Ja gehts denn noch?

Samstags ist der Tag des Kaufrausches für die meisten Menschen. Das weiß ich mindestens seit dem ich Ende der 1980er Jahre meine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel absolvierte! Auch wenn dieser Kaufrausch mehr im Bereich der Lebensmittel als im Bereich des Non-Food wie z. B. einem Baumarkt – wo diese meine Ausbildung stattfand – tobt!

Ganz schlimm wird es – dann allerdings auch in großen Bereichen des Non-Food-Sektors – bekanntlich in den Wochen vor Weihnachten. Da fragt man sich manchmal unwillkürlich wo all diese Menschen wohnen können, die einem plötzlich im Gedränge der Städte fast auf die Füße treten.

Dabei hat man sich ja mittlerweile an die – aus meiner Sicht – aberwitzigsten Öffnungszeiten vor allem der Lebensmittelmärkte gewöhnt. Sofern man sich denn wirklich daran gewöhnen kann, das irgendwelche Märkte bis abends um 23 h geöffnet haben.

Aber was ich heute bei Kaufland sah, zog mir sprichwörtlich die Schuhe aus! Da hing doch tatsächlich ein Schild, auf dem folgendes zu lesen war:

Öffnungszeiten:

24.12. 7:00 h – 14:00 h

31.12. 7:00 h – 18:00 h

Da stelle ich mir doch die Frage: Ja gehts denn noch, Silvester bis 18:00 h?

Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt: Wer – auch oder gerade erst recht – an Silvester um 14 h noch nicht alles eingekauft hat, was er (zum Feiern) braucht, wird es auch um 18 h nicht haben. Daher frage ich mich:

Wem fällt denn bitte schön so ein Schwachsinn ein?

Last-Minute-Einkaufende gibt’s egal bei welchem Ladenschluß

In der Tat gibt es Leute, die bis so spät noch einkaufen. Als da vor allem die wären, die in der Regel 5 Minuten vor Ladenschluss kommen und ihren Großeinkauf tätigen wollen. Und bei denen spielt es keine Rolle, ob das 12:, 13:, 16: oder 17:55 h ist.

Von daher haben die Fillialleiter und die Geschäftsführung der Tochter der Schwarz Unternehmensgruppe durchaus ein Argument auf ihrer Seite. Aber ein sehr schwaches wie ich finde.

Wer denkt bei diesen völlig irrsinnigen Öffnungszeiten (eigentlich) an die VerkäuferInnen, die durch den Stress in der (Vor)Weihnachtszeit eigentlich schon genug leisten als das sie dann noch dafür bestraft werden, auch Silvester noch bis in den späten Abend buckeln zu ‘dürfen’.

Noch schlimmer aber – und auch das kenne ich aus Erfahrung – trifft es ja die Kassiererinnen. Denn den Stress, den diese Mädels – vor allem eben Samstags – haben, haben die ‘normalen’ VerkäuferInnen nicht Ansatzweise. Letztere können sich vor allem mal eben kurz zurückziehen, wenn’s dann doch mal ein wenig heftig(er) wird oder wurde. Dann drückt es vielleicht als Ausrede ein paar Mal häufiger auf der Blase oder was auch immer.

Nur diese Ausflüchte kann eine Kassiererin doch glatt vergessen!

Und noch etwas wird bei Kassierern / Kassiererinnen gerne übersehen, wenn man als Kunde fünf vor Ladenschluß kommt und dann noch seinen (Groß)Einkauf tätigen will: Während die ‘normalen’ VerkäuferInnen nämlich ihren Kittel ausziehen, stempeln gehen, sich ins Auto setzen und weg sind, sitzt eine Frau von der Kasse mindestens noch eine Viertelstunde an ihrer Abrechnung. Und das auch nur, solange alles im Grünen Bereich ist. Fehlt in der Abrechnung auch nur ein Cent, kann’s auch schon mal ‘ein paar Minütchen’ länger dauern!

