Reform der Fussball-Bundesliga sinnvoll?

Leverkusens Holzhäuser plädiert für Extra-Meisterschaftsrunde

Mindestens bis zum 27. Spieltag der diesjährigen 1. Fussball-Bundesliga gehörten noch mindestens 7 der 18 Klubs des Fussball-Oberhauses zu den Kandidaten, denen am Ende der Saison der 17. oder 16. Platz – und somit ein direkter Abstiegsplatz oder die Relegation – drohte.

An der Spitze der Liga gehörte neben Bayern und Dortmund auch noch der FC Schalke 04 zum Trio mit Aussicht auf die Meisterschaft und somit auf die direkte Qualifikation zur Champions-League. Mit Abstrichen ist hier natürlich auch noch die Fohlen-Elf von Borussia Mönchengladbach zu nennen.

Weitere 5 Klubs rangeln sich um die direkte Teilnahme an der Europa-League, bzw. um den Platz für die entsprechende Qualifikation. Somit sind jetzt bis auf vielleicht 2 oder 3 Klubs alle Mannschaften noch in irgendeinen Kampf um oder gegen bestimmte Plätze verstrickt.

Mithin könnte man meinen, spannender ginge es nicht mehr. Aber für Wolfgang Holzhäuser, den Boss von Bundesligist Bayer 04 Leverkusen ist das anscheinend noch nicht genug.

Vor kurzem plädierte er für eine Reform der 1. Fussball-Bundesliga.

Dabei schwebt ihm nicht etwa eine Reduzierung der Anzahl von Mannschaften – und somit eine Verringerung der Spiele pro Mannschaft – vor! Nein, im Gegenteil!

Holzhäuser spricht sich dafür aus, nach den regulären Hin- und Rückspielen noch eine Finalrunde der Besten 4 Mannschaften auszutragen, die dann unter sich den Meister ermitteln. Das wären dann für den Klub der letztlich die Meisterschaft erringt mindestens 2 Spiele mehr – Halbfinale und Finale. Käme für das Halbfinale noch ein Rückspiel hinzu, wären es schon 3 Spiele.

Aber nicht nur für den Kampf um den Meistertitel schwebt dem Herrn vom Rhein eine Änderung vor. Nein! Auch will er die Spiegelung von Hin- und Rückrunde aufheben. Die Paarungen der Rückrunde sollten sich nach den Vorstellungen des Pharma-Klub-Chefs aus dem Tabellenstand nach der Hinrunde ergeben.

Damit möchte er erreichen, das Spielpaarungen welche den Titelkampf entscheiden dürften, erst zum Ende der Saison stattfinden anstatt – wie es jetzt möglich ist, schon Wochen vor Saisonabschluss. Damit soll Holzhäusers Ansicht nach gleichzeitig verhindert werden, das Klubs, für die es im letzten Fünftel der Saison um nichts mehr geht weil sie jenseits von Gut und Böse stehen, den Wettbewerb verzerren.

Meinem Verständnis nach hieße das aber gleichzeitig, das der Abstiegskampf schon Wochen vor Ende der Saison beendet sein könnte.

Denn wenn alle Meisterschaftsanwärter schon die ‘Kellerkinder’ gespielt haben, ist meist auch entschieden wer Absteigt oder – sofern sie gespielt wird – in die Relegation muss. Schließlich nehmen sich – diese Saison den FCK mal aussen vor gelassen – die potentiellen Abstiegskandidaten in ihrer Qualität nicht allzuviel!

Da frage ich mich allen Ernstes, weshalb sollten Fans von Klubs für die zum Beispiel schon nach dem 25. Spieltag mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit feststeht das sie vermutlich absteigen dann noch in die Stadien strömen? Selbiges, nur entsprechend gegenteilig, gilt für den Kampf um die Meisterschaft:

Warum sollten Fans von Klubs, die um den Titel kämpfen, nach der Hinrunde vor dem 28. oder 30. Spieltag noch wie heute in Massen in die Stadien strömen, wenn diese gegen vermeintliche Abstiegsaspiranten antreten. Zumal die entsprechende Jahreszeit ja zu der kältesten überhaupt gehört, zu der gespielt wird! Da kann man doch schön im warmen Sessel von zuhause aus per Fernsehen zuschauen!

