Paketboten arbeiten weiter als Sklaven


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Heute im Internet seinen neuen Fernseher, Computer oder die neue Kaffeemaschine bestellen und sie morgen geliefert zu bekommen, das ist es, was die Kunden beim Online-Shopping begeistert. Zugegeben: auch ich freue mich darüber, wenn bestellte Ware mich am nächsten Tag erreicht. Aber da ich auch lange Zeit im Stückgut-Verkehr einer Spedition gearbeitet habe, macht es mir auch nichts aus, wenn ich 48 Stunden darauf warten muss!

Denn viele Kunden, die im Internet vor allem wegen der 24-Stunden-Lieferzusage bestellen, wissen gar nicht was das für jene heißt die die Ware zustellen müssen. Und das vor allem in Bezug auf die Arbeitsbedingungen dieser Leute.

Aber im Dezember letzten Jahres konnten sich Zuschauer des 3. Programms des Norddeutschen Rundfunks ein davon Bild machen. Undercover schmuggelte sich Reinhard Schädler bei einem Subunternehmer der DHL als Paketzusteller ein und machte die Situation vor allem der Fahrer dieser Subunternehmer öffentlich!

Denn die bei DHL direkt angestellten Fahrer arbeiten auf Basis eines Tarifvertrages, der ihnen eine Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden sowie die Bezahlung von Überstunden garantiert. Ein Luxus in den Augen der Fremdfirmen-Fahrer!

Sind für diese doch 55 Stunden + x in der Woche und somit 10 Stunden + x am Tag eher die Regel als die Ausnahme. Und das bei einem Bruttogehalt von gerade einmal 1200 € im Monat! Ein Knochenjob mit Hungerlohn. Krank werden verboten und wer aufmuckt fliegt gnadenlos und meist umgehend raus!

Und das geht, wie der Autor der beiden Filme an seinem und am Beispiel eines anderen Fahrers gezeigt hat, ganz schnell. Man braucht nur nach einem Betriebsrat zu fragen, oder anzukündigen eine Veranstaltung der Gewerkschaft zu besuchen.

Beides reicht aus, um meist noch am gleichen Tag die Papiere zu kriegen!

Nun hat der Autor vier Monate später nachgeforscht, ob die Ausstrahlung seiner Reportage etwas verändert hat!

Und in der Tat hat sich etwas getan! Natürlich nicht zum Vorteil der Angestellten!

Als da zum Beispiel die Dokumentation der Arbeitszeiten wäre. Mussten die Angestellten vor Veröffentlichung dieser Missstände in ihren täglichen Arbeitsberichten noch ihre Arbeitszeiten eintragen, so wurde ihnen das per mündlicher Anweisung nun untersagt. Die Arbeitszeiten trägt nun das Büro des Subunternehmers ein.

Womit klar ist bzw. sein dürfte, das es offiziell keine Überstunden mehr gibt. Schließlich wird man von Seiten des Unternehmens schon dafür sorgen, das nur die zulässige Anzahl an Wochenstunden nachgewiesen werden kann! Vielleicht plus einer Handvoll Überstunden die immer mal anfallen können.

Und, aber das erfährt man erst ganz zum Schluss dieser zweiten Reportage, DHL legt nun Wert darauf festzuhalten, das diese Subunternehmer rechtlich eigenständig sind! Was nichts anderes heißt, als das man die Verantwortung für die unzumutbaren Zustände bei den Sub-Unternehmern ablehnt. Man schreibt diesen zwar weiter vor, welche Quoten wie zu erfüllen sind. Aber wie das von den Firmen dann umgesetzt wird um diese Vorgaben zu erfüllen liegt allein bei den Verantwortlichen dieser Unternehmen.

Für ein Unternehmen, das für sich in Anspruch nehmen will, eines der sozialsten Deutschlands zu sein ein absolutes Armutszeugnis! Auch wenn es bei Firmen wie DPD oder GLS, die anders als DHL nur auf Subunternehmer setzen, sehr wahrscheinlich nicht anders aussieht, sollte man gerade als Global Player mit einem solchen Anspruch dafür sorgen, das Leute die für einen arbeiten nicht mit einem Stundenlohn von 5 Euro Brutto nach Hause gehen müssen!

