber dann wären CDU, FDP und SPD immer noch die bessere Alternative für Deutschland!

Nur wer finanziell potent ist, hat das Recht auf eine Zukunft

Ich muss dazu sagen, das trotz der Interviews die AfD für mich nie eine Alternative war und es jetzt auch erst recht nicht mehr ist. Denn was ich heute in meinem g+-Stream für (frühere) Aussagen der Gründer dieser Vereinigung und weiterer handelndender Menschen in dieser Partei gelesen habe, müsste sie eigentlich für jeden klar denkenden Menschen un-wählbar machen.

Als ein Beispiel einer solchen früheren Aussage möchte ich ein Zitat aus einem Leitartikel der 'Die WELT' vom 20. Mai 2006 nehmen. Sie stammt vom Vorsitzenden und Parteigründer Konrad Adam und hat folgenden Wortlaut:

Jeder von ihnen könnte und sollte jeden Arbeitslosen, jeden Rentner und jeden Studenten danach fragen, mit welchem Recht er davon ausgeht, dass er ihm den Lebensunterhalt, die Rente oder das Studium bezahlt

Mal ganz davon abgesehen, das das ein studierter sagt, der dann auch noch zum Dr. phil promoviert hat, stellt das doch glatt das Generationen-Modell, auf dem unsere Sozialversicherung basiert, absolut in Frage. Ich möchte nicht wissen, wer diesem Menschen damals das Studium finanziert hat. Aus eigener Kraft hat er das ganz sicher nicht geschafft.

Somit lautet eine Kern-Aussage also: Nur wer begütert ist oder reiche Eltern, Verwandten oder Gönner hat, hätte nach Ansicht Adams eigentlich das Recht, studieren zu können. Für Menschen aus armen Verhältnissen wäre es demzufolge gar nicht möglich, sich ein besseres Leben aufzubauen. Denn nur wer gebildet ist oder studiert hat, kann ja prinzipiell später wirklich richtig gut verdienen.

Bei finanziellen Problemen eigene Organe verkaufen

Mir zumindest sind keine oder nur sehr wenige Menschen bekannt, die eine AG oder GmbH führen und nicht mindestens den Dr. haben. Von Vorständen oder Aufsichtsräten rede ich gar nicht erst.

Aber diese Aussage ist im Gegensatz zu weiteren noch absolut harmlos.

Ein Zitat eines Volkswirtes mit Schwerpunkt Gesundheitsökonomie ist in meinen Augen an Intoleranz eigentlich nicht mehr zu überbieten. Die Rede ist von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender. Er wird als AfD-Vordenker bezeichnet.

Seine Aussage:

Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben

Diese Aussage soll speziell auf Hartz IV-Bezieher gemünzt sein, wie man zum Beispiel der Online-Ausgabe der taz entnehmen kann.

Um also finanziell über die Runden zu kommen, weil man keine Arbeitsstelle findet, ist dieser Mensch der Meinung, das man dann ja ruhig die eigene Gesundheit und / oder die der eigenen Familie aufs Spiel setzen kann sollte. Das nimmt den Staat aus der Pflicht, sich um seine Bürger zu kümmern.

Ganz abgesehen davon, das dann der (weitere) persönliche Abstieg vorgezeichnet ist. Denn jeder, dem ein Organ entnommen worden ist, ist hinterher (noch) weniger Leistungsfähig als ein Mensch, der noch alle wichtigen Organe besitzt.

Das alleine sollte für kluge Menschen diese Partei in meinen Augen schon als absolut nicht wählbar darstellen. Wem das aber noch nicht genügt, für den haben Bernd Lucke und noch einmal Konrad Adam weitere Zitate übrig:

Die unangenehme Wahrheit besteht deshalb darin, dass eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage nur durch niedrigere Entlohnung der ohnehin schon Geringverdienenden, also durch eine verstärkte Lohnspreizung, möglich sein wird. Eine Abfederung dieser Entwicklung ist durch verlängerte Arbeitszeiten, verminderten Urlaubsanspruch oder höhere Leistungsbereitschaft möglich

Quelle: deppentoeter.wordpress.com

Auf deutsch: diejenigen, die heutige eh schon wenig bis nichts verdienen, sollten zukünfitg noch weniger verdienen, aber dafür noch länger arbeiten. Sowohl auf die tägliche Arbeitszeit wie auch auf die Lebensarbeitszeit bezogen.

Geringverdiener müssten noch weniger verdienen

Das heißt nichts anderes als das die oberen zehntausend im Gegenzug gerne noch das eine oder andere Milliönchen mehr verdienen dürfen.

