google+, eine Petition und die Diskussionskultur


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Empfänger:
Deutsche Telekom AG
René Obermann, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG
Die Drosselung von Internetanschlüssen stellt einen Einschnitt in die Netzneutralität dar, da bestimmte Dienste wie beispielsweise IP-TV nicht unter die Drosselung fallen. Damit entsteht eine Klassengesellschaft im Netz, dies ist so nicht hinzunehmen! Der Verbraucher sollte Anspruch auf eine Internetverbindung haben, die ihm ermöglicht, Inhalte seiner Wahl zu senden und zu empfangen, Dienstleistungen und Anwendungen nach seinen Wünschen zu nutzen sowie Hardware seiner Wahl anzuschließen und Software nach seinen Vorstellungen zu verwenden, solange diese dem Netzwerk keinen Schaden zufügt.

Aus diesem Grund fordere ich einen sofortigen Stopp des Vorhabens!

Das ist der Text einer Petition, die Malte Götz verfasst hat.

Gestern Abend feierte man sich auf google+ dafür, das innerhalb von 24 Stunden bereits fast 100.000 Menschen diese 'Petition' bereits gezeichnet hatten. Keine Frage, durchaus eine stolze Leistung.

Als ich das gelesen hatte wollte ich das eigentlich auch tun, obwohl ich mit unseren ~20 GB im Monat eher weniger vom Vorhaben der Telekom betroffen sein dürfte. Doch nachdem ich mir den Text der Petition durchgelesen hatte, habe ich darauf verzichtet. Und das aus folgendem Grund:

Diese 'Petition' taugt in meinen Augen einzig dafür, sich damit den Hintern abzuwischen. Ein solcher Bittbrief, den eine Petition ja darstellt, sollte in meinen Augen auch eine gewisse Basis haben. Doch die fehlt diesem Schreiben gänzlich. Als Basis sehe ich zum Beispiel, das man rechtliche Vorschriften und Gesetze aufführt, gegen die das Vorhaben - auf welches sich eine solche Eingabe bezieht - verstößt. Doch dieses Gesuch hat einzig eine im Konjunktiv verfasste Aussage:

Der Verbraucher sollte Anspruch auf eine Internetverbindung haben ...

Aber das Leben findet zum einen in einer freien Marktwirtschaft und zum zweiten eben nicht im Konjunktiv statt.

Bin ich unsachlich gewesen und oberlehrerhaft?

Ich verfasste dann in einem dieser Posts einen entsprechenden Kommentar:

Sein Inhalt lautete ungefähr wie folgt

Ich hätte die Petition auch gerne gezeichnet. Leider taugt sie nur dafür, sich mit ihr den Hintern abzuwischen. Eine Petition sollte eine Basis haben. Zum Beispiel rechtliche Vorgaben und Gesetze aufführen, gegen die ein Vorhaben verstößt. Diese Petition hat als einzige Aussage einen Satz im Konjunktiv (Anm: den vorher erwähnten nämlich).

Ein bekannter Spruch lautet: Leider findet das Leben aber nicht im Konjunktiv statt. Daher macht es keinen Sinn, diese Petition zu unterschreiben

Der Verfasser des Threads war von dieser, meiner Meinung überhaupt nicht angetan. Kurz nachdem ich den Post veröffentlicht hatte und er bereits zweimal geplusst wurde, war er schon wieder verschwunden.

In einem weiteren Kommentar schrieb ich daraufhin

Coole Sache, einen sachlichen Kommentar zu löschen, weil er nicht der gewünschten Meinung entspricht.

Als Antwort erhielt ich vom Eingangs-Autor, das ich nicht sachlich Kommentiert hätte, sondern den anderen vorschreiben würde, wie sie zu handeln hätten. Ein weiterer Vorwurf war, ich wäre Oberlehrerhaft.

Gut, das ich manchmal mit meiner Wortwahl etwas aggressiv wirke weiß ich. Das hat man mir schon des öfteren gesagt. Aber bin ich hier wirklich aggressiv und oberlehrerhaft gewesen? Und was sagt das über die Diskussionsfähigkeit des Threaderöffners aus?

Ist das nicht eher eine diktatorische Art und Weise? Schließlich habe ich keinen direkt angesprochen geschweige denn angegriffen. Ich habe - denke ich - nur meine Meinung zu dem Text abgegeben und dazu stehe ich. Für mich spiegelt diese Petition einzig und allein die bekannte Geiz ist Geil-Mentalität vieler Deutscher wider.

Man ist es gewohnt, für lau - und besser noch für umsonst - eine Leistung zu erhalten. Und wenn sich absehbar daran etwas ändern soll, dann steigt man auf die Barrikaden. Man ist sich dann auch nicht zu schade mit irgendwelchen Begriffen wie Netzneutralität und ähnlichem um sich zu werfen. Auch wenn man vielleicht gar nicht versteht, was damit gemeint ist.

Wir leben (leider?) in einer freien Marktwirtschaft. Und die Basis einer freien Marktwirtschaft ist, das jedes Unternehmen Entscheidungen treffen kann, die es für richtig hält - auch dann, wenn sie dem Konsumenten nicht gefällt.

Und ich stehe auf dem Standpunkt, das, wer sich zig Filme aus dem Netz herunterladen will oder muss, wer seine Daten lieber in irgendeiner Cloud als auf dem heimischen PC speichert, dafür auch bezahlen muss und soll, wenn er solch einen Datentransfer verursacht. Ich brauche weder irgendeine Cloud, noch ziehe ich mir einen geschweige denn zig Filme aus dem Netz.

Wie seht ihr das? Zeichnet ihr die Petition auch, bzw. habt ihr es schon getan? Findet ihr meine Wortwahl im Kommentar aggressiv und oberlehrerhaft? Und wie seht ihr das mit der Diskussionskultur auf google+. Ist Euch das auch schon passiert, das Eure Kommentare einfach gelöscht wurden, weil sie dem Threaderöffner offensichtlich nicht gefallen haben?

Marcus
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