Don Jupp und die Bayern

...eine vernünftige Entscheidung?


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Als Jupp Heynckes am Montag verkündete, nicht über die Saison hinaus für Bayer Leverkusen tätig zu sein, warteten viele (vergeblich) darauf, das er im gleichem Atemzug seinen Wechsel zum FC Bayern München bekanntgeben würde.

Nun, 4 Tage später ist die Katze aus dem Sack und der Klub von der Isar hat die Verpflichtung von Don Jupp für zwei Jahre bekanntgegeben.

Für viele eine mehr als logische Entscheidung der Führung des Deutschen Rekordmeisters. Ist es doch erstens endlich an der Zeit, den in der Lightversion wieder aufgekommenen FC Hollywood zu begraben und wieder in die sportlichen Sphären vorzustoßen, in die der Klub von der Säbener Straße nach eigenem Verständnis gehört: möglichst Meilenweit vor dem Rest der Liga auf dem ersten Tabellenplatz stehend - und damit sicher die Teilnahme an der Champions League in der Tasche zu haben.

Logische Entscheidung?

Zum zweiten galt und gilt der noch dort tätige niederländische Trainer Louis van Gaal als Sturkopf, der nur seine eigene Meinung berücksichtigt und daher als 'Beratungsresistent' verschrien ist. Sehr zum Leidwesen des vor etwas über einem Jahr zum Präsidenten aufgestiegenen Uli Hoeneß.

Da er sich - anders als sein Vorgänger Franz Beckenbauer - wohl mehr als aktiver denn im Hintergrund passiv agierender Präsident in Sachen Tagesaktueller Geschehnisse im Verein sieht,  hat es ihn vor allem wohl persönlich sehr getroffen, das Louis van Gaal seine Ratschläge gar nicht erst angenommen und daraus resultierend auch nicht umgesetzt hat.

Schließlich kannte er es aus seiner mehr als zwei Jahrzehnte währenden Manager-Tätigkeit für den Verein wohl nicht anders, als das er den Trainern unter seiner Ägide seine Meinung und Ratschläge mitteilte, und diese sie zumindest mit ins Kalkül zogen.

Mit seiner Meinung auf taube Ohren zu stoßen, das dürfte ihn mit Don Jupp als Trainer nicht passieren. Der wird sich sicherlich regelmäßig anhören, was sein Freund und Wieder-Vorgesetzter bezüglich irgendwelcher anstehender Entscheidungen zu sagen hat.

Hier könnte es - wie auch vereinzelt in den Medien spekuliert wurde - höchstens ein Problem geben, sollte auch der Trainer-Oldie mit der Mannschaft hinter den Erwartungen zurückbleiben. Aber soviel Geschäftsmann sollten die beiden in ihrem Alter denke ich schon sein, das die enge private Beziehung nicht unter irgendwelchen geschäftlichen Misserfolgen leiden sollte.

Klinsmann ein Hindernis für unverbrauchte Trainer?

Aber ist die Entscheidung auch ansonsten die richtige, oder verpasst der Klub nicht auch eine große Chance?

Ich denke schon, das man es durchaus hätte in Erwägung ziehen sollen, einen unverbrauchten Trainer aus der zweiten oder dritten Reihe zu verpflichten. Natürlich ist die Maxime der Münchener einzig und allein der Erfolg. Aber wer immer nur auf schon fertige Trainer setzt, geht auch das Risiko ein, welches sich jetzt bei dem zum Ende der Saison scheidenden Niederländer gezeigt hat: Beratungsresistenz, Egoismus und Engstirnigkeit.

Solch einen unverbrauchten Trainer könnte man sich dann auch ein klein wenig 'erziehen'. Auch wenn vielleicht in dem ersten Jahr möglicherweise die europäischen Wettbewerbe verpasst würden. Aber man hätte dann ein wenig mehr Perspektive als die jetzt mit Heynckes vereinbarten zwei Jahre.

Aber diese Herangehensweise hat man wohl in Erinnerung an die Bauchlandung mit Jürgen Klinsmann von vornherein nicht in Erwägung gezogen.

Was mir bei dieser ganzen Geschichte aber mächtig sauer aufstößt, ist dies blöde Gefasel von Wettbewerbsverzerrung und dem, was man Jupp Heynckes jetzt unterstellt bzw. versucht zu unterstellen. Nämlich das dieser jetzt wohlmöglich sein Engagement beim Pillen-Klub schleifen läßt, damit sich Bayern statt Bayer direkt für die Champions-League qualifiziert.

Glaubt wirklich jemand ernsthaft, das Jupp Heynckes seinen Spielern jetzt sagt, verliert mal vier der restlichen 7 Spiele, damit ich mit meinem neuen Klub definitv in der Champions-League kicken kann?

Wirklich eine Wettbewerbsverzerrung?

Denn die Bayern liegen nur schlappe 7 Punkte hinter Bayer. Das heißt also schon von vornherein, das der Werks-Klub drei Spiele verlieren muss, um möglicherweise von den Bayern überholt zu werden. Nicht zu vergessen, das die ja dann auch ersteinmal die selbe Anzahl an Spielen gewinnen müssten, um die Elf von Sportdirektor Rudi Völler zu überflügeln.

Und was man auch nicht vergessen sollte: Nicht Heynckes und Leverkusen sind daran Schuld, das die Lederhosen-Jungs um die Champions-League respektive die Qualifikation für selbige bangen müssen. Sondern die Münchener selbst sind es.

Warum also sollte sich Heynckes um den Erfolg seiner Arbeit - die ihm ja bei einer möglichen direkten Qualifikation sicher auch mit ein paar Euros versüßt wird - bringen und sein Ansehen sowie seinen Ruf ruinieren? Nur damit Bayern gut da steht?

Das dürfte selbst eine Mega-enge Freundschaft nicht wert sein.

Marcus
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