Der uniformierte Mensch


Der Artikel besteht aus 1247 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 04:59 Minuten

Egal ob beim Castor-Transport, in und um Fussball-Stadien oder einfach nur bei der alltäglichen Arbeit im Streifendienst: Für immer mehr Bürger scheint der Beamte in Uniform zum Hass-Objekt Nr. 1 zu avancieren. Dabei wollen doch auch diese nur eines machen: Ihren Job! Oder doch nicht?

Lokführer, Feuerwehrmann oder Polizist: Für viele Kinder sind das zumindest in der Vergangenheit die Berufe gewesen, die sie später als Erwachsene gerne ausüben würden.

Auch und vor allem der Beruf des Polizisten ist nicht selten ein mehr als stressiger und psychisch sehr belastender Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Sie müssen Unfälle aufnehmen, Raubüberfälle aufklären, Schlägereien schlichten und sollen in Fussball-Stadien sowie nicht zuletzt auch - wie erst vergangene Woche beim Castor-Transport - bei von der Regierung verfügten Vorhaben für einen möglichst reibungslosen Verlauf sorgen.

Dabei werden sie dann - quasi wohl als Dank für ihre Arbeit - auch noch mit Flaschen, Molotow-Cocktails und Golfbällen beworfen. Letztere dann auch noch mit Nägeln gespickt.

Streß wie kaum eine andere Berufsgruppe

Man kann also wohl durchaus behaupten, das das ein Aufgabengebiet ist wie es nicht jeder Berufstätige zu bewältigen hat. Und welches dann noch ein Reaktionsspektrum mit sich bringt das ebenfalls die wenigsten Berufstätigen zu verkraften haben.

Zumal die Beamten es jedesmal nicht nur mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun haben, sondern auch im Regelfall gleich mit mehreren Dutzend oder Hunderten. Wobei diese dann meistens schon ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft mitbringen. Und wenn es 'nur' die Bereitschaft ist, sein Gegenüber (übelst) zu beschimpfen oder 'bloß' mit der Hand / Faust zuzulangen.

Schließlich darf man meiner Ansicht nach nicht vergessen, das Worte durchaus mehr wehtun können als ein Schlag!

Verliert / Verlieren dann einer oder mehrere der Beamten die Ruhe und Beherrschung, ist der Aufschrei nicht selten groß. Aber wird dann auch das Verhalten des Gegenübers unter die Lupe genommen? Und wenn nein: warum nicht?

Schließlich machen die meisten Beamten den Job nicht, weil sie dabei reich werden oder den Obermacker markieren wollen. Doch trotzdem werden sie meinem Empfinden nach immer mehr zum Hass-Objekt Nr. 1 vieler Bürger.

Da frage ich mich doch ernsthaft warum und wie es dazu kommen kann?

Zwar sind viele derer die sich den Polizisten gegenübersehen - wie neulich beim Castor-Transport - '..nicht gegen die Beamten an sich ...' sondern - in diesem Falle zumindest - gegen die Sache selbst. Doch trotzdem scheuen sie sich dann nicht, diesen Menschen mit einem Verhalten gegenüber zu treten, das sie selbst sich sehr wahrscheinlich verbeten wissen würden.

Wurfgeschosse wie mit Nägeln gespickte Golfbälle als 'Danke schön'

Ich möchte einmal ein Beispiel vom Castor-Transport nehmen:

Hier wurden (natürlich) auch Beamte aus NRW eingesetzt. Darunter auch jene Kräfte, die bereits am Freitag abend das Spiel Köln gegen Gladbach begleitet haben. Soweit ich weiß - und wie man in den Nachrichten der vergangenen Tage nachlesen kann - nicht gerade ein Spiel mit geringem Gewalt-Potenzial bezüglich der beiden Fan-Gruppierungen. Von Köln ging es für diese Beamten dann wohl umgehend nach Gorleben, bzw. ins Wendland.

Was für sie nicht nur hieß kein Dienstschluss nach normalem Schicht-Ende, sondern anschließend über 400 KM und für mehrere Stunden zusammengepfercht in VW-Bussen gen Norden zum nächsten Einsatz. Was bei 8 ausgewachsenen Personen nicht gerade bequem ist. Schließlich ist die Möglichkeit zu schlafen hier dann gleich Null.

Von der Ungewissheit, wie lange dieser Einsatz dauernd könnte, mal ganz zu schweigen.

Diesen also nicht gerade luxuriös und ausgeruht angereisten Beamten standen dann vermutlich ausgeschlafene Demonstranten gegenüber, die dann auch sehr wahrscheinlich noch bequem mit dem eigenen Auto zum Ort des Geschehens gefahren sind.