Ich denke, das das Letzten Endes die Schere zwischen den Klubs dann doch nur wieder vergrößern dürfte! Die einen verdienen sich an der zusätzlichen Meisterrunde ein paar Hunderttausend Euro, während die Abstiegsgefährdeten Klubs die Hälfte der Rückrunde vor leeren Rängen kicken und mehr und mehr Miese einfahren!

Konterkarierend finde ich diese Überlegungen u.a. aber auch, wenn man sich mal vergegenwärtigt wie sehr die Klubs sich über die immer stärker steigende Belastung ihrer Spieler beklagen. Und nun überlegt man allen Ernstes, für 4 Klubs noch 3 oder sogar 4 Spiele (Final-Rückspiel) hinten dran zu hängen?

Man sollte sich vielleicht mal anschauen, wo die Klubs aus Ländern stehen in denen solche ‘Extrarunden’ gespielt werden! Russland, Israel Belgien oder Schottland gehören glaube ich nicht mehr / gerade zur Elite des europäischen Fussballs, oder irre ich mich da?

Gehört dieser Vorstoß pro Reform also eher zur Kategorie ‘Typisch Holzhäuser’? Denn es ist ja allgemein bekannt, was für einen Blödsinn der Mann gerne redet – und vor allem im letzten Vierteljahr geredet hat!

Oder gründen diese Überlegungen nur in dem Wissen Holzhäusers, das Leverkusen anderweitig einfach keine andere Möglichkeit hat, sich jemals mehr als den Titel ‘Vizekusen’ zu sichern? Denn bis Leverkusen nach den jetzigen Regularien Deutscher Meister wird, geht wohl die übernächste Generation als Mittvierziger in die Stadien ;)

Update 20.04.12: Jetzt scheint ob der gesteigerten TV-Gelder für die Spielzeiten 2013 – 2017 neben Holzhäuser offenbar auch Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen ins Delirium gefallen zu sein. Plädiert er doch für eine Aufstockung der 1. Fussball-Bundesliga auf 20 Vereine!

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4 Kommentare zu Reform der Fussball-Bundesliga sinnvoll?

  1. Horst Schulte // 8. April 2012 um 13:06 // Antworten

    Ich finde die Organisation der Liga gut so, wie sie heute ist. Das würde der Qualität des Sports bestimmt nicht gut tun. Außerdem riecht das auch danach, dass dahinter nur finanzielle Interessen liegen. Um den Sport geht es dabei eher weniger.

  2. Hinter dem Vorschlag stehen doch rein finanzielle Aspekte. Extra-Runden bedeuten Extra-Spiele im TV – und das bedeutet mehr TV-Einnahmen.

    Es mag sogar sein, dass solche Runden die Sache noch spannender machen könnten, dennoch bin ich aus rein sportlicher Sicht dagegen. Und das, obwohl “mein” Verein (Bor. M’gladbach) letzte Saison von so einer Extra-Runde (Relegation) profitiert hat und nicht absteigen musste. Allerdings bin ich grundsätzlich der Meinung, dass der, der es nach 34 Spielen geschafft hat, die meisten Punkte im direkten Vergleich zu den übrigen Mannschaften zu erlangen, die Meisterschaft ebenso verdient hat, wie diejenigen, die die wenigsten Punkte haben, entsprechend absteigen sollten.

    Zwischenrunden wie die Relegation oder die angedachte Ausspielung des Meisters unter den besten vier sind sportlich gesehen allesamt unfair, da sie nicht auf die Gesamt-Meisterschaftsrunde abstellen, sondern letztlich auf einige wenige K.O.-Spiele.
    Sascha letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Warum diskutieren wir nicht bis zum Ende?

  3. Ich halte auch nichts von dieser Idee. Noch mehr Spiele bedeuten noch mehr Belastung für die Spieler und damit abnehmende Spielqualität. Gladbach-Fans haben diese Doppelbelastung ja zuletzt erlebt. Nach dem aufreibenden 120-Minuten-Spiel gegen Bayern im DFP-Pokal ging nach der 70. gegen Hoffenheim nichts mehr. Große Vereine können das ja noch kompensieren (mehr Leute auf der Bank), aber für die “Kleinen” wäre das eine zusätzliche Benachteiligung.

  4. Ich glaube , dass sich die Mehrbelastung der Spieler negativ auf die Spielweise auswirkt. Fussball wird dann einfach nicht mehr so schön zum ansehen sein.

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