Das Jobcenter arbeitet mit Schallgeschwindigkeit

Nach 8 Wochen will man zumindest die Grundsicherung zahlen


Der Artikel besteht aus 988 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 03:57 Minuten

Ende Februar 2013, genauer gesagt am 26., meinte mein letzter Chef, er müsse mir aus betriebsbedingten Gründen fristlos kündigen. Somit war es nach gerade einmal 7 Monaten also mal wieder an der Zeit mich beim Jobcenter arbeitslos zu melden.

Bislang hatte ich, was das Jobcenter betrifft, eigentlich keine großartigen Schwierigkeiten oder Probleme mit dem 'Verein'. Meine Anträge wurden allesamt ziemlich umgehend und schnell bearbeitet. Sowohl der Erstantrag als auch die Weiterverlängerungsanträge waren in der Regel innerhalb von 2 Wochen positiv beschieden worden.

Ganz anders dieses Mal!

Den Erstantrag habe ich inklusive aller bislang erforderlich gewesener Unterlagen und Formulare am 7. März gestellt, nach dem ich mich von einer Meniskus-Operation wieder einigermaßen erholt hatte. Darüber, das dann 2 Wochen später ein Umzug des Jobcenters innerhalb Lüneburgs anstand, hatte ich mir nicht wirklich einen Kopf gemacht. Ich war der Meinung das könnte die ganze Sache vielleicht um ein oder 2 Wochen verzögern.

Aber das war ein klarer Fall von denkste.

Drei Wochen nach der Antragsstellung wollte man weitere Unterlagen von mir haben, da ich ein Nebengewerbe angemeldet habe. Die Wochen zogen dann fröhlich weiter ins Land und es rührte sich gar nichts. Ich habe mich dann Mitte April mal per Mail und telefonisch bemerkbar gemacht und gefragt wann ich denn mit dem Bescheid rechnen könne.

Halbwahrheiten der Außendienstler

Die Sachbearbeiterin versprach mir daraufhin, das ich Ende April wohl mit dem Geld und dem Bescheid rechnen könne. Aber statt des Bescheids oder gar des Geldes statteten mir zwei Außendienstlerinnen der ehemaligen ARGE einen Kontrollbesuch ab. Da ich nichts zu verbergen habe ließ ich die beiden Damen ein.

Sie fragten mich wie das denn u. a. mit den Ausgleichszahlungen laufe die von den Konten der Familienmitglieder auf mein Konto wanderten. Ich sagte wahrheitsgemäß, das ich die zurückzahle wenn ich entsprechend Geld hätte. Hätte ich kein Geld über - was bei ALG II ja durchaus mal vorkommen soll wie ich gehört habe, zahle ich das dann auch erst einmal nicht zurück.

Meine Sachbearbeiterin, die sich aufgrund eines Anrufes von mir beim Jobcenter am Montag gestern bei mir meldete, erzählte mir, das die beiden in ihrem Prüfbericht daraus die Aussage / Feststellung machten, das ich die Gelder nicht zurückzahlen müsse. Was sich sowohl meine Schwester mit ihrem mageren ~800 € Gehalt als auch meine Eltern mit ihren rund 1200 € an Rente ja auch problemlos leisten können.

Ich bin ein durchaus geduldiger und ausdauernder Mensch. Aber aufgrund der langen Zeitspanne seit des letzten Geldzuflusses auf mein Konto - die letzte Teilzahlung meines Gehalts ging am 12. Februar auf meinem Konto ein - ging mir langsam der Arsch auf Grundeis. Daher drängte ich in dem Telefonat darauf, endlich eine Überweisung zu erhalten. Ich sagte der Mitarbeiterin, das die Bank mir sicherlich nicht die dritte Erhöhung meines Dispos innerhalb der letzten 2 Monate genehmigen würde, um zu verhindern das die Lastschriften - welche ja weiterhin vom Konto abgebucht werden - nicht postwendend an den Absender zurückgehen.

Sie versprach mir, mit ihrer Vorgesetzten darüber zu sprechen. Denn schließlich, und das betont sie seit Wochen stereotyp immer wieder, würde man ja nach dem Vier-Augen-Prinzip arbeiten.