Dann kann es im schlechtesten Falle also 19 h oder sogar noch später werden, bis eine Kassiererin auf dem Weg nach Hause ist.

Aber muss das ausgerechnet auch an Silvester so sein? Viele Silvesterfeten gehen um 20 h, spätestens aber gegen 21 h los. Das kann eine Verkäuferin, vor allem jedoch eine Kassiererin die bis abends 18 h gearbeitet hat, doch dann glatt vergessen, oder?

Die Geschäftsführung sonnt sich Silvester in der DomRep?

Und während also die VerkäuferInnen und vor allem die KassiererInnen angeschissen sind, und sie ihr Silvester – wahrscheinlich auch noch mit Urlaubssperre – quasi abhaken können, macht die Geschäftsführung in Neckarsulm sich einen Lenz und feiert womöglich noch im Urlaub in der DomRep!?!?

Wer also lässt sich einen solch groben Unfug einfallen? Macht sich die Branche damit nicht nur die Leute sondern auch den Nachwuchs kaputt?

Denn mal ernsthaft:

Mag heute noch irgendjemand wirklich freiwillig VerkäuferIn oder Kaufmann /-frau im Einzelhandel lernen, und das nicht nur um überhaupt eine Ausbildung zu haben – egal welche? Sondern um den Beruf auch länger auszuüben als nur die 2 oder 3 Jahre während der Ausbildung, wenn die ‘tolle’ Aussicht besteht Heiligabend und Silvester zukünftig vermutlich in den Wind schreiben zu können?

Schlechte Aussichten fürs Verkaufspersonal

Beim Kaufmann im Einzelhandel mag das vielleicht nicht so ins Gewicht fallen, da man mit dieser Ausbildung ja auch selber einen Laden aufmachen könnte. Aber als bloße(r) VerkäuferIn hat man doch die Arschkarte gezogen!

Wenn ich mal so in die Zukunft orakele, kann ich mir nämlich glatt auch vorstellen das wir es irgendwann wirklich mit amerikanischen Verhältnissen im Einzelhandelssektor zu tun haben werden. Und das heißt dann: rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Und das egal ob an Silvester, Ostern oder eben Weihnachten.

Wollen wir das wirklich?

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6 Kommentare zu Ja gehts denn noch?

  1. Immer die armen Verkäufer(innen)… und was ist mit den ganzen Menschen die in einer Branche arbeiten die 7 Tage die Woche / 24 Stunden laufen muss? An die denkt irgendwie nie jemand und das sind mehr als genug. Ich find es sehr gut wenn man bis 18 Uhr einkaufen kann, den es gibt eben auch noch andere Leute außer Verkäufer(innen) die Samstags arbeiten müssen. Dürfen die nicht einkaufen? Aber ich denke das ist so ein berühmtes Streitthema wo es immer verschiedene Meinungen geben wird :-)
    Markus letzter Artikel auf dem eigenen Blog: Kurth zweifelt an Wulffs Eignung für Präsidentenamt

    • Hallo Markus!

      Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht:

      Das Thema im Artikel ist nicht irgendein Samstag im Oktober. Da spricht durchaus nichts dagegen, das man Samstags bis 18 h einkaufen kann. Das musste ich 1990 schon mitmachen!

      Sondern ich rede hier ausdrücklich von einem Samstag im Dezember, an dem für uns alle zudem so etwas sinnfreies und unwichtiges wie Silvester ist ;)

      Natürlich gibt es auch andere Berufsgruppen, die Samstags und Sonntags arbeiten. Viele davon auch noch in Schichtarbeit!

      Aber mal ehrlich: Werden die – bis auf Polzei, Feuerwehr und Rettungsdienst – dermaßen gefordert wie die VerkäuferInnen im Dezember und im Gegenzug dafür mit einem Salär abgespeist, das es einem die Tränen in die Augen treibt?

      Oder möchte irgendjemand behaupten, VerkäuferInnen würden ent- und ansprechend entlohnt?