Nun werden also diese Beamte, die bereits einen mehrstündigen Einsatz und eine mehrstündige Tour im ungemütlichen - weil eigentlich viel zu engen - Mannschaftstransporter hinter sich haben, in einen Einsatz geschickt, bei dem sie sich mehrere Stunden und Tage einem Gegenüber entgegengestellt sehen, den sie nicht wirklich einschätzen können.

Welchem sonstigen Berufstätigen werden diese aus meiner Sicht doch enormen weil unberechenbaren Umstände zugemutet? Keinem operierenden Arzt, keinem Lkw-Fahrer oder Lok-Führer! Oder irre ich mich?

Und doch lässt man sie dann im Regen stehen, wenn sie - für den einen oder anderen mehr oder minder verständlich - die Beherrschung verlieren. Dann wird ihr 'Fehlverhalten' ausgeweidet und Ihnen dermaßen unter die Nase gerieben das es eigentlich schon nicht mehr feierlich ist.

Könn(t)en wir auf die Menschen in Uniform wirklich verzichten?

Was mich eigentlich zu diesem Artikel veranlasst hat, ist unter anderem dieser Bericht. Erschreckend finde ich vor allem die dazugehörigen Kommentare. Genauer gesagt den 1. und den 3. Bei letzterem auch noch, wieviele 'Empfehlungen' dieser Kommentar erhalten hat.

Wer gibt uns / den entsprechenden Autoren das Recht, aufgrund einer Handlung eines Menschen auf dessen (angeblichen) Charakter zu schließen und diesen zu verurteilen? Vielleicht ein unpassendes Beispiel: Aber ist jemand, der einmal ein schwächeres Gegenüber mit der flachen Hand schlägt, für alle Zeit ein brutaler Schläger?

Und habe ich eine rosarote Brille auf, wenn ich die Aussage des Autoren von Kommentar 3 mehr als nur sehr stark in Zweifel ziehe?

Auch wenn die Geschichte mit dem Spray sicher nicht die bestmögliche Lösung ist oder war: Niemand, keiner von uns sieht, was vor diesem Vorfall passiert ist. Keiner von uns weiß, welche Vorgaben der Mann von Seiten der Uni hat. Und wenn meine Informationen stimmen, sind die Occupy-Aktivisten auch nicht alle gerade Heilige!

Update: Diese These wird - wie ich denke - von diesem Video gestützt. Es zeigt, was vor dem Einsatz des Sprays wohl wirklich abgegangen ist. Die Polizei hat nicht nur einmal, nicht nur zweimal die Protestler gewarnt, sondern sowohl per Megafon als auch im persönlichen Gespräch.

Hier also möglicherweise davon zu sprechen, das die 'armen armen Protestler' von der Reaktion hätten überrascht sein dürfen, entbehrt wohl jeder Grundlage!

Doch was ich fast noch erschreckender finde, ist die Tatsache das der Sicherheits-Dienst der Uni - für die der Mann arbeitet (er soll ja nur suspendiert sein, was ja nicht mit 'gekündigt' oder 'entlassen' gleichzusetzen ist auch wenn Zeit online das wohl so sieht) - mit der Polizei in einen Topf geworfen wird.

Die Uni hat nun einmal auf ihrem Grundstück das Hausrecht. Und wenn dagegen verstoßen wird, muss man eben auch mit - drastischen - Konsequenzen rechnen wie ich denke!

Trügt mich nun also mein Gefühl, das die Polizei an sich und vor allem auch der einzelne Beamte immer mehr zum Feindbild der Bürger wird? Wenn nicht: Was würden wir ohne die Menschen in Uniform machen?

Würden dann wirklich noch Fussballspiele auf den Sportplätzen der Republik stattfinden? Könnten wir dann wirklich noch nachts einigermaßen sicher vor die Haustür gehen?

Denn es werden ja auch zukünftig Morde, Un- und Überfälle stattfinden. Auch dann wenn kein Kind mehr wegen des Ausblicks, zukünftig Hass-Objekt Nr. 1 seiner Mitbürger zu sein, den Traum hat Polizist zu werden.

Was also muss passieren, das auch in Zukunft Menschen noch die Lust haben die Last auf sich zu nehmen, die ein Polizist zu tragen hat? Denn so wie es im Moment läuft kann es doch eigentlich unmöglich weitergehen, oder?

Marcus
Über Marcus 702 Artikel
Ich freue mich über Deinen Besuch auf meinem Blog! Wenn Dir der Artikel gefallen hat, teile ihn doch mit anderen und hinterlasse Deine Meinung. Mehr über mich gibt es hier zu lesen

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


CommentLuv - verlinke einen deiner Blog-Artikel