Die Ansprache beim Bloggen

Ist ein 'Sie' hier fehl am Platz?

Der Artikel besteht aus 562 Wörtern. Geschätzte Lesezeit: 02:14 Minuten

Jeder Blogger kommt nicht drumherum, mit seinen Lesern zu kommunizieren. Jedenfalls solange er nicht einen Einbahnstraßen-Blog betreiben will.

Und dann stellt sich sehr schnell auch die Frage nach der Anrede der Besucher. Oder stellt sie sich doch nicht?

Nun ja, jedenfalls stellt Martin - oder doch Herr Missfeldt? - vom Webmaster-Friday diese Frage in den Raum: Du oder Sie beim bloggen ?

Als Kinder lernen wir - zumindest die meisten von uns -, das man jemanden den man nicht kennt zu Siezen hat. Dies wird uns als eine Form der Höflichkeit und des Respekts beigebracht.

Also müsste es beim bloggen folglich 'Sie' heißen, wenn man seine Leser in einem Artikel oder Kommentar anspricht. Denn schließlich kennen die wenigsten Blogger ihre Leser oder Kommentatoren persönlich.

Aber macht man das wirklich?

Ist es nicht vielmehr das Wesen der Bloggerei, seine Leser zu Duzen? Und ist das wirklich weniger respektvoll und weniger höflich?

Eigentlich - davon gehe ich aus - kommt es vielmehr auf den Artikel selbst als auf die Anrede an. Schließlich kann ich auch respektlos und unhöflich sein, wenn ich jemanden Sieze.

Denn eine blöde Kuh zum Beispiel bleibt eine blöde Kuh. Egal ob das Du oder das Sie davor steht. Die betreffende Person dürfte emotional keinen Unterschied feststellen. In beiden Fällen dürfte sie gekränkt sein.

Dazu kommt, das - wie ich glaube - unter den Sprachen die Deutsche so ziemlich die einzigste ist, die zwischen dem Sie und dem Du unterscheidet.

Die englische Sprache kennt in diesem Zusammenhang nur das 'You'. Damit wird der Freund genauso angesprochen, wie jemand wildfremdes, den man nach dem Weg fragt.

Aber gibt es auch Blogs, wo das Sie durchaus angebracht wäre?

Ich denke, das ist kaum der Fall. Zumindest ist mir noch keiner untergekommen, wo das 'Sie' zwangsläufig sein müsste.

Ein anderer Aspekt, der in der Frage von Martin noch drinsteckt, ist die Frage nach den Auswirkungen der Ansprache auf den Blogs auf unseren persönlichen Umgang miteinander.

Verändern die Blogs unser Zusammenleben dahingehend, das wir auf der uns deutschsprachigen Landsleuten speziellen Unterscheidung zwischen der förmlichen und persönlichen Anrede irgendwann mal verzichten werden können? Oder wird es auch in 20 Jahren noch beim Sie des Chefs und dem Du beim Kollegen bleiben?

Auch wenn man heute in Business-Netzwerken wie XING durchaus teilweise das Du schon pflegt, so glaube ich, das das Sie auch im Jahr 2030 noch nicht verschwunden sein wird.

Warum ich das glaube?

Weil, um bei dem Beispiel Business-Netzwerken zu bleiben, das Du meistens erst dann stattfindet, wenn man schon näheren persönlichen Kontakt in Form von persönlichen Treffen, Nachrichten oder Telefonaten gehabt hat. Bloße (Antwort-)Posts reichen in diesen Fällen auch heute im Normalfall nicht aus, um das Sie dem Du weichen zu lassen.

Zudem denke ich durchaus, das man die Generation der 68'er in gewisser Weise mit der Blogger-Generation von heute vergleichen kann. Natürlich nicht in allen Punkten.

Aber genau wie die Generation von damals etwas verändert hat, verändert die bloggende Generation von heute auch etwas.

Nur eines hat sich - bei allem freizügigeren Verhalten das die heutige Senioren-Generation damals angeschoben und durchgesetzt hat - nicht geändert: Der Chef wurde damals geSiezt, wird es heute und vermutlich auch noch in der Mitte des 21. Jahrhunderts.

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5 Kommentare

  1. Ich habe viele meiner Chefs nicht gesiezt und auch bei meinem Mann in der Firma werden Chefs nicht gesiezt. Ich denke das Thema ist langsam aber sicher auch schon überholt 😉

    • Hallo Tanja!

      Das das Thema überholt ist, denke ich nicht wirklich!

      Ich denke eher, das es da auch auf die Struktur und das Wesen eines Unternehmens ankommt, ob dort gesiezt oder geduzt wird. Wer mit seinem Chef sozusagen auch Bautechnisch auf einer Höhe sitzt oder steht, der Duzt ihn vielleicht eher, als jemand, dessen Chef 10 Stockwerke über einem thront.

      Und auch in einem Unternehmen dessen Wesen eher sehr persönlich als Distanziert ist, wird wohl eher das Du an der Tagesordnung sein. Oder anders ausgedrückt, je öffentlicher desto weniger dürfte das Du angetroffen werden.

      Ich kann mir daher eher vorstellen, das sich der Chef einer Baufirma öfters von seinen Mitarbeitern duzen lässt, als das der Vorstandschef einer Bank machen würde.

  2. Ich kann nur soviel sagen, mein Mann arbeitet in einem großen namhaften Unternehmen der IT-Branche, sieht seine „höherrangigen Chefs“ (in dem Gebäude gibt es mehr als 20 Stockwerke) so gut wie nie, doch wenn, dann werden die auch geduzt und haben sich das auch ausdrücklich erbeten 😉

    Meine persönlichen Erfahrungen gehen eher in die Richtung der internationalen Unternehmen (TK-Branche), wo die Chefs fast alle durch die Reihe (bis ganz nach oben) kaum bis kein deutsch sprachen, aber trotzdem mit Vornamen angesprochen wurden.

    In meinen vielen Jahren der Berufstätigkeit habe ich unterm Strich eines gelernt: Respekt, Höflichkeit und auch Distanz brauchen nichts mit der Wahl der direkten Ansprache zu tun. Bei mir haben sie auch so gar nichts damit zu tun und wenn jemand von mir gesiezt oder geduzt werden möchte, dann kann er/sie das haben, und wird dabei so ganz und gar nicht anders behandelt als in der umgekehrten Anspracheform.

  3. Wollen wir es hoffen. Aber so wirklich glaube ich nicht dran. Ich denke vor allem auch, dass die Leute, die auf das „Sie“ bestehen in den meisten Fällen ein dickes Problem mit ihrem Selbstwert haben und dass der Respekt etc. den sie nur im „Sie“ sehen, ihnen dabei hilft sich selbst besser zu fühlen… geht in meinen Augen wesentlich mehr in die Psychologie als wir zu denken wagen…

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