Ankündigung einer Überweisung der Grundsicherung

Tatsächlich rief Sie mich dann heute Vormittag auch an. Sie kündigte mir in dem Gespräch an, das heute Nacht zumindest die Zahlung der Grundsicherung rückwirkend für die Zeit seit der Antragsstellung angewiesen würde. Im gleichen Atemzug sagte Sie mir aber auch, das man von mir noch die ausgefüllte Anlage KDU samt der Nachweise brauchen würde.

Ehrlich gesagt habe ich die Schnauze im Moment gestrichen voll. Solche Schwierigkeiten habe ich in meiner Arbeitslosen-Karriere - ich bin jetzt das dritte Mal in den letzten 11 Jahren Arbeitslos - noch nicht erlebt. Der Umzug und ein Wechsel an der Spitze der Behörde kurze Zeit später mögen ein guter Grund für Verzögerungen sein. Dafür habe ich auch durchaus Verständnis. Aber jemanden mehr als 8 Wochen auf die Bewilligung des Antrags, und somit auf eine Zahlung, warten zu lassen ist gelinde gesagt eine Frechheit.

Wenn seit Anfang des Jahres ein verstärktes Aufkommen von Neuanträgen - wie das eigentlich, wo doch die Zahl der Arbeitslosen angeblich ständig sinken soll - verzeichnet wird, dann soll man gefälligst auch entsprechend dafür sorgen, das man die Zahl der Sachbearbeiter entsprechend aufstockt. Ich habe schließlich noch Glück, das mich meine Familie mit über Wasser halten kann. Aber den Vorteil hat nicht jeder der einen entsprechenden Antrag stellt.

Hinzu kommt ja noch das mir meine Krankenkasse im Nacken sitzt und von mir bescheinigt haben möchte das ich den Antrag gestellt habe und die Bescheinigung vorlege. Während ich das hier schreibe musste ich schon wieder einer Mitarbeiterin der Krankenkasse versuchen deutlich zu machen, das ich zum einen zwar im Nebengewerbe tätig bin aber daraus nur sehr geringe Einnahmen erziele und zum zweiten das Jobcenter nicht aus dem Quark kommt.

Ein wirklich tolles Feeling!

Mittlerweile kann ich sehr gut nachvollziehen, was Inge Hannemann am System Hartz IV kritisiert und bemängelt. Vorher hatte ich ja 'nur' die Formulare ausgefüllt und die Nachweise eingereicht. Mehr hatte ich mit dem Jobcenter eigentlich nicht zu tun. Abgesehen von den vierteljährlichen Kaffeekränzchen mit meiner/m BerufsberaterIn.

Wenn man das potenziert, was mir momentan widerfährt, wird klar das und warum manch ein Suizid dem Jobcenter und Hartz IV geschuldet ist.

Apropos 'Berufsberaterin': Die hat sich, bis auf ein Stellenangebot für ein Call-Center, merkwürdiger Weise noch nicht bei mir gemeldet. Es hat sich wohl noch nicht bis zu ihr herumgesprochen, das ich seit 20 Jahren mit einem beidseitigem Tinnitus gesegnet bin. Für einen Job bei dem man 8 Stunden und mehr pro Tag mit einem permanenten Hintergrundrauschen telefonieren soll wohl ein absolutes K.O.-Kriterium...

Marcus
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1 Kommentar

  1. Ein absoluter Witz, dass sie dir diesen Job trotz Tinnitus geben wollten.

    Aber überhaupt sind diese „Berufsberater“ einfach ein schlechter Witz oftmals. Wir waren bei denen während er Schulzeit und die haben mir geraden, auf keinen Fall etwas wirtschaftswissenschaftliches zu studieren, da ich dafür 0 Eignung hätte. Am Ende habe ich es doch gemacht und gehöre zu den besten in meinem Jahrgang.

    Und wenn es bei der tatsächlichen Berufsberatung genauso abläuft… dann weiß man ja, woran man ist!

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