Der Fall EuMedien

Nun sitzen beide

Der Artikel besteht aus 617 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 02:28 Minuten

Einmal einen Betrag von knapp 100 € berappen und dafür dann Produkte testen und anschließend behalten dürfen. Das versprach das Ehepaar Claudia und Jörg R. aus dem Landkreis Lüneburg den Besuchern u. a. ihrer Webseite EuMedien.de.

Doch wer diese rund 90 Euro dann an das Ehepaar überwies, der bekam entweder gar keine Produkte zugesandt, oder solche die man für 1 Euro in sogenannten 1-Euro-Läden kaufen kann. Anders ausgedrückt: Sie wurden mit Ramsch-Artikeln verarscht. Was auch wenig verwundern dürfte, schließlich soll das - heute getrennt lebende - Ehepaar überhaupt gar keinen Vertrag mit irgendeinem Hersteller abgeschlossen respektive besessen haben.

So kam über die Jahre ein beträchtlicher Betrag zusammen, schließlich wurde das 'Geschäft' schon 2004 mit auktion.com - einem 'Online-Marktplatz' - gestartet. Nachzulesen ist das auf der immer noch zugänglichen Seite von eumedien.de.

Um welchen Betrag es wohl gehen mag kann man sich vielleicht ausmalen, wenn man die Angaben des Staatsanwaltes als Basis nimmt. Wobei diese sich aber nur auf die angeklagten Jahre 2005/06 beziehen. Der Anklagevertreter geht von 60.000 Geschädigten und einer Summe von 3,1 Millionen Euro aus, die das Paar in die eigene Tasche gesteckt haben soll. Nur 0,5 % des eingenommenen Geldes sollen wirklich für Produkte ausgegeben worden sein.

Ungeahnte Wende für Jörg R.

Da Claudia R. aber als Geschäftsführerin der Firma eingetragen war, wurde der Prozeß bislang nur gegen Sie und die Chefin des Call-Centers in Oranienburg geführt. Letztere ist seit einiger Zeit Verhandlungsunfähig, daher wurde ihr Prozeß abgetrennt und Claudia R. musste sich bis gestern allein vor Gericht verantworten.

Denn seit Montag sitzt nun auch ihr (Noch-?)Ehemann in Untersuchungshaft und durfte gestern an der Seite seiner (Noch?-)Ehefrau auf der Anklagebank Platz nehmen.

Grund für die - für Jörg R. wohl vollkommen überraschende - Wendung in diesem Verfahren soll die Tatsache sein, das er (vermutlich im Namen von EuMedien) ein Inkasso-Unternehmen beauftragt hatte, bei säumigen Schuldnern das Geld einzutreiben. Selbiges soll den Auftrag allerdings mittlerweile seit 'geraumer Zeit' wieder gekündigt haben.

Im heutigen Bericht der Lüneburger Landeszeitung ist davon die Rede, das Jörg R. im März diesen Jahres - also während des laufenden Prozesses - das Unternehmen beauftragt haben soll. Seither habe es 10 702 Transaktionen mit Beträgen zwischen 71 und 96 € gegeben. Was im Endresultat einen Betrag von über 900 000 Euro ausmacht. 220tsd Euro sollen sich 'Kunden' des Unternehmens allerdings wieder zurückgeholt haben.

900.000 € durch Inkasso-Unternehmen eingetrieben

Da die Kammer ebenso wie der Staatsanwalt - im Gegensatz zu Jörg R.'s Verteidiger - eine 'Wiederholungsgefahr' sah - R. könnte schließlich auch ein anderes Unternehmen zum Eintreiben der Gebühren beauftragen -, sah man sich gezwungen schnell zu handeln und ihn in Untersuchungshaft zu nehmen.

Sein Verteidiger sieht eine Wiederholungsgefahr nicht gegeben, da die Firma EuMedien einen Insolvenzantrag stellen wird und alle Mitarbeiter entlassen habe.

Warum die Seite dann allerdings immer noch online ist, bleibt wohl das Geheimnis des Verteidigers!

Vor genau einem Jahr scheiterte ein Handel zwischen Ankläger und Angeklagten, der eine Haftsrafe zwischen 3 und dreieinhalb Jahren vorsah, wenn man die Opfer entschädigen würde. Da man Seitens der Angeklagten jedoch nur 100.000 € Euro als Entschädigung zahlen wollte, platzte der Deal.

Nur 3 Jahre Haft bei Opfer-Entschädigung

Nun wollte man wohl wieder etwas entsprechendes aushandeln, um den Prozeß in Bälde beenden zu können. Die Verhandlungen sollen Ergebnislos verlaufen sein, da der Ankläger noch 'Ermittlungsbedarf' sieht.

Aber trotzdem könnte der Prozeß tatsächlich bald zu Ende gehen. Die Verteidiger haben für den 1. November - gleichzeitig der nächste Verhandlungstermin - Einlassungen ihrer Mandanten angekündigt.

Es könnten umfassende Geständnisse werden!

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3 Kommentare

  1. Krass finde ich, dass man mit solchen Methoden auf 60.000 Geschädigte kommt. Das „Informationsszeitalter“ scheint noch nicht flächendeckend in der Republik angekommen zu sein.

    • Naja, Du musst aber auch berücksichtigen, was es 2005/06 im Internet gab!

      Da war ausser Foren noch nicht wirklich viel. Zumindest um schnell mal Informationen durch die Republik zu schicken.

      Ob das mit twitter, Facebook und Blogs wie es sie heute gibt auch noch möglich wäre, dermaßen die Leute über den Tisch zu ziehen, ist / wäre sicher eine berechtigte Frage!

  2. Na so was, ich habe grerade Unterlagen aus den letzten Jahren aussortiert und fand noch etwas von den R.’s wie sie hier genannt werden.
    Der Typ war mal bei mir im Büro und hat was gekauft. Hat auch viel Geld dagelassen, und eine weitere Dienstleistung angefragt zu der es aber nie kam. Die dienstleistungen hatten mit dem Fall hier nichts zu tun und schienen völlig legal zu sein. Trotzdem ist es krass wen man manchmal vor sich hat und doch nicht kennt.

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