Nicht nur Doping schadet dem Radsport

Zum Teufel mit der Stallorder!


Der Artikel besteht aus 934 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 03:44 Minuten

Man stelle sich einmal folgende Situation z. B. in der Formel 1 vor:

Nachdem Sebastian Vettel über 99 % eines Rennens souverän vor seinem Teamkollegen Mark Webber geführt hat, wird er auf der letzten Runde langsamer und lässt diesen vorbei. Und man stelle sich weiterhin vor, das er das nicht nur bei einem sondern bei 18 von 20 Rennen tun würde, bzw. müsste, weil es ihm über Funk gesagt wird!

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was das für einen Aufschrei der Fans und Medien geben würde!

Doch ähnliches - oder genau das - ist bei der diesjährigen Tour de France geschehen! Aber öffentlich aufregen tut sich niemand! Nur hinter vorgehaltener Hand wird das kritisiert.

Denn dort siegt mit Bradley Wiggins ein Fahrer, der von seinem Team-Kollegen Christopher Froome wahrscheinlich locker flockig in den Asphalt gebrannt worden wäre, wenn er hätte fahren dürfen wie er es wohl gekonnt hätte.

Bestes Beispiel hierfür waren die beiden Etappen durch die Pyränen und die Etappe durch die Alpen nach La Toussuire!

Man konnte mehrfach zugucken, wie Froome seinen Kapitän mehr als einmal hat stehen lassen. Immer wieder, fast schon im Dutzend, musste der Brite seine Fahrt drosseln um zwischen sich und seinem im Gelben Trikot fahrenden Landsmann Wiggins nicht binnen Sekunden einen Abstand von einigen 100 m zu legen!

Somit wird Dank der Funkverbindung zwischen Fahrern und sportlichen Leitern also diesmal jemand Sieger der Tour de France, der vielleicht nicht gedopt hat aber trotzdem nicht der beste Fahrer der Tour durch Frankreich ist.

Froome auch beim Zeitfahren (aus)gebremst?

Was heute beim 53 Kilometer langen Zeitfahren zwischen den Teamkollegen abgelaufen ist, wird man wohl nie herausfinden. Zumindest solange nicht, bis einer von beiden die Mannschaft sky verlässt. Und dieser eine müsste dann wohl schon Froome sein, weil Wiggins ja keinen Grund haben dürfte sich zu beschweren!

Es ist aber wohl anzunehmen, das Froome durchaus mit auf den Weg gegeben wurde, Wiggins nicht alt aussehen zu lassen - auch wenn der natürlich aufgrund seiner Erfahrungen ein sehr guter Zeitfahrer ist. Weiterhin kann man wohl davon ausgehen, das man - auch während die beiden auf der Strecke waren - dafür gesorgt hat, das Froome nicht sehr viel schneller ist als der Führende der Gesamtwertung!

Kurz gesagt: Froome dürfte auch heute eingebremst worden sein!

Das man im britischen Rennstall etwas schizophren zu denken scheint, sagt wohl auch die Tatsache aus, das der gestrige Sieger Mark Cavendish förmlich darum betteln musste, 'von der Leine gelassen' zu werden. So kann man jedenfalls seine heutigen Aussagen auf Eurosport zu seinem Erfolg deuten.

Es ist also nicht nur das Doping, was den Radsport kaputt (ge)macht (hat) respektive im schlechten Licht dastehen lässt! Sondern es ist auch dieses - als Stallorder zu deutende - Verhalten eines Rennstalls, das nicht nur dafür sorgt, das ein Rennen wie die Tour de France zum Langweiler mutiert! Es sorgt vielleicht auch dafür das die Fans vergrault werden!

Regeln für den Tour-Ausstieg in die Verträge für die Tour

Für mich unverständlich ist auch, das die Tour-Organisatoren mit ihren Verträgen nicht dafür sorgen, das ein Fahrer die Tour nur verlässt, wenn er gestürzt ist oder während einer Etappe wegen Entkräftung aufgeben muss!

Fabian Cancellara zum Beispiel wusste schon bevor die Tour losging, das seine Frau hochschwanger ist.

Nicht das man mich falsch versteht: Natürlich ist das ein Ereignis, wo man(n) unbedingt dabei sein sollte. Aber das als Begründung zu nehmen, aus der Tour auszusteigen, finde ich persönlich einen Witz! Dann hätte er gleich weg- und bei seiner Frau bleiben können!

Trotzdem natürlich auch von dieser Stelle Glückwunsch zum inzwischen geborenen Nachwuchs!

Gleiches gilt übrigens für all jene die mit der Begründung, sich vernünftig für Olympia erholen zu wollen, aus der Tour ausgestiegen sind! Denn der Termin für Olympia respektive die Termine für die Radsport-Veranstaltungen dort stehen nicht erst seit dem 28. Juni 2012 - und somit dem Tag der Team-Vorstellungen in Lüttich - fest.

So beschädigt man aus meiner Sicht das Ansehen des Radsports nur noch mehr! Denn man klaut damit nicht nur einem Teamkollegen einen Einsatz bei der Tour oder beraubt einen anderen eines möglichen Etappensieges, sondern man beraubt damit auch die Zuschauer! Denn manch einer der vor Ort anwesenden Fans kommt wohlmöglich nur wegen eines / einiger bestimmten / bestimmter Fahrer. Und wenn die sich dann von der Tour verabschieden, obwohl sie vielleicht bis Paris hätten durchfahren können, verärgert man diese Anhänger des Sports.

Wobei ich natürlich weiß, das es soetwas auch schon immer gegeben hat. Aber dann waren es meistens jene Fahrer wie die Sprinter, bei denen man als Fan und sie selbst als Fahrer schon vorher wusste das die Alpen oder die Pyrenäen für sie das Ende der Tour darstellen. Diesmal sind aber eher die Allrounder ausgestiegen!

Man weiß gar nicht, was diese Fahrer sich alles beim Vollblut-Profi Jens Voigt abschauen könnten. Der mittlerweile 40-jährige tritt unermüdlich in die Pedale, holt Verpflegung und Getränke vom Teamfahrzeug, fährt Sprints für seine Teamkameraden an und hat dann noch die Power, eine Pyrenäen-Etappe als 5. zu beenden!

Da freut es einen fast über alle Maßen, das der Mann zwar keine 15 Jahre mehr fährt, aber auch die 100. Tour de France wohl noch in Angriff nehmen wird. Denn er will noch ein Jahr dranhängen wie er mehrfach äußerte!

Marcus
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