Und was den Sub-Unternehmer anbetrifft, für den der Autor gearbeitet hat, muss das was auf dessen Webseite zu lesen ist für seine Angestellten zumindest im Bereich Paketzustellung wie Hohn klingen. Denn dort kann man nachlesen:

Als Service-Dienstleister steht für uns die Qualität im Vordergrund. Die ständige Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter ist uns daher wichtig.

Von Ausbildung oder gar Weiterbildung ist in keinem der beiden Reportagen auch nur Ansatzweise die Rede. Es sei denn, man hält Druck ausüben und Androhen der Kündigung bei diesem Sub-Unternehmen für Aus- und Weiterbildung!

Auch wenn ich hin und wieder damit geliebäugelt habe, mich wohlmöglich bei einem Paketdienst zu bewerben, muss ich für meinen Teil sagen, das ich froh bin, dies nie wirklich getan zu haben und auch nie wirklich in die Verlegenheit gekommen bin, dort um jeden Preis eine Stelle bekommen zu müssen.

Und ich werde - wie bisher - auch in Zukunft nicht erwarten oder fordern, das Ware die ich bestelle unbedingt 24 Stunden später bei mir eingetroffen sein muss! Den Preis, den andere dafür zahlen müssen ist mir dafür einfach zu hoch. Aber das weiß ich - wie erwähnt - ja auch nicht erst seit gestern, sondern schon seit 10 Jahren!

Mich würde es freuen, wenn diesbezüglich bei allen ein Umdenken einsetzen würde, aber das wird wohl Wunschdenken bleiben. Denn keine Bestellung einer Privatperson ist so wichtig, das andere bis zum Umfallen schuften müssen um am Ende des Monats mit einem Hungerlohn nach Hause zu gehen! Ganz abgesehen davon, das der Druck der auf die Fahrer ausgeübt wird nicht gerade gesundheitsfördernd ist und mit zu den  - in den meisten Fällen alles andere als leichten - Unfällen beiträgt, die von Paketzustellern verursacht werden und in die diese involviert sind!

Am Ende nämlich zahlen wir alle über die Sozialabgaben die Quittung für diese Folgen!

Beitragsfoto:©pixabay/PublicDomainPictures

Marcus
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9 Kommentare

  1. Klingt ja nach richtig tollen Arbeitsplätzen.

    Ich habe mal eine Zeit lang nebenbei bei UPS gearbeitet und da sind die Bedingungen ziemlich gut gewesen. Sowohl bei der Be- und Entladung als auch für die Fahrer. OK- Weihnachten war ein wenig hart, aber sonst konnte man sich da echt nicht beschweren. (Das es Körperlich anstrengend ist mal außen vor, das sollte man wissen wenn man den Job macht.)

    Aber sowohl Bezahlung als auch Arbeitszeit waren da in einem ordentlichen Rahmen. Vielleicht auch der Grund, warum ich am liebsten über die verschicke?

  2. Also einen Boykott, der Unternehmen, die mit DHL oder anderen Dingen versenden? Vielleicht doch zum örtlichen Einzel-/Fachhandel? Schwieriges Gebiet, aber es sollte schon einen Mindestlohn geben in diesem Lande und nein, nicht bei 7,90 sondern bei 10…

  3. Ja ich finde das ist schon eine Frechheit für das Geld ist immerhin eine sehr anstrengende Arbeit besonders wenn man oft Überstunden machen muss weil man es über den Tag nicht schafft alles auszuliefern! Das die noch nicht gestreikt haben wundert mich ? Naja guter Beitrag

  4. Paketboten arbeiten weiter als Sklaven…
    Ja und warum?
    Weil DHL verspricht Kunden das innerchalb Deutschland,egal was Brief oder Paketzugestellt wird,und Bote soll wirklich ar.. aufreissen.

