Die Gesundheitsfuzzis spinnen doch!


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Anfang des Jahres ist ja die Quartalsmäßige Zuzahlung von 10 € beim Arztbesuch weggefallen. Doch um die Gewinne nicht zu schmälern und trotzdem zu sparen, scheint man bei den Krankenkassen langsam aber sicher endgültig den Blick für die Realität zu verlieren. Doch auch diejenigen, die uns mit ihren Vorgaben sagen wollen, wie schwer wir im Idealfall bei einer bestimmten Körpergröße denn sein dürfen, scheinen mit der Wirklichkeit nicht mehr allzu viel zu tun zu haben.

Aber der Reihe nach:

Einmal, bestenfalls zwei Mal im Jahr lasse ich meine Blutfettwerte wegen zu hohem Cholesterin überprüfen. Bislang reichte es, zumindest bei mir, wenn ich beim Arzt anrief und mir einen Termin fürs Labor geben lies. Das war dieses Mal anders - zumindest kann ich mich nicht entsinnen, das es schon mal so war.

Beim Anruf erfuhr ich von der Arzthelferin, das sie meiner Bitte, einen Termin per Telefon zu vereinbaren, nicht nachkommen könne. Ich müsse erst einmal den Doktor konsultieren und der sein Okay dafür geben das meine Werte kontrolliert werden.

Untersuchungen nach Wirtschaftlichkeit - nicht nach Bedarf

Also habe ich mich ein paar Tage später zu ihm aufgemacht, nur um von ihm zu hören das das Okay wäre wenn wir jetzt die Werte mal wieder testen würden. Er sagte mir dann auch gleich den Grund dafür, das man jetzt so verfahren würde: Solche Untersuchungen müssten sich nach (neuesten) Vorgaben der Krankenkassen an der Wirtschaftlichkeit orientieren ....!!!

Meine Reaktion darauf kann man sich sicher vorstellen. Ich fragte nach ob ich das jetzt wirklich so gehört hätte - und er bestätigte das.

Also ist es bei Untersuchungen, die für Herzinfarkt- oder Schlaganfall gefährdete Personen - und dazu gehören Menschen mit zu hohen Cholesterinwerten ja nun einmal - eigentlich wichtig sind, jetzt so, das nicht mehr der Bedarf relevant ist sondern die Untersuchungen sich jetzt rechnen müssen.

Alles Klar ?!?!

Es heißt immer von den Krankenkassen: Betreiben Sie Vorsorge und gehen sie regelmäßig zum Arzt. Und wenn man das tut, dann heißt es: Müssen erst einmal gucken, ob sich das rechnet. Ja was denn nun? Soll sich ein Arztbesuch rechnen, oder soll er schützen?

Aber damit war das Kopfschütteln noch lange nicht vorbei! Oh nein.

Denn nachdem ich auch einen zweiten Termin zum Messen meiner Werte unter Belastung hinter mir hatte, stand noch das Gespräch mit dem Doc an. Auch wegen des Ergebnisses der Blutfettwerte. Bei diesem zweiten Termin durfte ich mich vor dem Radfahren noch auf die Waage und ans (Körper)Maßband stellen.

Vor dem Besprechen der ganzen Werte musste ich im Arztzimmer noch etwas warten. Dabei habe ich mir einmal einen der beiden Zettel durchgelesen, die die Arzthelferin, welche mir das Blut abgenommen und die restlichen Werte gemessen hatte, auf seinen Schreibtisch gelegt hatte. Dabei musste ich lesen, das ich mehr als 10 Kilo zuviel wiegen sollte.

Gesundheitsfuzzis fern ab jeglicher Realität

Zwar wusste ich von der Faustregel Körpergröße minus 100 wäre Normalgewicht. Aber trotzdem kam ich ein wenig ins Grübeln: 97 KG bei 184 cm = >10 KG zu schwer??

Mein Hausarzt, mit dem ich mich sehr gut verstehe, klärte mich auch gleich auf. Er sagte mir, das ich nach den neuesten Erkenntnissen / Vorgaben nicht nur 10 KG zu schwer wäre sondern satte 22. Ich fragte nach, ob das sein Ernst wäre. Worauf er entgegnete, das es nicht sein Ernst wäre, sondern der der Forscher oder wer immer sich diesen Schwachsinn ausdenkt.

Meine lakonische Antwort darauf war nur: Dann muss ich mir ja ein Bein abhacken, um das Gewicht zu erreichen. Dazu meinte er nur, das solle ich mal schön bleiben lassen - und er würde diese An- respektive Vorgaben auch nicht für Realitätsnah halten.

Dazu kann ich nur sagen, das diejenigen die sich diese Werte ausdenken mit der Realität nichts mehr am Hut haben können. Denn nicht jeder, der wie ich z. B. bei einer Körpergröße von 184 cm über 90 Kilo wiegt, ist zu schwer weil er zuviel isst und eine dementsprechende 'Wampe' vor sich her trägt. Sondern es ist auch immer eine Frage dessen, wie ein Mensch gebaut ist. Denn manch einer, und zu dieser Sorte Mensch gehöre ich, hat schon von Natur aus einen Knochenbau der etwas massiver ist als bei anderen Menschen.

Zwar trage ich einen kleinen Bauch vor mich her, doch noch lange keine Wampe wie man bei 22 KG annehmen könnte. Sollte ich wirklich vorhaben, auf das Idealmaß abzunehmen, dürfte ich den Rest meines Lebens vermutlich nur noch irgendwelche Gräser futtern - sofern ich denn überhaupt noch etwas essen dürfte. Auch wenn ich natürlich nicht weiß, wie viel mein Skelett ohne 'Zutaten' wiegt, gering ist dessen Gewicht nicht.

Marcus
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2 Kommentare

  1. Dass man bei 184 cm Größe nicht mehr als 90 kg wiegen dürfen soll, halte ich aber für ein Gerücht. Wenn man verschiedene Personen aus dem Gesundheitssektor fragt, bekommt man hierzu übrigens auch die unterschiedlichsten Antworten, viele jedenfalls sagen: „Ach Quatsch!“ – Ich neige ja dazu, die Mitarbeiter der Branche nicht als Gesundheits- sondern Krankheitsfuzzis zu betrachten. Was nämlich liegt in genau in ihrem Interesse? Dass so viele Menschen wie möglich krank sind, damit die Umsätze steigen.

  2. Naja ein BMI von 28-29 so wie du ihn hast ist schon wirklich etwas hoch. Klar, nicht jeder Mensch ist gleich gebaut und Muskeln sind ja bekanntnlich auch schwerer wie Fett.
    Aber generell finde ich es unter aller Würde, was momentan mit dem Gesundheitssystem passiert. Im neuen Jahr war ich (zum Glück) noch nicht beim Arzt. Größere Untersuchungen habe ich ende letztes Jahr machen lassen. Darüber bin ich jetzt ehrlich gesagt froh, obwohl ich mich damals schon geärgert hatte noch dei 10€ zahlen zu müssen.

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