Die Tour de France 2013

Sieger ein Fressen für die öffentlich-rechtlichen Sender


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7 Flachetappen
5 hügelige Etappen
6 Bergetappen mit 4 Bergankünften
2 Einzelzeitfahretappen
1 Mannschaftszeitfahretappe
2 Ruhetage

Zusammen also 21 Etappen und 3.404 Kilometer.

Das ist in einfachen Worten die 100. Auflage der Tour de France 2013, die heute, zum ersten Mal in der Modernen Geschichte der Tour, in den Abendstunden mit Flutlicht respektive unter Beleuchtung auf dem Pariser Champs-Élysées zu Ende gehen wird.

Eurosport wird mit Beginn der Etappe ab 18 h auf Eurosport 2 übertragen, bevor gegen 20 h der internationale Kanal übernimmt.

Zu dieser Statistik gehören aber auch unzählige Sprint- und Bergwertungen, 26 Fahrer die wegen Verletzungen aufgeben mussten und 2 Pedaleure, die wegen Überschreitung der sogenannten Karenzzeit (Zeitüberschreitung) aus der Wertung genommen wurden und nach Hause fahren mussten.

Froome in Leistungsregionen wie Armstrong und Ulrich

Mit Christopher Froome wird die Tour de France aber auch 2013 wieder einen Sieger haben, dessen Leistung vor allem wohl in Deutschland kritisch hinterfragt werden wird. Denn auch wenn das Team sky Procycling mit einer Überprüfung der Werte der einzelnen Fahrer durch einen externen Arzt schon im Vorfeld versucht hat, sämtliche Dopinggerüchte und vor allem -vorwürfe zu entkräften, so ist es schon erstaunlich was der Team-Kapitän vor allem in den hohen Bergpassagen der diesjährigen Tour zu leisten im Stande gewesen ist.

Auf dem Anstieg nach Ax 3 Domaines ist der Brite so schnell und kraftvoll hinauf gefahren, wie nur zwei Pedaleure vor ihm. Der eine heißt Roberto Laiseka, der andere Lance Armstrong. Etwas langsamer ist ein gewisser Jan Ulrich gewesen. Auf der Etappe zum Mount Ventoux soll er mit 418 Watt über der Kraft von Armstrong und Marco Pantani gelegen haben.

Zumindest drei der vier genannten Fahrer haben hinsichtlich des Thema Dopings bekanntlich keine weiße Weste. Doch auch wenn die geschätzten - und somit einer kritischen, wissenschaftlich korrekten Prüfung nicht standhaltenden - Werte Doping nicht automatisch beweisen, so war es doch jedes Mal erstaunlich zu beobachten, wie scheinbar spielerisch einfach Froome auf den Bergetappen seinen Konkurrenten immer wieder enteilen konnte, egal wie steil der Anstieg war. Wenn er zum Spurt ansetzte sah es aus, als wären seine Gegenspieler nur Statisten. Teilweise flog er quasi an den anderen Radprofis vorbei. Es wirkte, als hätte er nicht schon hunderte Kilometer und zig Etappen in den Beinen und als hätte die jeweilige Etappe gerade erst begonnen.

ARD & ZDF mit Berichterstattung nur national erfolgreich

Das alles dürfte Wasser auf die Mühlen vor allem der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF sein, die seit Jahren versuchen, das Thema Radsport in Deutschland tot zu quatschen. Dabei waren sie in der Blütezeit des Dopings gerne und überall mit dabei, was mit der Tour de France zu tun hatte. Ich erinnere mich noch gut, wie groß man bei beiden Sendern im Jahr 2003 die Live-Übertragungen zur hundertjährigen Tour der Leiden aufgezogen hat.

Komischerweise habe zumindest ich bis heute keinen Verantwortlichen der beiden Sendeanstalten gesehen oder gehört, der sich schämt, die Tour damals übertragen zu haben.

Das man mit der Strategie, den Profi-Radsport ins Abseits zu berichten, nur teilweise Erfolg gehabt hat, zeigen die Einschaltquoten von Eurosport. Die Etappe am letzten Donnerstag von Gap nach Alpe-d'Huez, in der es am Schluss galt, zweimal den Anstieg zu einem der Hausberge der Tour zu bezwingen, haben beim internationalen Sender über eine halbe Million Menschen aus Deutschland eingeschaltet.

Der Hauptgrund, das man es bisher nicht geschafft hat - und auch zukünftig nicht schaffen wird, die Tour de France ins Nirwana zu verbannen, ist allerdings darin zu suchen, das der Veranstalter nicht aus Deutschland stammt, und sich auch durch die vielen Doping-Skandale nicht hat beirren lassen.

Das sowohl die ASO als Veranstalter der Tour de France wie auch die UCI als Dachverband mit dem Thema Doping auch nicht korrekt umgegangen sind, sollte dabei allerdings nicht übersehen werden. Beide Organisationen haben sich diesbezüglich nicht mit Ruhm bekleckert und viel zu oft einfach zu spät reagiert - wenn sie denn überhaupt reagiert haben.

In Deutschland war man da seitens der GEZ-Sender um einiges erfolgreicher. Von vielen Landesrundfahrten hat einzig die Bayern-Rundfahrt überlebt. Selbst die Deutschland-Tour wie auch die internationale Friedensfahrt hat man in den deutschen Medien auf dem Gewissen. Denn kein Sponsor kann es sich auf Dauer leisten, das das von ihm unterstützte Event dauernd negativ in den Medien vertreten ist.

Leider ist man bei ARD & ZDF sehr inkonsequent. Denn sonst müsste man die Berichterstattung aus der Leichtathletik auf das Niveau des Radsports eindampfen, bzw. hätte man dies schon seit zwei Jahrzehnten tun müssen. Denn Doping ist in diesem Sportsektor schon länger Thema als es das - meines Wissens nach - im Radsport ist. Als Stichwort sei hier nur Ben Johnson genannt, der schon bei Olympia 1988 des Dopings überführt wurde.

Woran es liegt, das man bei der Leichtathletik mehr als ein Auge zudrückt, weiß ich nicht. Meine Vermutung ist, das es hier mehr Deutsche Sportler gibt, die zur Weltspitze gehören, als die Handvoll, die es beim Radsport gibt.

Doch selbst wenn ARD und ZDF die Tour auch in den kommenden Jahren konsequent ignorieren sollten, was Live-Übertragungen der Etappen angeht, so werde ich mir auch zukünftig dieses Event so selten als möglich entgehen lassen. Denn allein die Landschaft bewundern zu können und Informationen zu den Regionen zu erhalten macht es für mich interessant.

Marcus
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