Olympia 2018


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Wenn morgen im südafrikanischen Durban die Entscheidung des IOC über den Ausrichter der olympischen Winterspiele 2018 fällt, werden in Deutschland vor allem in einer Region viele Menschen mitfiebern: nämlich in Bayern.

Die einen als Befürworter der Spiele, die anderen als Gegner dieses Events.

Als Kandidaten im Rennen sind das südkoreanische Pyeongchang, das französische Annecy und München. Während den Franzosen eher eine Aussenseiterchance eingeräumt wird, werden München und die Südkoreaner als Top-Favoriten gehandelt.

Und aus Deutschland wird alles aufgefahren, was an Prominenz oder Top-Funktionären aufgeboten werden kann. Vom Bundespräsidenten Christian Wulff, über den 'Kaiser' Franz Beckenbauer bis hin zu Münchens Oberbürgermeister Christian Ude ist aus Deutschland einiges vertreten, was in irgendeiner Form der Meinung ist, die Entscheidung pro München beeinflüssen zu können.

Nachhaltigkeit? Ein schönes Wort

Aber auch wenn München zu den beiden Favoriten gehört, werden sie meiner Ansicht nach als Verlierer vom Platz gehen. Und das hat mehrere Gründe:

1.) München und Garmisch - welches ja einen nicht unbeachtlichen Platz im Konzept der bayerischen Landeshauptstädter einnimmt - haben bereits olympische Spiele ausgerichtet. Wenn auch mit anderen Hintergedanken (Garmisch) und mit erheblichen Nebengeräuschen (München).

Südkorea hat mit Seoul 1988 erst einmal Olympische Spiele ausgerichtet.

2. In München und Garmisch ist zwar die Infrastruktur für den Wintersport hervorragend ausgebaut, was auch für den französischen Aussenseiter Annecy gelten dürfte, und somit den - nach offizieller Lesart - Anforderungen des IOC an Nachhaltigkeit entspricht. In Pyeongchang hingegen gibt es so etwas wie Wintersport-Infrastruktur, die den globalen Anforderungen gewachsen ist, meines Wissens nach nicht wirklich.

Expansion statt Stagnation

Und die Wintersport-Verbände, die im IOC vertreten sind, sind sicher nicht an Stagnation sondern an Expansion interessiert. Auch wenn das den bereits erwähnten Anforderungen des IOC nach Nachhaltigkeit widerspricht.

Wann also sollte man die Infrastruktur aufbauen, welche auch den globalen Anforderungen gewachsen ist, wenn nicht zu den Spielen 2018. Schließlich gilt es für Ski-Rennen, Biathlon-Wettkämpfe, Eiskunst- und Eisschnelllauf auf kurz oder lang neue Märkte zu erschließen

3. Die Demonstrationen, Protestaktionen und Widerstände in Garmisch und Umgebung dürften den hohen Herren im IOC ein Dorn im Auge sein. Selbst wenn sie das 'Anerkennend' zur Kenntnis nehmen. Das wird meiner Ansicht nach nicht in das Weltbild dieser mehr oder minder greisen Riege passen.

Da dürfte die morgenländische Kultur dem südkoreanischen Kandidaten in die Hände spielen. Denn wie wir wohl alle wissen, wird dort nicht lange diskutiert, wenn man für irgendein großes Bauvorhaben Platz braucht. Dann werden halt die Menschen kurzerhand umgesiedelt. Auch wenn sie durchaus dagegen protestieren mögen und das nicht unbedingt die feine Art ist. Aber es ist dort die Kultur der Menschen: Wenn Vater Staat was sagt und es dem Ansehen des (Vater)Land(s) zu gute kommt, wird es eben ohne groß zu murren getan.

Mögen auch ein paar wenige dem ganzen zum Opfer fallen und die negativen Konsequenzen tragen müssen.

Asiaten haben den Sieger-Anspruch

4. Auch wenn es natürlich keiner offen zugeben wird, und die Affäre in der FIFA noch vielen in guter Erinnerung sein wird, werden die Verantwortlichen von der koreanischen Halbinsel dem Komitee sehr wahrscheinlich den einen oder anderen Gefallen in Form finanzieller Art oder in Sachmitteln getan haben. Schließlich dient die ganze Geschichte dem Prestige ihres Heimatlandes.

Und wenn die Koreaner sich um etwas bewerben, dann werden sie sicher alles in Ihrer Macht stehende tun, um nicht als zweiter Sieger - und somit als erster Verlierer - über die Ziellinie zu gehen. Schließlich hasst man in Asien nichts mehr als zu verlieren. Egal worum es geht: Man hat den Anspruch Erster zu werden.

Und aufgrund dessen glaube ich, das Franz Beckenbauer, Christian Wulff, Christian Ude und all die anderen deutschen Funktionäre und Würdenträger ihren Trip nach Südafrika eher als Urlaub denn als Erfolg werden verbuchen können oder müssen.

Marcus
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