Deutschland, deine Ärzte

Vor Beschwerden einen Termin geben lassen?


Der Artikel besteht aus 987 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 03:56 Minuten

Medizin

Das im deutschen Gesundheitswesen einiges im argen liegt, darüber gibt es glaube ich keine zwei Meinungen.

Egal ob es die stetig steigenden Kassenbeiträge sind, die ständig steigenden Arzneimittelpreise oder das man immer mehr der Arzneimittel selbst bezahlen muss. Und dann gibt es auch immer wieder ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung anscheinend nur auf dem Lande ein wirklich ernsthaftes ist: Der Ärztemangel!

Aber ist es wirklich so, das es diesen Ärztemangel nur auf dem Lande gibt? Sprich dort, wo es in die nächst größere Stadt vielleicht 20, 30 oder mehr Kilometer sind. Oder gibt es diesen Ärztemangel nicht auch in den Städten?

Sehr wahrscheinlich wird der ein oder andere jetzt sagen: Ärztemangel in der Stadt? Nee, gibt es nicht. Da gibts doch mehr als genug Ärzte.

Einerseits stimmt das natürlich. Denn Ärzte der Allgemeinmedizin oder Zahnärzte gibts fast in jeder 2. Straße. Aber wie sieht das bei spezialisierten Ärzten aus? Gibt es da wirklich genügend? Ich habe nach meinen jetzigen Erlebnissen eher das Gefühl, das es durchaus einen Ärztemangel gibt - nämlich bei den Fachärzten.

Denn ich plage mich seit etwas mehr als 3 Wochen mit etwas herum, das jeder Mensch hat und was im Normalzustand kein Problem darstellt. Vergrößert es sich jedoch, kann es durchaus Probleme bereiten. Die Rede ist von Hämorrhoiden.

Zugegeben nicht gerade ein Thema über das man im Normalfall frank und Frei sowie ohne sich zu genieren spricht. Und dabei soll, wie ich gelesen habe, zumindest jeder 2. Mensch über 50 Jahren an vergrößerten Gefäßpolstern leiden.

Das aber nur am Rande. Nun zum Kern meiner These, das es in Deutschland einen Fachärzte-Mangel gibt, und wie ich darauf komme.

Termin beim Hausarzt: Kein Problem

Wie erwähnt 'quäle' ich mich also mehr oder weniger seit 3 Wochen mit diesen vergrößerten Gesäßpolstern herum.

Zuerst denkt man natürlich, das ist schon nicht so wild und geht schon wieder weg. Aber nachdem das nun mal nicht der Fall war - und ich mich im Netz mal schlau gemacht habe, was das wohl sein könnte (schließlich bin ich ja kein Fachmann und nicht allwissend) - Anruf beim Proktologen, ob man vorbeikommen könnte.

Antwort der Dame am anderen Ende: Gehen Sie erstmal zu ihrem Hausarzt, und wenn es nicht besser wird lassen Sie sich überweisen.

Gut, ein Termin beim Hausarzt stellt - zumindest bei unserem 4.000 Einwohner-Örtchen - kein Problem dar. Wir haben neben 2 Allgemein-Medizinern (einer davon ist gar noch Rettungs-Arzt) sogar noch 2 Zahnärzte. Man geht hin, setzt sich ins Wartezimmer und kommt dann früher oder später an die Reihe.

In meinem Falle war dann die Frage Salbe oder Zäpfchen. Ich entschied mich für letzteres. Und war nach 90 Minuten wieder zu Hause.

Als die Beschwerden - besser gesagt, die unangenehmen Begleiterscheinungen - beim Stuhlgang nach dem Aufbrauchen der Arznei nicht besser wurden, nochmal beim Hausarzt angerufen. Der sagte mir zu, mir eine Überweisung zum Proktologen (Urologen sind in dem Falle die falschen Ansprechpartner) auszustellen.

Ich solle mir einen Termin bei einem bestimmten Arzt besorgen. Er warnte mich aber gleich vor, das das wohl 4 Wochen dauern könne und ich es am besten einfach drauf ankommen lassen solle, indem ich einfach hingehe.

Naja, einfach hingehen? Da werden diejenigen, die sich schon (vor längerer Zeit) einen Termin haben geben lassen, sicher nicht sehr begeistert sein, wenn man sich dazwischen drängelt.

Frühester Termin beim Facharzt: in 6 Wochen

Also rief ich den vorgeschlagenen Arzt an: Anwort auf die Frage nach dem Frühestmöglichen Termin: Mitte August.

Mitte August??? Nee, danke, dann versuche ich es anderweitig.

Nächsten Arzt angerufen: Diagnose? Verdacht auf Hämorrhoiden! Antwort: Der Arzt macht diese Art Untersuchung nur in den Mittagsstunden, und hat noch andere Verpflichtungen. Termin frühestens im Oktober.

Das wird ja immer besser. Beim einen Arzt erst in 6 Wochen, der andere ließe einen mit seinen Beschwerden glatt 12 Wochen + x warten um einen Termin wahrnehmen zu können?

Wo sind wir hier eigentlich? In einem dritte Welt-Land, oder in einer fast 80tausend Einwohner zählenden Stadt einer 'Industrienation'? Und hier gibt es zumindest laut Branchen- und Telefonbuch nur 2 ganze Fachärzte im Bereich der Proktologie?

Aber dann noch etwas, was man wohl einen Geheimtipp nennen könnte. Ich hätte aus dem Telefonbucheintrag jedenfalls nicht geschlossen, das er auch solche Art Untersuchungen durchführt.

'Versuchen Sie es doch mal bei Dr. xy. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber einen Versuch wäre es ja wert.'

Ich war durchaus zögerlich. Schließlich waren die beiden Telefonate ja nun wirklich nicht sehr ermutigend. Trotzdem habe ich heute vormittag um 10 dort angerufen. Und heute nachmittag um halb drei bin ich aus seiner Praxis herausmarschiert.

Zwar nicht mit einer berauschenden Diagnose - es wird vermutlich noch einen chirugischen Eingriff geben -, aber es hätte schlimmer kommen können.

Nun Frage ich mich doch allen Ernstes, wie es sein kann, das man sich in einem 'Industrieland' - wie Deutschland es ja sein soll oder sein will - anscheinend 5 Monate vor möglichen Beschwerden einen Termin geben lassen muss, um Zeitnah behandelt werden zu können und nicht noch Wartezeit in Kauf nehmen zu müssen..

Ich weiß natürlich das das unmöglich ist. Schließlich weiß niemand, ob er in 3, vier oder 5 Monaten an irgendwas erkrankt ist. Aber das Gefühl kam bei mir wirklich auf: Hol Dir heute einen Termin, um mögliche Beschwerden in 6 Monaten möglichst umgehend behandeln lassen zu können.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Gemeint sind jetzt aber wirklich nur Fälle, wo etwas ohne bestehenden Termin akut geworden ist. Nicht solche wo man eh geplant hatte zum Facharzt zu gehen und wo sich dann zwischen dem Zeitpunkt an dem man sich den Termin hat geben lassen und dem tatsächlichen Termin plötzlich Beschwerden in dem entsprechenden Körperteilen eingetreten sind.

Marcus
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