Das bedingungslose Grundeinkommen

eine Möglichkeit, die gesellschaftliche Schräglage geradezurücken

| 3 Kommentare

Zuletzt geändert oder ergänzt wurde er am: Dienstag, 17.04.2012

Die Generation, die nach dem zweiten Weltkrieg in das Berufsleben startete, mag es nicht unbedingt besser gehabt haben als die Generationen die heute, in naher Zukunft und seit dem Ende der 1990er Jahre von der Schule kommen oder kamen und mit einer Ausbildung ins Berufsleben starte(te)n. Sofern sie denn eine Ausbildung machen können oder konnten.

Aber sie konnten sich im Großen und Ganzen sicher sein, das sie Arbeit haben werden.

Das sieht heute wesentlich anders aus. Überall werden Arbeitsplätze abgebaut, weil die Gewinne nicht so hoch ausfallen wie die Aktionäre das erwarten. Und wer in der Schule hie und da vielleicht überfordert war, hat im Normalfall überhaupt keine Chance einen Job zu erhaschen.

Diese und die anderen 'freigestellten' Berufstätigen liegen somit Vater Staat auf der Tasche.

Und da dieser selten einer Entwicklung voraus ist, sondern zu 99% nur auf vorhandene Entwicklungen reagiert, handelt er immer noch nach Maßstäben die in den 70er oder 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts galten.

Die Folge ist, das Arbeitslose in irgendwelche Sinnfreie 'Umschulungsmaßnahmen' gesteckt werden oder nicht selten mit Eingliederungsvereinbarungen gezwungen wurden - das soll heute nicht mehr so stringent sein wie noch vor drei oder 4 Jahren - Jobs anzunehmen, die gänzlich unter ihrer Qualifikation lagen. Auch die AGH-Jobs - was übersetzt ja Arbeitsgelegenheitshilfe heißt und im Volksmund Ein-Euro-Job genannt wird - gehören zu den mehr oder Minder sinnfreien Möglichkeiten, die vor allem dazu dienen die Arbeitslosenstatistik schön zu färben.

Auch ich durfte schon von einer Bewerberschulung profitieren. Das einzige, was mir diese 'Schulung' gebracht hat: Ich habe eine vernünftig geschriebene Bewerbung - so wie sie vor zwei Jahren gefordert war. Und ich saß statt zu Hause 8 Stunden in einem stickigen Raum.

Ebenso ist mir schon ein AGH-Job widerfahren. Dieser Job wäre auch fast nur dem Zeitvertreib dienlich gewesen, hätte ich nicht irgendwann die Initiative ergriffen und mir die Arbeit selbst gesucht. Wäre er so weitergelaufen wie es die ersten 3 der 6 Monate der Fall war, wäre ich vermutlich wahnsinnig geworden. Und ich würde für den Sportverein heute weder die Stadionzeitung schreiben noch die Festschrift zum 100. der Fussballabteilung.

Ein zweiter AGH-Job, der auch rein gar nichts mit meinen - im bisherigen Berufsleben erworbenen - Qualifikationen zu tun gehabt hätte, ist an eine zweite Kandidatin gegangen. Keine Ahnung warum, aber ist auch in Ordnung so.

Nun gibt es verschiedene Modelle die angedacht werden, um die Arbeitsmarktpolitischen Probleme und die damit einhergehende gesellschaftliche Schräglage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Eine davon ist das Bedingungslose Grundeinkommen.

Auch ich bin, nachdem ich davon gehört habe, durchaus ein Fan davon geworden. Nicht, weil ich dann vielleicht nicht mehr arbeiten gehen muss, wenn ich es nicht will. Sondern weil es einfach für die auf der Straße stehenden Menschen viele der Zwänge wegnimmt, denen diese unterliegen. Aber nicht nur von denen die auf der Straße stehen.

Denn es nimmt auch Zwänge von jenen die noch in Anstellung sind, sich dort aber nicht wirklich wohl fühlen. Vielleicht weil sie sich gemobbt sehen oder weil die ihnen gemachten Versprechen nicht eingehalten werden.

Mittlerweile gibt es auch eine Bürgerinitiative 'Bedingungsloses Grundeinkommen', die u. a. von Ralph Boes ins Leben gerufen wurde. Boes ist selbst Hartz IV-Empfänger, der sich nicht erst einmal mit Arbeitsagentur und ARGE / Jobcenter angelegt hat.

Und wer sich mal anhört was er zu sagen hat, und welche Vorstellungen vom Bedingungslosen Grundeinkommen ihn antreiben, wird nicht umhin kommen festzustellen, das vieles von dem was er sagt zutreffend ist.

Denn das alle Leute - sollte das Grundeinkommen irgendwann eingeführt werden - zu Hause bleiben und nicht mehr arbeiten gehen würden, ist sicher nicht der Fall. Auch dann werden immer noch genügend Leute arbeiten gehen, weil sie nur mit rumsitzen nicht den Tag vergeuden wollen.

Nur mit dem Unterschied, das dann nicht mehr der zukünftige Arbeitgeber die Bedingungen diktiert, zu denen der Arbeitnehmer arbeiten 'darf'. Sondern das der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Angebot machen muss, zu dem dieser zwang- und drucklos 'ja' sagen kann.

Ralph Boes hat aber nicht nur die Bürgerinitiative ins Leben gerufen und streitet sich mit irgendwelchen Behörden herum. Nein, er hat auch einen lesenswerten Brief unter anderem an den Bundespräsidenten, die Bundeskanzlerin und die Arbeitsministerin geschrieben. Wer ihn unterzeichnen will, kann das hier.

Ich habe es getan, schließlich gehts hier im Großen und Ganzen um nichts anderes als um den Paragraphen 1 des Grundgesetzes:

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Und die wird bei den momentanen Bedingungen mehr als nur angetastet. Sie wird regelrecht an die Wand gestellt. 

Autor: Marcus

Ich freue mich über Deinen Besuch auf meinem Blog! Wenn Dir der Artikel gefallen hat, teile ihn doch mit anderen und hinterlasse Deine Meinung oder kontakte mich per EMail!