EuMedien: Endlich ein Urteil

Neues von den R.'s


Der Artikel besteht aus 1021 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 04:05 Minuten

Das Kapitel EuMedien dürfte sich mit dem gestrigen Tag hoffentlich endgültig erledigt haben! Auch wenn der wegen Verhandlungsunfähigkeit vom Hauptverfahren abgetrennte Prozess gegen die Call-Center-Chefin noch zu Ende gebracht werden muss.

Denn nach mehr als einem Jahr und 44 Prozesstagen hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Lüneburg gestern das Urteil über das Ex-Ehepaar Claudia und Jörg R. gesprochen!

Jedoch nicht ohne das der Richter den beiden Angeklagten sein Unverständnis darüber ins Stammbuch schrieb, das man dermaßen lange brauchte, um den beiden ein Geständnis abzuringen. Diese Tatsache hätte unnötig Zeit, Geld und Nerven gekostet soll der Richter bei seiner Urteilsbegründung ausgeführt haben.

Gleichzeitig machte er deutlich, das ohne die Geständnisse die Urteile 'deutlich' höher ausgefallen wären. Sowohl für Jörg als auch für Claudia R.. Letztere hätte ihren sozialen Umständen zu verdanken, das das Urteil derart milde ausgefallen sei. Schließlich habe man der im kommenden Jahr einzuschulenden Tochter nicht die Mutter (weg)nehmen wollen.

Jörg R., der am Dienstag noch die Verantwortung von seiner Frau nahm und diese sich und der Call-Center-Chefin zusprach, bekam 4 Jahre und 6 und sechs Monate wegen versuchten - nicht wegen vollendeten - Betruges. Hierfür hätte man alle 63 182 Geschädigten vorladen müssen, was bei dem zu bewältigenden Pensum von maximal 1000 Zeugen pro Jahr verständlicherweise zu lange gedauert hätte.

Mit Rücksicht darauf, das sich das Verfahren unter anderem aufgrund der Auswertung elektronischer Daten nach Ansicht der Richter zu sehr ausgedehnt hat, bleiben ihm nur noch 3 Jahre und 10 Monate die er tatsächlich absitzen muss.

Was nicht heißt, das diese Zeit nicht noch weiter zusammengedampft werden kann. Schließlich gibt es ja noch eine Belohnung namens 'gute Führung', die für eine weitere Haftverkürzung sorgen kann.

Claudia R. bekam zwei Jahre auf Bewährung und 100.000 € Geldauflage. Aber wie bei der 8-monatigen 'Gutschrift' für ihren Ex-Mann sieht das Gericht aufgrund der erwähnten Umstände laut der Lüneburger Landeszeitung letzteres als vollstreckt an.

Abwicklung des Insolvenzverfahrens bis Haftantritt

Der Haftbefehl für Jörg R. wurde bis zum offiziellen Hafttermin ausgesetzt. Bis dahin muss er das Insolvenzverfahren der Firma, über die der Betrug lief - also auf gut deutsch dürfte damit EuMedien gemeint sein - abgewickelt haben.

Zugleich gibt ihm diese Ausserkraftsetzung des Haftbefehls die Möglichkeit, Weihnachten und den Geburtstag seiner Tochter im Januar noch mit der Familie feiern zu können.

Laut Aussage des Angeklagten sei hauptsächlich er für die ganze Geschichte verantwortlich, da seine Ex-Frau wegen des gemeinsamen Kindes nur selten im Büro gewesen sei! Dafür aber nahm er die Chefin des Call-Centers ins Visier, und belastete sie wegen der 'Kundenanbahnungen' als maßgeblich mitverantwortlich.

