Das Pfeifen im Walde des HSV

So wird das nichts mit einem Platz in Europa


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Mit 5 Klubs ist der Norden Deutschlands in dieser Saison in der 1. Fussball-Bundesliga vertreten. 3 Vereine haben den selbst gestellten Anspruch, in der Saison 2014 / 2015 zumindest in der Europa-League zu spielen. Aber nur zwei Teams werden meines Erachtens nach dieses Ziel ernsthaft verfolgen können: der VfL Wolfsburg und Hannover 96.

Ein dritter Klub, der aufgrund seines Umfeldes - einer 2 Millionen-Metropole an der Elbe - und seiner Tradition an sich selbst den Anspruch hat, im Konzert der europäischen Spitzenklubs mitzumischen, dürfte nach jetzigem Stand Meilenweit, wenn nicht sogar Lichtjahre davon entfernt sein, dieses Anspruchsdenken Realität werden zu lassen.

Die Rede ist vom 'anderen' HSV. Nämlich dem aus Hamburg.

Mit 1:5 ging man im ersten Heimspiel der Saison gegen den gefühlten Absteiger aus dem Kraichgau - der TSG 1899 Hoffenheim - sang- und Klanglos unter. Dabei kann man natürlich gegen jeden Klub verlieren. Die Frage ist nur die Art und Weise wie man das tut. Und die Form des wie war gegen den 'Retortenklub' von Mäzen Dietmar Hopp mehr als erschreckend. Kein Kampf, keine Leidenschaft und daraus resultierend kein Aufbäumen gegen den Untergang.

Alles andere als eine Niederlage wäre überraschend

Damit man zumindest den Anschein erweckt, das das nur ein - wenn auch mehr als peinlicher - Ausrutscher war, kommt man seitens des Vereins und der Spieler natürlich mit Durchhalte-Parolen daher. Der Auftritt gegen die Hertha aus Berlin müsse selbstredend ein ganz anderer werden. Da müsse man alle Tugenden, die man gegen den Fast-Absteiger der letzten Saison hat vermissen lassen, zeigen.

Wer aber glaubt, das der Hamburger Sport Verein mit einem Sieg aus der Hauptstadt zurück nach Hause wird fahren können, der traut den Spielern mehr zu als möglich sein dürfte. Oder anders ausgedrückt: Alles andere als eine Niederlage gegen die von Jos Luhukay trainierten Herthaner dürfte eine Überraschung sein.

Mit dem 6:1 gegen die Eintracht aus Frankfurt und dem 2:2 Unentschieden gegen den 1. FC Nürnberg haben die Hauptstädter schon gezeigt, das sie gegen etablierte Klubs nicht nur mithalten können. Das sie jetzt ausgerechnet gegen die Hansestädter von der Elbe Nerven zeigen und Respekt haben sollen, ist schwerlich anzunehmen. Auch wenn ein angeschlagener Gegner natürlich auch durchaus ein gefährlicher sein kann.

Wobei letzteres kaum anzunehmen sein dürfte, bei den Querelen, die es im Laufe der vergangenen Woche im und Außerhalb des Vereins gab. Mal wieder! Denn das passt zu dem Bild, welches der HSV im Laufe der letzten Jahre regelmäßig abgegeben hat.

Und dazu zählen nicht nur die Mallorca-Trips zweier Profis. Dazu zählt auch die Öffentliche Kritik des Unternehmers Klaus Kühne, der eine Totalrasur beim Verein fordert. Dieser sollen nach Willen des Mäzens der Trainer Thorsten Fink, der Sportdirektor Oliver Kreuzer sowie Vorstand und Aufsichtsrat zum Opfer fallen. Ersetzen würde er diese am liebsten mit Felix Magath, der seiner Meinung nach erst Berater dann Präsident werden soll.