      Dazu kommt: In welchem Wirtschaftszweig wurden die Öffnungszeiten in den letzten Jahren dermaßen ausgedehnt wie im Handel, und das, ohne das das Personalniveau auch entsprechend angehoben wurde??

      Und damit meine ich jetzt nicht 400 €-Kräfte, die mal kurz ne Woche angelernt werden und dann zusehen dürfen wie sie klar kommen, sondern von ausgebildeten Kräften die auch Ahnung von dem haben was sie da tun.

  2. Damit die Kassen klingeln ist jedes Mittel recht. Hiermit erklärt sich glaube ich das gesamte Ladenschlussgezedere.

    Ob das wirklich sein MUSS? Ich meine nein. Ob nun Silvester oder nicht spielt keine Rolle. Ich kaufe weder Silvester um 18 Uhr ein noch tu ich das an irgendeinem anderen Tag um 22 Uhr. Eines ist aber klar, mehr wird deswegen nicht verkauft. Weil wenn ich 1 Kilo Fleisch brauche kaufe ich “mitten in der Nacht” deswegen keine 2 Kilo :-) .

  3. Ich arbeite selbst als Kassiererin bei Kaufland und hab auch schon an Silvester gearbeitet. Ich finde es überhaupt nicht schlimm so lange zu arbeiten. Und ich finde es ist sehr Kundenfreundlich. Bei uns freuen sich die Kunden immer, wenn wir ihnen sagen wie lange wir offen haben :-)
    Und das mit der Abrechnung stimmt nur zum Teil. Bei uns müssen wir das nicht mehr selbst abrechnen. Wenn wir also 18 Uhr schließen sind wir meistens spätestens 18:15 Uhr draußen. Ist also alles halb so wild. Und Leute, die erst 14:00 Uhr Feierabend haben können nochmal einkaufen kommen. Bevor man sich also aufregt sollte man sich beide Seiten anschauen und nicht wild rumspekulieren ;)
    Trotzdem nett, dass du an uns Kassierer denkst, sowas freut einen zu hören bzw. zu lesen :-)
    Ps. Und auf Toilette dürfen wir auch gehen ;-)

    Liebe Grüße,
    Kyu

    • Hallo Kyulala!

      Danke für Deinen – sozusagen – Live-Bericht. Das ist schön zu hören, das sich da in den Jahren anscheinend wirklich etwas getan hat. Als ich Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre meine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel gemacht habe, mussten wir noch selbst abrechnen. Und das konnte sich schon ziehen.

      Mir geht es, vielleicht ist das nicht sehr deutlich geworden, nicht um jene, die wohl wirklich keine andere Wahl haben, an Silvester nach 14 h einzukaufen als um jene, die egal bei welchem Ladenschluss um 5 vor zu auf der Matte stehen, und meinen, die VerkäuferInnen hätten nichts anderes zu tun, als auf sie – die immer die selben sind – zu warten.

  4. Danke für Deine deutliche Meinung!

    Nur vergisst Du bei Deiner Argumentation leider, das der 24. Dezember auch kein Feiertag ist. Aber da machen die Geschäfte komischerweise schon um 14 h zu.

    Und bitte was ist

    der rest von deutschland

    ?

    An Sivlester arbeiten genau die gleichen Handwerke, die auch am 24. Dezember arbeiten. Keiner mehr und keiner weniger.

    Desweiteren: Wenn Du nur die ersten beiden Absätze gelesen haben solltest, dann ist Dir leider die Grundaussage des Artikels entgangen. Denn die Leute, die man damit trifft, das man um 14 h schließt, die trifft man auch damit, das man um 16 h, 17 h oder um 18 h dicht macht.

    Denn das sind die 5-Minuten-vor-Ladenschluss-Einkäufer.

    Also: nicht der Artikel ist großer Schwachsinn, sondern Dein undifferenzierter Kommentar. Aber das kann man von jemandem, der von der Arbeit als Verkäufer(in) bzw. Kassierer(in) keine Ahnung hat, bzw. dem ganz offensichtlich das Verständnis für diese Berufe fehlt, wohl kaum erwarten

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