In den letzten Prozesstagen zeigte sich laut dem Vorsitzenden Richter endlich der Mensch Jörg R.. Denn hätte er zum Prozessbeginn noch selbstgerecht auf der Anklagebank gesessen, saß er nun mit Tränen in den Augen da und beklagte, das seine Tocher das einzige sei, das ihm geblieben wäre. Mit zum Wandel vom 'Saulus zum Paulus' (so wird der Vorsitzende Richter zitiert) beigetragen haben dürfte die für R. überraschende Verhaftung Mitte Oktober. Und somit wohl die Möglichkeit und Zeit, sich der - wie es die Zeitung nennt - 'Trümmer seines Lebens' bewusst zu werden vor denen er nun stünde.

Nicht der erste Schiffbruch

Vielleicht mag das Kapitel EuMedien das letzte (gewerbliche und somit selbständige) im Leben des Jörg R. und seiner jetzigen Ex-Frau sein. Es ist aber zumindest nicht das erste. Denn schon 2001 eröffnete das Ehepaar - welches sich im Geschäft des Vaters von Jörg R. kennenlernte - eine Discothek in einem direkt an Lüneburg angrenzenden Ort. Diese bestand aber nur bis 2002, da sie vom Landkreis dicht gemacht wurde.

Im ehemaligen Laden des Vaters werden heute statt Tabakwaren Immobilien angeboten.

Das Abenteuer Discothek bescherte ihm ein Minus von 400.000 €. Was ihn aber nicht davon abhielt, sich weiter auf selbständiger Ebene zu versuchen.

Er kaufte für nicht ganz 8.000 € die Online-Plattform produkttesten.de. Die aber wollte nicht so recht in Gang kommen, da es R. nicht gelang, Hersteller für die Idee zu gewinnen ihre Produkte von Interessenten testen zu lassen.

Hier kommt dann die Chefin des Call-Centers ins Spiel, welche sich dann bei ihm gemeldet habe und mit der er dann ab 2004 unter der Firmierung Eu-Medien eng zusammengearbeitet habe. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb er sie anstelle seiner Ex-Frau für Mit-Hauptverantwortlich für den Betrug bezeichnet.

Claudia R. gab laut Lüneburger Landeszeitung am Dienstag zu Protokoll, das die Call-Center-Mitarbeiter strikter Order gehabt hätten, den Kunden keine einklagbaren Zusagen zu machen. Trotzdem wurde diesen versucht weis zu machen, das sie einem 'ausgewählten Kreis' angehören würden.

Was bleibt ist, das man nur abwarten kann, ob dies wirklich das letzte Kapitel 'Die R.'s als selbständige' ist. Zu hoffen wäre es jedenfalls. Die Webseite Eumedien.de zumindest ist weder mit dem bisherigen Inhalt aufrufbar und auch nicht mehr die beiden ehemaligen Eheleute registriert.

Die Domain wird zum Verkauf angeboten.

Ob das ein vernünftiges Ansinnen ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Wer wird sich freiwillig eine dermaßen verbrannte Domain antun?

Die Domain cronjobs.de ist zwar auch nicht mehr erreichbar, aber immer noch auf den Namen von Claudia R. registriert. Sollte das so bleiben, ließe das also zumindest die Möglichkeit offen, nach der 2-jährigen Bewährung wieder von vorn anzufangen. Wenn das dann auch nicht unbedingt mit Betrug zu tun haben muss.

Update 29.11.2011: Die beiden Verurteilten sind nicht in Revision gegangen! Daher sind die Urteile Rechtskräftig. Jörg R. werden wegen der (über)langen Verfahrensdauer 8 Monate Haft erlassen. Aus dem selben Grund gilt die Geldstrafe seiner Ex-Frau in Höhe von 100.000 € als abgegolten!

Update 28.12.2011: Jörg R. hat kurz vor seinem Haftantritt (vermutlich Januar 2012) das vorläufige Insolvenzverfahren angeschoben, während seine Ex-Gattin nach eigener Auskunft bereits eine neue Stelle erhalten haben und antreten soll.

Quelle: Lüneburger Landeszeitung

Marcus
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