HSV gut beraten, sich Bremen als Beispiel zu nehmen

Auch wenn die Kritik von Kühne derbe ist, so hat er mit seinem Rundumschlag zumindest zu großen Teilen Recht. Ausgenommen vielleicht Thorsten Fink, der es immerhin geschafft hat, den Liga-Dino trotz dessen das er am Rande des Absturzes in die Zweitklassigkeit stand, in der Bundesliga zu halten. Was Aufsichtsrat und Vorstand angeht, so ist dem Speditions-Unternehmer uneingeschränkt zuzustimmen. Das zeigen die letzten 2 Jahrzehnte, in denen der HSV maximal nur Mittelmaß in der Liga war.

Kreuzers Retour-Kutsche verfehlt sein Ziel hingegen deutlichst. Einem Mann, der dem HSV in den letzten Jahren mehrere Millionen Euro für Transfers - zuletzt für einen gewissen Raffael van der Vaart - zur Verfügung gestellt hat, mit dem Vorwurf er sei nicht aus dem Fussball-Business, quasi das Recht abzusprechen, den Verein zu kritisieren, geht gar nicht. Zwar mag es stimmen, das Kühne nicht aus dem Business stammt und bis auf sein Mäzenatentum damit recht wenig Verbindung hat, so hat er es aber geschafft, ein profitables Unternehmen mit einem Milliarden-Umsatz auf die Beine zu stellen. Er weiß also wovon er spricht, wenn er über die Führung eines Unternehmens redet. Und nichts anderes ist ein Verein - wenn auch auf einer anderen rechtlichen Basis.

Die Verantwortlichen beim HSV wären gut beraten, würden sie sich langsam aber sicher ein Beispiel an ihrem Hanseatischen Nachbarn Werder Bremen nehmen. Auch dieser Verein hatte in den letzten beiden Saisons ordentlich Schlagseite, rettete sich in der letzten Spielzeit ähnlich wie der HSV im Jahr davor erst kurz vor Saisonende vor dem Zweitliga-Absturz.

Trotzdem behielt man in Bremen im Großen und Ganzen die berühmte Hanseatische Ruhe. Das mögen manche dem Verein als Realitätsfernem Handeln attestiert haben, aber diese Ruhe scheint sich bezahlt zu machen. Viele haben nach den ersten beiden Spielen mit ihrem jeweiligen 1:0 Siegen von purem Glück gesprochen. Aber auch davon, das sich die Elf von Robin Dutt spätestens beim Spiel gegen die Borussia aus Dortmund eine blutige Nase würde holen.

Das dies mit dem 0:1 nicht passiert ist, zeigt meines Erachtens durchaus, das man an der Weser auf einem guten Weg ist. Denn man kann beim Vizemeister und Champions-League-Finalisten mit diesem Resultat verlieren ohne sich schämen zu müssen. Zumal, wenn das Tor - wie ich gelesen habe - wohl mehr oder minder ein Glückstreffer war.

Ich denke nach den ersten Spielen dieser Saison, das Werder Bremen allen Ernstes in der Lage ist, am Ende der Saison vor dem HSV durchs Ziel zu gehen. Für die Elb-Hanseaten dürfte es schwer werden, den 7. Platz der Vorsaison zu wiederholen, geschweige denn sich noch zu verbessern.

Auch wenn ich Fink durchaus mag, so könnte ich mir durchaus vorstellen, das er der erste Trainer der Saison sein dürfte, der in der Bundesliga seinen Posten verliert. Denn ob man will oder nicht: Für Verstärkungen spätestens zur Winterpause ist man Dank klammer Finanzen dann doch auf den Groß-Investor Kühne angewiesen. Und der hat ja klar und deutlich gesagt, das kein weiteres Geld fliest, solange u. a. Fink sportlicher Leiter ist

Marcus
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1 Kommentar

  1. Naja heute läuft es bis jetzt recht gut für den HSV, ich bin mal gespannt wie sich die 51. Saison noch entwickelt. Vielleicht sieht es am Ende oder bereits im Winter recht gut für den HSV aus. Wer weiß das schon. Alles nur bis jetzt Spekulationen…

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