Die Dagegen-Republik


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Im Spätsommer letzten Jahres prägte vor allem wohl der Spiegel die These von der Dagegen Republik

Gemeint war damit die steigende Zahl von Protesten der Bundesbürger gegen Bauprojekte wie Stuttgart 21 oder natürlich auch dem Castor.

Aber gibts das wirklich nur da, wo irgendwas Großes passiert? Oder ist nicht auch schon im kleinen etwas von dieser Ich-bin-dagegen-Mentalität zu sehen und zu spüren? Ich persönlich habe das Gefühl, das letzteres in der letzten Zeit überproportional zugenommen hat.

Das 'gegen etwas' zu sein scheint für manche Leute ein Regelrechtes Hobby geworden zu sein. Oder könnte man nicht auch sagen, das diese Negativ-Einstellung mittlerweile zum Volkssport mutiert ist?

Ich kann mich sehr gut an die Zeit von 30 Jahren hier bei uns im Ort erinnern:

Da brummten nächtelang die Panzer über den Truppenübungsplatz am Rand unseres Ortes, und somit nur etwa 600 m vor unserer eigenen Haustür. Aber sie brummten nicht nur, sie liessen es auch oft des Nächtens stundenlang knallen und ballern. Und natürlich waren nicht nur Kanonenschüsse zu hören, auch Maschinengewehrsalven waren mehr als einmal so zu hören, als wäre der TrpÜbPl nicht 600 m von unserem Haus entfernt, sondern als ständen die Schützen fast vor unserer Tür.

Aber ich kann mich nicht entsinnen, das jemand im Ort sich über die 'blöde Bundeswehr' geärgert oder aufgeregt hätte. Sie gehörte einfach zum Ort dazu. Und auch das die Panzerkolonnen mitten durch unseren Ort fuhren hat nicht zu wirklichen Protesten geführt.

Und heute?

Heute wird sich über die Flieger vom nahen Flugplatz aufgeregt, die am Wochenende zum starten und landen ansetzen. Und das obwohl es - wohlgemerkt - schon seit mehr als 30 Jahren so zugeht.

Anwohner fühlen sich von der Geräuschkulisse eines Fahrsicherheitszentrums in ihrer Wochenendruhe gestört. Und Studenten dürfen auf dem Uni-Campus nicht mal ein Event durchführen, ohne das gleich jemand das Zetern anfängt und sich über zu laute Musik aufregt.

Und dieses Verhalten scheint vor allem in den letzten 12 Monaten immer mehr um sich zu greifen.

Da stellt sich mir die Frage nach dem Warum und woher kommt das?

Ist das die Unzufriedenheit der Leute an sich? Sind die Leute so gefrustet, das sie anderen ihren Spaß nicht gönnen. Das sie anderen das Hobby vermiesen wollen? Oder haben die Menschen einfach zuviel Zeit, um sich über so etwas aufzuregen?

Was würden die Südeuropäer, wie zum Beispiel die Spanier oder Italiener, dazu sagen, wie sich diese Leute verhalten? Würden die denen zustimmen, oder sich nur vor den Kopf fassen und fragen über was zum Teufel sich die Deutschen eigentlich aufregen?

Denn wenn man die Griechen, Spanier, Portugiesen, Italiener - und was da unten noch so rumfleucht - mal beim Feiern gesehen hat (und sei es nur via TV), weiß man das es da ganz anders abgeht. Dagegen sind wir nicht mal Amateurklasse.

Und wie weit her ist es mit der Berechtigung, sich über so etwas aufregen zu dürfen?

Wer in einer Stadt wohnt, muss doch damit rechnen das es nachts um zwei nicht so ruhig ist wie vor zwanzig Jahren im Zonenrandgebiet an der deutsch-deutschen Grenze.

Wenn man nachts nicht von Musik gestört werden will, muss man sich dann nicht entweder Ohropax in die Ohren stopfen oder sich nen Bunker mit 1 m dicken Betonwänden bauen und da einziehen? Sollte man dann nicht zu guterletzt dorthin ziehen, wo im Umkreis von einem Kilometer kein Haus, keine Straße und kein Geschäft steht?

Dann kann man wenigstens sicher sein, seine Nachtruhe zu haben. Die ganz krasse Methode wäre, man schaltet von 22 h abends bis 6 h morgens in den Städten den Strom ab. Dann wäre man vor allem, was auch nur im Ansatz eine Lärmquelle sein könnte, gefeit.

Und wie steht es mit den Leuten selbst, die sich über den 'Krach da draußen' aufregen? Sind die besser, als jene über die sie sich aufregen? Oder sind sie nicht genauso schlimm - und merken es bloß nicht (mehr)

Sind das nicht (auch) die Raser, die mit getunten Karren über den Asphalt brettern, die mit ihrer Klavierklimperei die Nachbarn um den Verstand bringen und die mehr als einmal im Monat nach 22 h noch draußen auf dem Balkon / der Terasse sitzen und andere mit ihrer Grillfete zudunsten?

Marcus
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