Konrad Adam würde Alten, Kranken und Arbeitslosen - also allen, die nicht (mehr) aktiv im Arbeitsleben stehen und somit (in seinen Augen) wirtschaftlich eher unproduktiv sind - am liebsten das Wahlrecht entziehen:

Erst später, mit dem Aufkommen der industriellen Revolution und seiner hässlichsten Folge, der Massenarbeitslosigkeit, ist die Fähigkeit, aus eigenem Vermögen für sich und die Seinen zu sorgen, als Voraussetzung für das Wahlrecht entfallen. Ob das ein Fortschritt war, kann man mit Blick auf die Schwierigkeiten, die der deutschen Politik aus ihrer Unfähigkeit erwachsen sind, sich aus der Fixierung auf unproduktive Haushaltstitel wie Rente, Pflege, Schuldendienst und Arbeitslosigkeit zu befreien, mit einigem Recht bezweifeln.

Quelle: welt.de

Eine Partei mit Leuten dieser Gesinnung dürfte wie gesagt für alle vernünftig denkenden Menschen als Alternative für die anderen / regierenden Parteien nicht in Frage kommen.

Allein die Kritik am Euro kann und darf kein Argument dafür sein, diese Leute morgen zu wählen. Zumal die ja auch nur darauf abzielt, das nur jene Länder den Euro-Raum verlassen sollen, die sich - laut Bernd Lucke -

daneben benommen

haben.

Quelle: bueso.de

Alle anderen - also auch Deutschland - sollen den Euro ja behalten.

Euro-Austritt ja, aber nicht für Deutschland

Sprich, genaugenommen ist das die selbe Einstellung wie sie teilweise auch schon in der CDU oder der SPD vorherrscht. Kein wirklicher Grund also, diese Partei zu wählen.

Wasser predigende und Wein saufende Politiker haben wir doch schon genug, oder? Da brauchen wir solche Rückwärtsgewandten, angeblichen Euro-Kritiker nicht auch noch im Parlament sitzen haben. Schließlich ist es erst 80 Jahre her, das wir jemanden hatten der der Meinung war, gewissen Gruppen von Menschen das Existenzrecht absprechen zu können.

Bleibt (für mich) zu hoffen, das die Demoskopen hinsichtlich der AfD nicht so verkehrt liegen, wie bei der SPD am letzten Sonntag. Denn das hieße, das diese Partei mit ihren 4% Gott sei Dank nicht in den Reichstag einziehen wird können.

Marcus
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2 Kommentare

  1. Hallo Marcus,

    erst einmal vielen Dank für das Zusammensuchen der Zitate wirklich sehr aufschlussreich.

    Die AfD ist meines Wissens nach eine Gruppierung der Erzkonservativen der CDU/CSU, welche für die Werte stehen, für welche die CDU bis erste Legislaturperiode Kohl stand.

    Demnach ist klar, dass diese Partei wenig mit sozialen Aspekten am Hut hat. Die Entstehung dieser Partei ist einzig daran geschuldet, dass die Kanzlerin wie es so schön heißt versucht, „Die SPD links zu überholen“. Mal abgesehen vom Mindestlohn und Eurobonds ist für mich auch kein Unterschied zwischen SPD/CDU/CSU zu erkennen, weshalb wir wohl morgen um diese Zeit eine große Koalition bekommen werden.

    Ich bin kein Anhänger der AfD, hätte jedoch kein Problem, unabhängig vom Parteiprogramm, wenn diese Partei in den Bundestag einzieht und die Linke, natürlich auf der Seite verstärkt, um wichtige Themen wieder in der Öffentlichkeit zu diskutieren und nicht wie bisher im Hinterzimmer der Blockpartei (sorry ich hasse dieses Wort auch aber so empfinde ich es im Moment).

    • Hallo Veronika!

      Danke für Deinen Kommentar!

      Ich glaube, das, wenn die Partei in den Bundestag einziehen würde und man dann Europa-, wenn nicht sogar weltweit die Zitate der Parteiköpfe auskramt, wir noch mehr an Ansehen verlieren werden, als das eh schon der Fall ist.

      Die Partei würde den Bundestag vielleicht in den ersten Wochen und auch noch Monaten aufmischen. Aber ich schätze mal, das das Phänomen spätestens nach einem halben Jahr vorbei wäre. Weil dann dürften die Lobbyisten ihre Arbeit aufgenommen haben. Und das das anders enden sollte als bei den anderen Parteien glaube ich kaum. Schließlich sitzen da auch studierte, Volkswirte und Co.

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