Ist der Neue besser als der Alte?


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Viele in Deutschland haben am Freitag wohl erleichtert aufgeatmet, als Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten ist. Schließlich hat er vor seinem Amtsantritt ja nur das getan, was viele andere auch tun: Nämlich den Spielraum, den einen die Gesetze geben (voll und ganz) auszuschöpfen. Aber so jemanden als Bundespräsidenten? Das geht ja nun gar nicht! Vor allem wenn man einen auf Moralapostel mimen will oder muss!

Bedauerlicherweise hat er bis zum Juni 2010 wohl nicht einmal geahnt, das er dieses Amt irgendwann einmal bekleiden wird. Zumal er spätestens seit 2005 stets geäußert hat nicht als Kanzler oder gar Bundespräsident nach Berlin gehen zu wollen. Und das kaufe ich ihm durchaus ab! Schließlich war er erst 50 Jahre alt, als er für das Amt vorgeschlagen wurde.

Wer kein allzu schlechtes Gedächtnis hat, wird wohl auch noch wissen das er sich nicht selbst als Kandidat ins Spiel gebracht hat, sondern das es Frau Merkel war. Und jene werden sich sicher auch noch daran erinnern, welche Begründung man für die Nominierung Wulffs durch die Kanzlerin in den Raum stellte: Nämlich die Absicht Angela Merkels, einen möglichen Konkurrenten und somit Nachfolger im Amt abzuwehren. Aber das scheinen manche nicht mehr zu wissen oder nicht mehr wissen zu wollen! Schließlich gingen ihr damals viele Parteikollegen - vor allem Ministerpräsidenten - von der Fahne. Und bei denen nahm man ebenfalls als Beweggrund für ihre Rücktritte an, das Frau Merkel mehr oder minder direkt genau daraufhin gearbeitet hätte.

Nun haben wir also durch CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne den Menschen als Kandidat für das höchste Amt im Staate nominiert bekommen, den eigentlich alle gerne schon vor zwei Jahren als Nachfolger von Horst Köhler gesehen hätten: Joachim Gauck.

Und der ist noch nicht einmal 48 Stunden nominiert, da gehen die Diskussionen um ihn schon los!

Die CSU fordert, er müsse sich von seiner Noch-Ehefrau scheiden lassen, um seine Lebensgefährtin zu heiraten. Damit man 'ordentliche' Zustände habe!

Ja gehts denn noch?

Das einzige was Joachim Gauck im Hinblick auf das Amt des Bundespräsidenten MUSS ist, nach seiner Wahl dieses annehmen oder ablehnen. Ansonsten muss Gauck gar nichts!

Es heißt zwar, wer die Musik bezahlt entscheidet was gespielt wird. Aber so läuft das in diesem Fall nicht!

Man hat Gauck - im Wissen um seine privaten Lebensumstände - gebeten, zu kandidieren, also hat er sich zur Verfügung gestellt. Ihm jetzt die Bedingungen vorschreiben zu wollen, zu denen er kandidieren darf, ist der absolute Witz. Wenn er sich nicht scheiden lassen und seine jetzige Lebensgefährten nicht heiraten will, dann hat man das so zu akzeptieren. Schluß, Aus, Ende!

Schließlich spiegelt sich in dieser Partnerschaftssituation Gaucks nur 'das ganz normale Leben' unserer modernen Gesellschaft wider. Es wäre also Vortäuschung falscher Tatsachen, würde man Gauck nur als verheirateten Bundespräsidenten akzeptieren und zulassen wollen. Wobei es Bände spricht, das die Forderung - Gauck müsse seine Lebensgefährtin heiraten - gerade von der CSU kommt. Denn dort sicher sind auch nicht alle Funktionsträger erst das erste Mal verheiratet. Auch in der Partei gibt es sicher Menschen, die in 'wilder Ehe' leben.

Warum also soll dieses Recht nicht auch unserem zukünftigen Bundespräsidenten zustehen?

Doch auch wenn diese Diskussion beendet sein wird, werden uns weitere Diskussionen um die Person Joachim Gauck sicher nicht erspart bleiben!

Schließlich gibt es in seiner Vita die eine oder andere Sache, zu der mit Sicherheit früher oder später Fragen gestellt werden (müssen). Kann man es schließlich nicht als Selbstverständlichkeit betrachten, das die Stasi oder andere Organe der ehemaligen DDR Personen der Kirche scheinbar ohne großartige Repressalien leben ließen. Denn das scheint, nach allem was mir zu Gaucks Lebenslauf bekannt ist, der Fall gewesen zu sein.

Ich frage mich desweiteren, warum man mit jemandem einen Vergleich vor Gericht schließt, der behauptet, man sei von der DDR-Regierung begünstigt worden wenn das nicht zutrifft. Und dieser Vorwurf stammt von keinem anderen als dem letzten Innenminister der DDR, Peter-Michael Diestel. Welcher zu DDR-Zeiten sehr gut vernetzt gewesen sein soll - also wissen dürfte, wovon er redet!

Würden diese Vorwürfe nicht zutreffen, würde ich ein eindeutigeres Ergebnis vor Gericht erwarten als einen Vergleich.

Es gibt also schon vor dem Amtsantritt Gaucks als Bundespräsident die eine oder andere mögliche Frage, die irgendwann zu klären sein wird - wenn sie denn zutreffen sollte.

Auf alle Fälle wird die Person Joachim Gauck, sollte er - wie anzunehmen ist - Bundespräsident werden, uns Bürger und die Medien das ein oder andere Mal beschäftigen. Und das nicht nur bezugnehmend auf seine Funktion als Staatsoberhaupt, sondern auch in Bezug auf ihn als Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und das nicht nur in positiver Hinsicht!

Und dann wird sich zeigen, ob die - angeblich ja nicht vorhandene - Medienkamagne gegen Wulff nur eine Ausnahme war, oder ob die Medien das auch dann richtig breit treten werden.

Bliebe dann die Frage zu klären, wer bei einem möglichen Rücktritt Gaucks die Verantwortung für dessen Nominierung zu tragen hätte? Nur Philip Rösler oder die ganze FDP?

Marcus
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