  5. Die schlechte Bezahlung in der Paketbranche ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Ölpreise im Gegensatz zu den Portokosten stark angestiegen sind.
    Gespart wird beim schwächsten Glied, also dem Fahrer. Wobei ich aus eigener Erfahrung über Hermes sagen kann, dass hier die Subunternehmer auch kaum Geld haben. Musste damals als angestellter Paketbote eine zeitlang sogar mit meinem Privat-Corsa Pakete ausfahren, weil kein Firmenwagen frei war. Bei Hermes verdient anscheinend nur das Management. Hermes gehört übrigens Herrn Dr. Otto, dem drittreichsten Deutschen lt. Wikipedia.

    Es gibt auf youtube auch eine interessante ARD-Reportage: „Das Hermes-Prinzip“.

  6. Das ist Blödsinn. Kein Kunde kann daran etwas ändern, nur indem er eine angebotene Dienstleistung nicht in Anspruch nimmt. Solche Unternehmen werden immer am Limit arbeiten, um maximale Profite zu machen, und wenn sie sehen, dass die Belegschaft das ohne Stress erledigt, gibt’s vetriebsbedingte Kündigungen, bis die Ausbeutung wieder am Limit ist.

    Deutschland will es offenbar so, denn sonst gäbe es mehr Kontrollen, fairere Gesetze, und härte Strafen für Unternehmen. Nur so kann man etwas ändern.

  7. Tja da wundern wir uns das in vielen Branchen Löhne bezahlt werden von denen man nicht sein Leben fristen kann. So etwas hat natürlich eine Abwärts-Spirale zur Folge. Das kann man ganz einfach nachvollziehen. Unternehmer A bietet günstiger an. Mit seinen SUB SUB SUB Unternehmer Tricks spart der ne Menge weil er nicht mehr an die Sozialkassen abführen muss. Unternehmer B fragt Unternehmer A wie er das macht, ja dann macht der das auch usw.

    Am Ende dieser Spirale steht aber auch das andere Unternehmen ins Gras beissen.
    Denn die Leute haben nix mehr in der Tasche um was auszugeben.
    Irgendwann gibt es nur noch wenige grosse Unternehmen.
    Die kleinen sind insolvent.

    Und wer hatte diese geniale Idee, die Lockerung des Arbeitsmarktes, wer hat den Unternehmern die maximale Beinfreiheit gegeben. Die SPD unter Gerhard Schröder.

    Man kann sagen was man will es hat sich in diesem Land, in etlichen Branchen, eine asoziale Unternehmer-Kultur gebildet. Wenn ein günstiger Preis durch Ausbeutung zustande kommt; dann schadet das der gesamten Gesellschaft. Aber moderne BWLer denken so weit auf keinen Fall. Denn sie werden nur noch an ihrem momentanem Erfolg gemessen.

    Bestes Beispiel dafür sind ja Banken.
    Man fühlt sich dem Land in dem man residiert nicht mehr verpflichtet, sondern nur noch der Bilanz….. BRECHREIZ

    Es liegt an uns, den Bürgern, der Gesellschaft, solche Zustände nicht mehr zu tolerieren.
    Ein Mittel ist hier im Netz zu Posten, oder aber seinem abgeordnetem eine Mail zu schreiben.

    Denn es liegt nur an der Politik das solche Zustände in einem reichen Land wie DL eine Ende finden.

  8. Es tut mir zwar leid, dass sie wirklich so wenig verdienen, aber man muss einfach auch mal dazu sagen, dass es keine sonderlich schwere Arbeit ist, die Postboten da verrichten. In spätestens 15 Jahren wird es den Beruf sowieso nicht mehr geben.

    • Es geht ja nicht nur um die Postboten, sondern auch um alle anderen Paketdienste. Und wer da behauptet, das die Jungs und Mädels keinen schweren Job haben, der hat einfach keine Ahnung.

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