Des Autofahrers neuer Volkssport?

Der Artikel besteht aus 605 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 02:25 Minuten

Gestern war es als ich in unserer Tageszeitung lesen musste, das in Hamburg schon vor zwei Wochen ein Autofahrer mit einem Radelnden Kind beim Abbiegen kollidiert ist. Natürlich kann so etwas jeden Tag überall passieren.

Doch diesem Autofahrer scheinen nicht nur Schuldgefühle fremd zu sein, sondern auch das Wort 'Hilfsbereitschaft'. Denn anstatt auszusteigen und sich um das mit dem Fuß im Fahrradrahmen eingeklemmte 12jährige Mädchen zum kümmern, soll er das Kind durch das geöffnete Beifahrerfenster angeblafft haben, sie solle besser aufpassen und lernen Fahrrad zu fahren. Anschließend gab er Gas und fuhr davon!

Heute nun muss ich im Polizeibericht lesen, das hier in der Nähe in der letzten Woche ähnliches passiert ist.

Dabei kam ein 17jähriges Mädchen zu Fall, als es vom Aussenspiegel eines überholenden Mittelklassewagens eines Münchener Herstellers gestreift wurde. Die Heranwachsende schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf und brach sich dabei den Kiefer!

In diesem Fall wurde das Mädchen nicht noch zusätzlich beschimpft! Hier gab der / die Fahrer(in) einfach Gas und verschwand!

Wird es unter Autofahrern jetzt zum Volkssport Fahrerflucht zu begehen, wenn man einen Radfahrer angefahren hat?

Wer den Satz

 Eine Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht

als Maßstab nimmt, muss uns Deutschen wohl mittlerweile ein ganz miserables Zeugnis ausstellen wie ich denke.

Das gilt aber nicht nur für jene, die solche Unfälle (mit)verursachen, sondern auch für Menschen die wohlmöglich lieber weggucken anstatt sich um das Geschehen zu kümmern, die Kennzeichen zu merken und sich dann als Zeuge / Zeugin zur zu Verfügung stellen. Denn im Gegensatz zu dem Fall mit dem 17jährigen Mädchen, der irgendwo in der 'freien Wildbahn' passierte, kann ich mir im Hamburger Fall nicht vorstellen, das das von keinem Fussgänger, Rad- oder anderen Autofahrer beobachtet wurde!

Ein weiterer Fall, der mich ehrlich gesagt genau so tief betroffen macht -. wenn nicht sogar noch mehr, spielte sich im thüringischen Eisenach ab.

Dort ließ wohl ein Vater sein Kleinkind samt Hund bei brütender Hitze mehr als eine halbe Stunde lang im Auto kochen, bevor er mit dem Einkaufen fertig war und sich bequemte, zum Auto zurück zu kehren! Obwohl Passanten, die das schreiende Kind bemerkt hatten, den Besitzer des Wagens ausrufen ließen, vollendete der 'Herr' erst einmal seinen Einkauf um dann gemächlich zu seinem Auto zurückzukehren und davon zu fahren.

Auch wenn den Kinder- und Tierquäler jetzt ein Verfahren wegen Kindesmisshandlung - was ist mit dem Tier? Ach ja, ist ja eine Sache - ins Haus steht, denn man hatte auch die Polizei informiert, frage ich mich, weshalb die Zeugen ansonsten weitestgehend tatenlos blieben? Zumindest geht aus dem Bericht nicht weiter hervor, das die Zeugen das Kind und den Hund aus dem Fahrzeug befreit hätten!

Ich hätte vermutlich - so denke ich zumindest - allerspätestens 10 Minuten nach dem Ausrufen die Fensterscheibe eingeschlagen und Kind und Hund aus dem Auto geholt! Auch wenn mir hinterher eine Anzeige wegen Sachbeschädigung ins Haus gestanden hätte. Das ein Kind einen Hitzschlag erleidet und daran wohlmöglich stirbt, oder wegen Feuchtigkeitsmangel austrocknet, nur weil der Erzeuger - als Vater kann man soetwas meines Erachtens nicht betiteln - die möglichen Konsequenzen seines Verhalten nicht zu überblicken scheint, kann nicht angehen!

Hoffentlich werden dem Herrn diese Konsequenzen aus dem Verhalten aufgezeigt, indem man ihm die Erziehungsberechtigung aberkennt. Solch ein Verhalten ist aus meiner Sicht nicht wieder gut zu machen, zumal es sich jederzeit und überall wiederholen kann!

Verantwortungsbewusstsein besitzen sieht jedenfalls anders aus!

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3 Kommentare

  1. Hallo Marcus,

    wieder ein toller Bericht von dir. Leider hast du mit dem Geschriebenen absolut Recht. Es ist wirklich traurig, dass sich unsere moralische Schranke immer weiter senkt.

    Wie kann man weiterfahren, wenn man einen anderen Menschen verletzt hat? Wie kann man diesen Menschen noch beschimpfen? Deine Kritik ist nicht nur auf das Autofahren (wo es hier auf der Insel relativ gefahrlos ist) anwendbar, sondern viele Bereiche im Leben.

    Viele Grüße von Baltrum.

    Hans

  2. Servus Marcus,

    das ist ja echt erschreckend, dieses Thema hast Du wohl zur richtigen Zeit aufgegriffen. Ich persönlich denke, man sollte das auch mehr in die Öffentlichkeit bringen, ansonsten wird sich da nix dran ändern, wenn die Medien das nicht ein wenig mehr hochstilisieren. Den Trend im Keim ersticken, heißt sowas wohl.
    Ich habe Deinem Artikel mal 5 Sterne geschenkt!

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